7-3-2007 | Aus MONITOR 3/2007 Gedruckt am 19-04-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/8822
Netz & Telekom

Interview mit Robert Hackl, CEO Tele2UTA

"Playing captain" soll Tele2UTA wieder auf Kurs bringen

Die Ablöse erfolgte quasi im Überraschungscoup über Nacht. Statt Norbert Wieser übernahm der bisherige Marketing-Vertriebsvorstand Robert Hackl die Leitung des größten alternativen Festnetzbetreibers des Landes. Damit erfolgte nicht nur eine Generationenablöse, sondern auch eine strategische Neuausrichtung. Neben Privatkunden will der neue Tele2UTA-Chef jetzt vor allem die Businesskundschaft (zurück-)gewinnen.

Christine Wahlmüller

Robert Hackl, CEO Tele2UTA (Foto: Francisco Cyhlar)

Sie waren zuletzt bei McKinsey, warum haben Sie sich eigentlich dafür entschieden, im Telekom-Bereich zu arbeiten?

Ich habe bei McKinsey sieben Jahre Projekte im Bereich Telekom- und IT-Services gemacht. Dann wurde ich letzten April auf die Position des Sales/Marketing-Direktors bei Tele2UTA angesprochen. Das war eine sehr schöne Chance, tatsächlich weiter spannende operative Arbeit zu machen. Ich hatte ja vorher auch sehr operative Projekte. Den hohen Qualitätsanspruch von McKinsey habe ich mitgenommen. Ich sehe mich jetzt als "playing captain" mit Spielmacherqualitäten. Es ist wichtig, sich auch selbst einzubringen und Ideen zu haben - das motiviert sicher auch die Mitarbeiter.

Können Sie einige Zahlen zur Unternehmensentwicklung nennen?

Wir haben derzeit rund 350 Mitarbeiter. Und wir haben vor, Mitarbeiter aufzubauen. Denn unser Ziel heißt ganz klar profitables Wachstum. Wir haben derzeit rund 1,2 Mio. Kunden, davon mehrere 10.000 im Business-Bereich. Unser Umsatz 2006 lag klar über 300 Mio. Euro und wird heuer im einstelligen Prozentbereich wachsen. Rückblickend kann man sagen, das erste Jahr von Tele2UTA, 2005, war das Jahr der Zusammenführung, 2006 war das Jahr der Konsolidierung, mit dem Resultat, dass Tele2UTA heute ein profitables Unternehmen ist.

Was heißt profitabel?

Profitabel heißt, dass wir unsere eigenen Investitionen von etwa 15 Mio. Euro aus eigener Kraft finanzieren können. Unser Profit muss daher höher sein. Von 2005 auf 2006 haben wir unser EBITDA mehr als verdoppelt.

Wie war für Sie selbst Ihr Wechsel vom Marketing-Vertriebs-Vorstand zum CEO?

Natürlich hat man, wenn man in so ein Unternehmen einsteigt, eine gewisse Perspektive. Ich habe aber nicht erwartet, dass sich diese Perspektive so kurzfristig realisierte.

Bisher war die Tele2-Strategie: Billig, einfach, simpel, Privatkunden. Sie haben jetzt angekündigt, mehr in Richtung Businesskunden gehen zu wollen. Wie stellen Sie sich denn das vor?

Unser Geschäftsmodell basiert unverändert auf drei Säulen: Residential, Business und Reseller bzw. Carrier. Das Privatkundengeschäft macht derzeit in etwa 50 Prozent aus. Wir sind aber fast ebenso stark im Business- und Carrierbereich. Unsere Mission lautet cheap-and-simple telecoms. Für den Businessbereich heißt das übersetzt: Mehr Leistung für weniger Geld. Ein Beispiel dafür ist unser Biznet Complete Portfolio. Heuer werden wir hier mit einer Service- und Qualitätsoffensive noch mehr bieten.

Es ist allerdings bekannt, dass viele Ihrer qualifizierten Mitarbeiter, vor allem auch in der Technik, Tele2UTA verlassen haben...

Ich denke, die Branche ist immer wieder im Fluss. Gerade bei einer Fusion formiert sich die Mannschaft neu. Es kommen und gehen Leute - u.a. sind auch viele qualifizierte Mitarbeiter vom Mitbewerb zu uns gekommen.

Werden Sie jetzt das Unternehmen umstrukturieren?

Nein, eine Umstrukturierung haben wir nicht vor.

Wie sehen konkret Ihre Ziele und Pläne für 2007aus?

Ich persönlich stehe für Wachstum, profitables Wachstum. Wachstumsbereiche sind der Businessbereich und Breitband-Internet für Privatkunden. Konkret heißt das Fortführung der Breitband-Offensive auf Basis der Entbündelung: Wir entbündeln derzeit bis zu 7.000 Kunden pro Monat.

Im Businessmarkt werden wir neben der Qualitäts- und Service-Offensive unser Produktportfolio ergänzen. Bei KMU läuft das unter dem Schlagwort "Office over IP", für Großkunden (über 100 Mitarbeiter), ist "Network-centric services" der zentrale Aufhänger. Im Businessbereich haben wir heuer bereits unsere neuen Service Level Agreements (SLA) gelauncht, künftig wird es verstärkt um flexible, mobile Lösungen und die Weiterentwicklung der Datennetz-Optionen gehen. Wir werden über das Datennetz verstärkt Services auf IP Basis anbieten: das kann Telefonie über IP sein, Collaboration Plattformen, die an Bedeutung gewinnen oder auch Applikationen, die in Zukunft von Unternehmen stärker an Service Provider ausgelagert werden, um so Einsparungen bei Betrieb und Wartung von Infrastruktur zu erzielen.

Wie sieht Ihre Strategie für den KMU-Markt aus?

Für KMU sind simple Lösungen aus einer Hand wichtig. Wir werden solche schnüren und haben die ja auch schon. Zugleich werden KMU zunehmend mobiler werden, auch da werden wir etwas anbieten, ebenso wie bei konvergenten Lösungen.

Thomas Hintze von UPC hat im MONITOR Interview (02/2007) gesagt, UPC sei der größte alternative Anbieter, was sagen Sie dazu?

Wenn er die TV-Kunden mitzählt, ist er vielleicht der größte. Aber der TV-Markt hat einfach nichts mit dem Telekommarkt zu tun. Im Telekom-Bereich sind wir daher nachweislich der größte alternative Anbieter.

Was haben Sie im Mobilfunkbereich geplant?

Die Partnerschaft mit ONE läuft gut, wir werden diese sowohl im Privat- als auch Businessbereich ausbauen.

Stichwort Mobilfunkmarkt: Hier erwächst Ihnen ja auch eine neue Konkurrenz, insbesondere durch die Entwicklung von mobilem Breitband...

Ja und nein. Das mobile Breitband hat derzeit eher eine ergänzende und keine substituierende Funktion. Letztes Jahr gab es ein starkes Wachstum im mobilen Breitband. Es hat nicht dazu geführt, dass das Wachstum im Festnetz-Breitband-Bereich zurückgegangen ist. Soviel zum Privatkundenmarkt. Im Geschäftskundenbereich sehe ich es so, dass das mobile Breitband nie die Leistungsfähigkeit und Stabilität des Festnetzes haben wird, um darüber unternehmenskritische Applikationen wie SAP etc. in Echtzeit abzuwickeln.

Wie sehen Sie die Position Österreichs im Tele2-Konzern?

Konzernstrategie ist die Transformation vom Reseller-basierten in ein Access-basiertes Geschäftsmodell. Genau das wird in Österreich par excellence vorgelebt. Österreich ist also ein Frontrunner, wir sind da am weitesten. Und wir haben den Geschäftskundenbereich und den Mobilmarkt. Wir bilden als Land daher eine sehr wertvolle und wichtige Einheit für den Konzern.

Wie schätzen Sie den österreichischen Telekommarkt generell ein?

Man muss sehr aufpassen, dass es nicht zu einer Re-Monopolisierung kommt am Markt. Das Kartellgericht prüft ja gerade den eTel-Deal. Das Kartellrecht besagt, dass man eine Übernahme untersagen muss, wenn sie zu einer marktbeherrschenden Stellung führt. Davon gehen wir aus, weil die TA mit dem eTel-Kauf ihre bereits bestehende markbeherrschende Stellung weiter ausbaut. Und sollte der Deal wider Erwarten genehmigt werden, muss es Auflagen geben, die den Kunden schützen.

Letzte Frage: Sie haben noch immer zwei Logos nebeneinander auf Ihren Visitkarten und Unterlagen. Bleibt das so?

Bei der Zusammenführung 2005 haben wir uns bewusst für die gemeinsame Marke Tele2UTA entschieden, um die jeweiligen Stärken bestmöglich nutzen zu können. Wir schauen uns die Positionierung jedes Jahr an, und bisher gab es keinen Grund daran etwas zu ändern.

www.tele2uta.at

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