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IKT-Trends

Softwaremarkt wächst, aber Fachkräfte fehlen

Das Problem mit dem Expertennachwuchs

Die österreichische Softwarebranche verzeichnete im Jahr 2006 wieder einen leichten Aufschwung mit der Tendenz, dass sich weiterhin immer mehr Umsatzvolumen von der reinen Softwareherstellung in Richtung Softwareconsulting und verwandte Servicebereiche verlagert.

Insgesamt liegt das jährliche Branchenvolumen aktuell bei knapp sieben Milliarden Euro bei rund 20.000 Mitarbeitern, wobei die reine Softwareherstellung dazu etwa die Hälfte beisteuert. Die großen Platzhirschen am Markt sind dieselben geblieben: Siemens Business Service und Siemens Programm- und Systementwicklung (PSE), Raiffeisen Informatik, Bundesrechenzentrum, S&T, IT Austria sowie natürlich die heimischen Töchter der großen Softwarekonzerne Microsoft, IBM und SAP.

Von den internationalen Tendenzen kann sich Österreich aber auch nicht abkoppeln: Der größte heimische Arbeitgeber für Softwarespezialisten, PSE, verlagert Standardtätigkeiten vermehrt ins Ausland, in diesem Fall vor allem in die neue Niederlassung in Nanjing, China. Von den insgesamt 7.000 PSE-Mitarbeitern arbeiten bereits die Hälfte im Ausland, in Zukunft sollen es sogar 60 Prozent sein, sagt Siemens Österreich-Chefin Brigitte Ederer.

„Wir müssen uns in Österreich auf die Ausbildung hochqualifizierter Spezialisten konzentrieren.“ - Silvia Buchinger, Personalchefin von Hewlett-Packard (HP) Österreich

Im Gegenzug fehlen in Österreich aber zunehmend IT-Fachkräfte, wie der Verband der österreichischen Softwareindustrie (VÖSI) befindet. VÖSI-Präsident und Beko-Chef Peter Kotauczek: "Es gibt zuwenig hochqualifizierte Fachkräfte am Markt. Allein bei Beko könnten wir sofort 250 Leute unterbringen". VÖSI-Vorstandsmitglied und CSC Austria-Geschäftsführer Manfred Prinz ergänzt: "Insgesamt würde ich schätzen, dass in Österreich zwischen 2000 und 4000 IT-Experten fehlen".

Wie konnte es trotz der Entlassungswellen nach dem Internet-Hype und trotz der starken Verlagerungstendenzen zu einer solchen Situation kommen? Damals wurden in aufgeblähten Internet- und IT-Unternehmen zahllose Fachleute, die teilweise auch nur rudimentär ausgebildet waren, nicht selten zu Traumgagen eingestellt. Die Luftblase platzte aber, und der Markt entspannte sich. Doch heute, so der VÖSI, werde aber wieder ein Defizit spürbar.

Kotauczek: "Es geht hier aber nicht allein um isolierte Experten. Bei der Ausbildung gibt es einiges nachzuholen." Trotz eines durchaus vorhandenen Angebots an "normalem" IT-Personal werde es "immer schwieriger bis fast unmöglich, Schlüsselpositionen mit gut ausgebildeten und erfahrenen Fachkräften zu besetzen", denn heute zähle nicht nur einfach die technische Fertigkeit, sondern auch die Zusatzausbildung in den Bereichen Verkauf, Consulting und Projektmanagement.

Ursachen für das Nachwuchsproblem

Ursachen für das Nachwuchsproblem sind im Wesentlichen zwei Faktoren: Zunächst die als mangelhaft empfundenen Ausbildungswege für IT-Fachleute. Während Unis und Fachhochschulen die Leute derzeit zu Spezialisten in diversen IT-Feldern ausbilden, fehle es an zusätzlicher Wissensvermittlung, stellt Peter Pendl, Chef der Personalberatung Pendl & Piswanger, fest: "Es gibt ein Defizit zwischen Ausbildung und Nachfrage."

„Derzeit ist IT-Programmierer der meistgesuchte Beruf in Österreich. Aber es muss eben eine fundierte Ausbildung vorliegen.“ - Mag. Manfred Prinz, Vorsitzender des Vorstandes der CSC Austria AG, Vorstandsmitglied VÖSI

Nach dem Brancheneinbruch, der der New Economy folgte, habe sich der Markt wieder schneller entwickelt als die Ausbildung. Dazu komme eine fatale Rhythmuskurve: "Der rückläufige Bedarf an IT-lern in den Jahren 2001 bis 2003 hat auch das Interesse an einer Ausbildung in diesem Bereich reduziert, was heute spürbar wird." Und weiter: "Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Ausbildung ist nun stark gefordert, ebenso wie die Bereitschaft der Unternehmen, in die Weiterbildung der IT-Mitarbeiter gezielt zu investieren, wie zum Beispiel in den Verkauf." Auch das Image der IT-Berufe und ihre Bedeutung müsste neu angepasst werden, meint Pendl.

Unterstützung kommt von Silvia Buchinger, Personalchefin von Hewlett Packard (HP) Österreich. "Wir müssen uns in Österreich auf die Ausbildung hochqualifizierter Spezialisten konzentrieren". Nur diese Strategie würde heimische Unternehmen vor der "Offshore-Falle" bewahren, also der Auslagerung von standardisierten Tätigkeiten in Niedriglohnländer. Dass ein Stocken in diesem Bereich auch dem österreichischen Wirtschaftsstandort schaden könnte, davon sind die VÖSI-Vertreter überzeugt.

Gehaltsangebote steigen nicht

Ein weiteres grundlegendes Problem ist aber noch ungelöst: Trotz des steigendes Bedarfs an Softwareexperten steigen die Gehaltsangebote nicht. "Die Firmen können sich einfach noch keine Traumgagen, wie sie früher gezahlt wurden, leisten", sagt CSC-Chef Prinz. "Die Ertragssituation erlaubt das derzeit nicht." Das wirkt bei ehemals hochbezahlten IT-Spezialisten, die nach dem New Economy-Hype in die Selbständigkeit entlassen wurden, nicht wirklich. "Viele sagen: Warum soll ich aus meiner Ich-AG zurück? Mit geht´s eh leiwand", schildert Beko-Chef Kotauczek seine Erfahrungen. "Und das, obwohl wir durchwegs wieder Leute auch fix anstellen."

Ein Spezialfall in diesem Zusammenhang ist die Situation bei der PSE: Dort kämpfen derzeit 250 Mitarbeiter um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Beim VÖSI hält sich das Verständnis dafür in Grenzen. Bei Großfirmen wie Siemens habe es immer eine gute Gehaltsstruktur gegeben, außerdem mache sich die PSE, die nahezu ausschließlich konzerninterne Aufträge bearbeitet, "ihre Preise und ihre Kostenstrukturen selbst", heißt es. Daher würden sich PSEler am freien Markt wegen ihrer hohen Ansprüche tatsächlich recht schwer tun.

Die Ängste, dass "sowieso" die meisten IT-Arbeiten in Zukunft "nach Indien" verlagert würden, zerstreut wiederum Manfred Prinz: "Die Realität sieht kurioserweise anders aus. Derzeit ist IT-Programmierer der meistgesuchte Beruf in Österreich. Aber es muss eben eine fundierte Ausbildung vorliegen."

Politik gefordert

„Es gibt zuwenig hochqualifizierte Fachkräfte am Markt.“ - VÖSI-Präsident und Beko-Chef Peter Kotauczek

In diesem Zusammenhang richten die Branchenvertreter einen dringlichen Appell an die Bundesregierung: "Die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsstätten sowie Unis und der Wirtschaft muss verbessert werden", regt TU-Professor A Min Tjoa an. Die Abgänge auf Bachelor und Master-Niveau müssten forciert werden, gemeinsam mit IT-Wissen sollten mehr Management-Soft Skills vermittelt werden. "Mein Wunsch an die Bundesregierung: Die Informatikausbildung muss einfach mehr Qualität erreichen." Auch die Weiterbildung sei ein "ernstes Problem", ergänzt Prinz. Denn auch die "tollsten IT-Spezialisten" würden in zehn Jahren "daneben stehen", wenn sie sich nicht laufend weiterbilden. Wie das allerdings gehen soll, wenn die IT-Firmen unterbesetzt sind, fragt sich Kotauczek: "Man kann nicht gleichzeitig arbeiten und auf Schulungen gehen."

Damit nähert sich die Diskussion bereits der vielfach geforderten Umsetzung des IT-Masterplanes der Regierung. "Das sollte man Ernst nehmen", so Kotauczek. Die Politik mache im IT-Bereich "beim Agenda Setting schwere Fehler." Die Themen sollten "wirklich hochrangigen Politikern" überlassen werden, meint Kotauczek in Anspielung auf die jetzigen Zuständigkeiten im Staatssekretariat des Infrastrukturministers, "und nicht irgendwelchen Staatsekretären, die vielleicht niemand mag. Das kann man durchaus sagen, ohne unbotmäßig zu wirken".

Im Einklang mit HP-Personalchefin Buchinger meint Kotauczek auch, dass die Politik sich mehr um die Standortpolitik in der IT kümmern sollte. "Wir brauchen mehr Kompetenzheadquarters in Österreich. Leider gab es einige headquartervertreibende Maßnahmen in der letzten Zeit." Die Service-, Consulting- und Integrationsdienstleistungen in der IT müssten vor Ort erbracht werden, also dort, wo die Firmenzentralen als IT-Kunden sitzen. Österreich als Industrieland und Bankenplatz mit Ausstrahlung in den Osten können diese Chance nützen. Kotauczek bedauert allerdings, dass es "nach wie vor keine gute Kommunikation mit den politischen Entscheidungsträgern über solche strategischen Fragen unseres Standorts" gibt. Das betreffe sowohl Ausbildung als auch die Finanzierung und die Frage der Betriebsgrößen.

Positive Signale aus der EU

Immerhin kommen neuerdings von der EU wieder positive Signale: Im 7. Forschungsrahmenprogramm der Union sollen europaweit bis 2013 insgesamt neun Milliarden Euro für die Forschung im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien locker gemacht werden. Das kann auch für österreichische Unternehmen interessant werden, die sich von einem größeren Forschungsanteil eine Sicherung ihres Standortes versprechen und darauf unter anderem auch die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter aufbauen wollen.

Laut Rudolf Lichtmannegger, Referent für Forschung und Entwicklung in der Wirtschaftskammer Österreich, punkten heimische Unternehmen besonders bei Embedded Systems und im Halbleiterbereich. Insgesamt flossen im vergangenen Jahr 103 Millionen Euro an Förderungen. In weiteren Schlüsselbereichen, und dazu zählen Softwaresysteme und Softwarearchitektur, entwickle sich Österreich bei den Förderungen ebenfalls ganz gut.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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