Die TechEd wurde im heurigen Jahr erstmals zeitversetzt in zwei Teilkonferenzen (TechEd Developers und TechEd IT Forum) abgehalten. Damit wurden die verschiedenen Interessenslagen von Entwicklern und IT-Managern besser berücksichtigt. Die TechEd Developers fand vom 7.-10.11.2006 und das TechEd IT Forum vom 14.-17.11.2006 statt.
Das Highlight der TechEd Developers Konferenz war die Präsentation von .NET 3.0. Während sich in der Vergangenheit die Medien darauf konzentrierten, wann Microsoft Windows Vista auf dem Markt kommen wird und wie die Hardware-Anforderungen dafür aussehen, hat Microsoft an der Erweiterung der .NET-Plattform gearbeitet. Das Ergebnis ist .NET 3.0, das für den Software-Entwickler eine mächtige Software-Plattform bietet, die es in dieser Form und in diesem Umfang bisher noch nicht gegeben hat. Die wichtigsten Komponenten dieser Software-Plattform sind Windows Presentation Foundation (WPF), Windows Workflow Foundation (WF), Windows Communication Foundation (WCF) und Windows CardSpace.
Windows Presentation Foundation
Da die Benutzerschnittstelle von Software-Applikationen von großer Bedeutung für den Anwender ist, werden mit der Windows Presentation Foundation (WPF) neue Möglichkeiten für Entwickler und Designer geschaffen. Da die Darstellung vektor-basiert erfolgt, können die Fähigkeiten der Graphikkarte voll ausgenützt und die Bildqualität unabhängig von der Darstellungsgröße gewährleistet werden. Für Designer und Entwickler bietet die WPF eine gemeinsame Design-Sprache an, die üblicherweise mit entsprechenden Werkzeugen zur Beschreibung der Benutzerschnittstelle verwendet wird. Während der Entwickler wie gewohnt Visual Studio 2005 für die Implementierung der Anwendungslogik einsetzen kann, wird dem Designer das Werkzeug Microsoft Expression Interactive Designer angeboten.
Die WPF schafft damit Möglichkeiten für die Gestaltung von besonders ansprechenden Benutzerschnittstellen. Bleibt nur zu hoffen, dass entsprechend ausgebildete GUI- und Usability-Designer die technischen Möglichkeiten in neuen Anwendungen so einsetzen, dass der Benutzer seine zu erledigenden Aufgaben effizient durchführen kann. Als Ausblick sei noch erwähnt, dass Microsoft an WPF/E (E steht für Everywhere) arbeitet, wodurch WPF in mit eingeschränkter Funktionalität auch für andere Betriebssysteme (als Plug-in für Web-Browser) zur Verfügung gestellt werden kann.
Windows Workflow Foundation
Die Windows Workflow Foundation (WF) stellt nun jene Infrastruktur zur Verfügung, die für die Entwicklung von workflowbasierten Anwendungen wichtig ist. Microsoft hat hier eine Lösung geschaffen, die besonders den Software-Entwicklern entgegen kommt, indem es diesem sowohl eine Möglichkeit zur visuellen Modellierung auf abstrakter Ebene als auch zum klassischen Codieren bietet.
Dieser Ansatz soll die Software-Entwicklung deutlich vereinfachen und helfen Kosten zu senken. Für die Workflow-Engine fallen keine Kosten an, da sie Teil von .NET 3.0 ist. Darüber hinaus wird man nun beim Design einer Anwendung frühzeitig auf die Möglichkeiten der WF Rücksicht nehmen, da sich damit kundenspezifische Änderungen in der Applikationslogik leichter und kurzfristiger integrieren lassen.
Windows CardSpace
Wer kennt nicht das leidige Authentifizierungsproblem bei Internet-Anwendungen, das zu einer Vielzahl von Benutzerkonten und hoffentlich ebenfalls zu vielen verschiedenen Passwörter führt. Wenn man sorgsam damit umgeht, wird man diese Daten in einem Verwaltungsprogramm für Passwörter aufbewahren.
Windows CardSpace kann dieses Problem elegant lösen, indem es jedem Benutzer von Web-Anwendungen gestattet, die vom den Web-Anwendungen erforderlichen Credentials (Name, Passwort, Alter, E-Mail-Adresse, etc.) in spezifischen Cards (z. B. pro Web-Anwendung) selber zu spezifizieren. Diese Daten werden dann aber nicht wie bei .NET Passport auf der Server-Seite verwaltet, wodurch sich die Benutzer überwacht fühlten, sondern auf der Client-Seite. Der Anwender muss beim Login in die Web-Anwendung nur mehr die entsprechende Card aus seinem CardSpace nehmen und der Anwendung zur Verfügung stellen; dieser Prozess ist völlig transparent, denn man kann sich die Daten vor dem Absenden nochmals durchsehen.
CardSpace wird gegenwärtig von Microsoft Internet Explorer 7 und einigen Web-Anwendungen unterstützt. In einem weiteren Schritt sollen nun auch andere Web-Browser wie Mozilla dieses äußerst tragfähige Konzept umsetzen, sodass alle Windows-Benutzer zukünftig CardSpace als Authentifizierungsmechanismus einsetzen können.
Windows Communication Foundation
Die Windows Communication Foundation (WCF) bildet eine weitere wichtige Komponente bei der Integration von Anwendungen, die mit verschiedenen Protokollen und Diensten miteinander kommunizieren. Die WCF bietet für die Entwicklung von verteilen Software-Applikationen ein einheitlichen Programmiermodell an.
So kann man z. B. über Konfigurationseinstellungen das Protokoll oder den Zuverlässigkeitsgrad der Datenübertragung ändern, ohne dass eine Zeile Code zu schreiben ist. Für den Software-Entwickler bietet die WCF wichtige Konzepte zur einfachen Adaption an kundenspezifische Anforderungen sowie zur Integration von beliebigen Legacy-Systemen.
Fazit
David Chappel hat in seinem Vortrag "Comparing .NET and Java: The View from 2006" auf der TechEd einen umfangreichen Vergleich von .NET und Java angestellt und dabei festgehalten, dass sich beide Plattformen in den nächsten Jahren in eine ähnliche Richtungen bewegen werden, aber die Ansätze sich teilweise signifikant unterscheiden.
So hat Microsoft mit .NET 3.0 eine Plattform geschaffen, die mehr abdeckt als J2EE 1.4 und diese Plattform wird mit Windows XP und Vista auf einer großen Anzahl von PCs mittelfristig zur Verfügung stehen. Möglicherweise ist Microsoft damit "ahead of the game", dem Motto der heurigen TechEd. Weitere Details zu .NET 3.0 findet man unter http://www.netfx3.com




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6/2011
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bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 