Sie haben sich bei Sun für viele überraschend gegen eine Phalanx von männlichen Bewerbern durchgesetzt. Waren Sie selbst auch überrascht?
Am Schluss war es nicht mehr überraschend. Die Gespräche mit dem Regionsdirektor wurden immer konkreter. Es hat sich bald herausgestellt, dass die Aufgabe für das, was ich kann, maßgeschneidert ist. Ausschlaggebend war die Kontinuität in meinem Lebenslauf, die Erfahrung in einem amerikanischen Konzern und auch meine Erfahrung und Bekanntheit im österreichischen Markt. Von den Mitarbeitern und Business-Partnern bin ich explizit positiv empfangen worden.
Warum jetzt der Wechsel nach elf Jahren steiler Karriere bei Microsoft?
Elf Jahre sind lang. Da beginnt man schon zu überlegen: Gehe ich hier in Pension? Ich habe bei Microsoft ungefähr alle drei Jahre eine neue Aufgabe übernommen. Das ist ein Rhythmus, an den man sich gewöhnt. In meinen letzten drei Jahren als Verantwortliche für den KMU-Markt habe ich meine Pläne umgesetzt. Wir sind massiv gewachsen und haben das Team restrukturiert und ausgebaut. Ab dann war nur mehr Fein-Tuning notwendig. Ich habe die Herausforderung als abgeschlossen betrachtet und war auf der Suche nach neuen Themen. Und bei Microsoft hat sich keine neue Aufgabe abgezeichnet.
Was bleibt bei Microsoft von der Ära Fleischmann?
Das müssten Sie meine ehemaligen Kollegen fragen, zu denen ich weiterhin regen und freundschaftlichen Kontakt pflege. Was bleibt, ist vielleicht ein offener, kritischer Geist, der auch für meine Persönlichkeit bezeichnend ist, und eine kunden- und partnerorientierte Grundeinstellung.
Sun und Microsoft sind auf Konzernebene nicht gerade für ihre innige Freundschaft bekannt. Wie groß sind die Unterschiede?
Organisatorisch und vertriebstechnisch sind die Unterschiede gering. Von der Konkurrenzsituation her gibt es in Österreich wenige Berührungspunkte, weil die beiden Unternehmen unterschiedliche Lösungsbereiche abdecken. Aufgrund der Größe des Marktes sind die Leute auch pragmatischer und nicht so emotionalisierbar. Es gibt kaum jemanden, der zum Beispiel die Frage ‚Java oder nicht Java' zur Religion erhebt.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Offen, kooperativ und lösungsorientiert. Ich gewähre immer Einblick in Entscheidungen und Hintergründe. Info-hiding lehne ich ab. De facto arbeite ich darauf hin, dass meine Mitarbeiter meine Aufgaben übernehmen können. Managen hat bei mir auch eine Coaching-Komponente. Ich arbeite gezielt eins zu eins mit den Mitarbeitern, um Verhaltensmuster aufzubrechen.
Sie kommen in einen Konzern, der gerade einen harten Sanierungskurs fährt. Keine leichte Aufgabe ...
Natürlich sind Menschen in Change-Situationen in der Regel nicht euphorisch. Einige Mitarbeiter sind verunsichert. Aber in Österreich ist der Trend positiv, wir haben 45 Prozent Zuwachs bei neuen Projekten. In puncto Personalabbau sehe ich daher derzeit keine Gefahr.
Zuletzt konnten mit den neuen AMD-Opteron-basierten "Galaxy"-Servern sowie mit der neuen UltraSPARC T1-Prozessortechnologie wieder deutlich Marktanteile gewonnen werden. Auch im Softwarebereich herrscht wieder Aufwind.
Technologieproblem hat Sun sicher keines. Der Erfinder- und Ingenieursgeist zieht sich durch das gesamte Portfolio. Auch bei Energieeffizienz und geringem Stromverbrauch sind wir führend. Es geht vor allem um Reorganisation. Wir fahren einen Konsolidierungskurs zum Positiven und wollen uns bei der Positionierung auf vier Säulen - Server, Storage, Software, und Services - konzentrieren, und dies durchgängig bis in die Länderorganisationen.
Was wird sich unter Ihrer Führung ändern?
Die Kommunikation zwischen Kunden und Geschäftsleitung ließ zu wünschen übrig. Deshalb bin ich 50 Prozent meiner Zeit draußen bei den Firmen und Partnern. In der Vertriebsorganisation möchte ich Kontinuität und Qualität steigern, das heißt partnerschaftlich mit den Kunden arbeiten - auf Basis des Kosten/Nutzen-Prinzips. Im öffentlichen Bereich werden wir unsere Open-Source- und E-Government-Kompetenz weiter ausbauen. Den größten Handlungsbedarf sehe ich bei Storage- und der Softwarelösungen. Wir müssen die Kundenbeziehungen nützen, um unser gesamtes Portfolio einzusetzen, und auch gezielt Partner suchen, die weiße Flecken in der Landkarte abdecken. Bei der Software gibt es einen klaren Fokus auf Identity-Management. Hier sind wir mit unseren Lösungen genau zur richtigen Zeit am Markt.
Sie engagieren sich auch für die Förderung von Frauen in technischen Berufen. Liegen wir in Österreich da besonders schlecht?
Wir sind trauriger Durchschnitt. Der Frauenanteil in der Informatik ist sogar wieder zurückgegangen. Nach meiner Erfahrung sind Frauen in technischen Berufen sehr gut. Da und dort muss man sich halt mehr beweisen als ein Mann. Personalentscheidungen werden zu 99 Prozent von Männern getroffen, und nur ein Drittel entscheidet nach Qualifikation. Generell gibt es bildungspolitisch ein Image-Manko. Technik und Naturwissenschaften gelten als Nischenthemen. Es gibt zwar eine gute Grundausbildung, aber es werden kaum marktorientierte Berufsbilder vermittelt.
Was ist für Sie das Faszinierende an der Technik?
Ich glaube an Innovation und Fortschritt. Wenn man was mit einem Werkzeug besser machen kann, fasziniert mich das.
Haben Sie so was wie ein Credo?
Als Managerin glaube ich an einen konstruktiven, lösungsorientierten Ansatz und nicht an Schuldzuweisungen. Mein Gesamtcredo ist der respektvolle Umgang mit den anderen. Ich mag die Menschen, das hilft auch im Beruflichen. Und dann sollte das Berufsleben im Einklang mit dem Gesamtleben stehen. Ich mag es nicht, wenn man Rollen spielt.
Wie vereinbaren Sie die "Mutterrolle" mit dem Berufsleben?
Das kann man gut vereinbaren. Für mich war "Entweder oder" nie ein Thema. Jede Frau muss da selbst herausfinden, was sie will. Aber sich nur deswegen auf die Mutterrolle zu beschränken, weil man fürchtet, das ist mit dem Berufsleben nicht vereinbar, finde ich schade.
Sabine Fleischmann (38) absolvierte nach der Matura das WIFI Informatikseminar in Wien und begann ihre berufliche Laufbahn als PC-Administratorin am Österreichischen Institut für Raumplanung. Nach einem Jahr als Anwendungsingenieurin bei IKEA wechselte sie zu Oracle, wo sie als Leiterin des technischen Consultings erstmals Führungsaufgaben übernahm. Danach war Fleischmann elf Jahre bei Microsoft Österreich tätig, wo sie trotz Babypause binnen kurzer Zeit in die Geschäftsleitung aufstieg. Zuletzt war die verheiratete Mutter eines mittlerweile neunjährigen Sohnes als Vertriebsdirektorin für den wichtigen KMU-Markt verantwortlich.




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Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 