Zwar ist der Computer heute nichts Besonderes mehr, er ist zu einem Werkzeug im Büroalltag geworden - ebenso wie Telefon, Kopierer oder Faxgerät. Allerdings gibt es doch eine Besonderheit: Jeder Mensch hat, was seinen persönlichen Arbeitsstil betrifft, bestimmte Vorlieben und bestimmte Abläufe. Und hierfür existiert eine ganze Anzahl von nützlichen kleinen Hilfsprogrammen - kleine elektronische Heinzelmännchen, die den Ablauf (oder bestimmte Details davon) einfacher und komfortabler machen - falls man sie kennt. Und einige dieser Heinzelmännchen stelle ich Ihnen hier vor.
Irfan View
Auch bei der Arbeit muss man sich oft Bilder und Grafiken ansehen und so manche Information gibt es inzwischen im Internet auch nur mehr als Bild oder als Video-Clip. Ich verwende für alle diese Programme den "Irfan Viewer". Er ist vor allem ein schneller Viewer zum Ansehen von Bildern, auch wenn er noch vieles mehr kann. Und hier ist (für mich) schon einmal eine der wichtigsten Forderungen erfüllt: Geschwindigkeit.
Das Programm startet blitzschnell, das Bild ist Sekundenbruchteile nach dem Anklicken bereits zu sehen - in Originalgröße. Und sollte das zu groß sein, genügt ein Druck auf die Enter-Taste und das Bild wird auf Bildschirmgröße verkleinert. Bildwechsel geschieht mit der Leertaste (vor) bzw. der Rücktaste und beendet wird mit Esc - alles intuitiv und somit schnell zu bedienen.
Außerdem stellt er (nach Drücken der Taste "T") in einem eigenen Fenster auch Thumbnails aller Bilder im Verzeichnis dar. Deren Größe kann man jedoch wählen, beispielsweise 350 Pixel groß; damit ist schon in der Thumbnail-Darstellung eine gute Beurteilung der Bilder möglich.
Aber das können andere Viewer auch. Seine zusätzliche Stärke ist die Batch-Bearbeitung für Umbenennen und für Konvertieren von einem File-Format in ein anderes - insgesamt 18 verschiedene Grafik-Formate stehen zur Auswahl. Mit der Taste "B" öffnet sich das Dialogfeld, hier kann man die gewünschten Bilder für die nachfolgende Bearbeitung auswählen, ein Zielverzeichnis für die bearbeiteten Bilder lässt sich definieren.
Man kann mit ihm außerdem Bilder einscannen und sogar Slideshows laufen lassen. Und habe ich erwähnt, dass der Irfan Viewer auch Audio-Files und Filme wiedergeben kann?
Gadwin PrintScreen
Oft möchte man nur schnell den Bildschirm ausdrucken oder die Bildschirmanzeige als File versenden. "Gadwin PrintScreen" kann beides. Und bei den Einstellungen kann sich der Anwender aussuchen, ob er z. B. die angezeigte Seite, ein bestimmtes Rechteck oder das gerade aktive Fenster abspeichern will.
Ausgelöst wird der Vorgang durch Druck auf die "Druck"-Taste, die ja seit dem Ende der DOS-Ära sowieso "arbeitslos" ist, und wahlweise wird das Ergebnis als File abgespeichert, ausgedruckt, per E-Mail verschickt oder in die Zwischenablage kopiert. Je nach Voreinstellung sind auch mehrere dieser Optionen zugleich möglich. Auch die Screenshots in diesem Artikel wurden übrigens mit diesem Programm erzeugt.
Bulk Renamer
Es gibt eine ganze Reihe von Programmen zum schnellen Umbenennen vieler Files auf einmal, aber kaum eines ist so leistungsfähig und vielseitig wie der "Bulk Renamer".Wozu man ihn braucht? Beispielsweise um einen Stapel Bilder, die (kreativer Weise) wieder einmal "Image01.jpg" bis "Image53.jpg" heißen, global umzubenennen, z. B. "Projekt Düsseldorf 01.jpg" bis "Projekt Düsseldorf 53.jpg". Dann ist die Verwechslungsgefahr mit den unzähligen anderen Bildserien, die ebenfalls den aussagekräftigen Namen "Image01" bis "ImageXX" tragen, endlich gebannt.
Die Oberfläche mag für den Neuling verwirrend sein, weil man hier alle Bedienungselemente auf einen Blick sieht, anstatt sich erst durch mehrere Menüs durchzuklicken, aber das ist Gewöhnungssache. Überall dort, wo es darum geht, bestimmte Teile in einer ganzen Serie von Filenamen zu löschen, zu verändern oder hinzuzufügen, ist dieses Programm die Lösung meiner Wahl. Gestartet wird es üblicherweise direkt im Kontext-Menü mit Rechtsklick auf eines der Files, die umbenannt werden sollen.
FreeCommander
Die älteren unter uns, die noch unter DOS gearbeitet haben, erinnern sich wahrscheinlich an das Programm "Norton Commander": Zwei gleiche Fenster nebeneinander, und auf Tastendruck werden die gerade markierten Files in das andere Fenster kopiert oder verschoben. Insbesondere das Verschieben auch bei vielen Files ging damit so schnell und einfach wie sonst nirgends. Und dieses schlaue Programm hat ein cleverer Programmierer namens Marek Jasinski an das moderne Windows angepasst und als "free Commander" neu veröffentlicht.Neben den alten Features sind einige Neuheiten dazu gekommen, so kann man damit die markierten Files nun auch als ZIP- oder RAR-File in ein Verzeichnis komprimieren (oder entpacken), und die Viewer-Funktion kann auch die Hex-Darstellung oder Bilder anzeigen. Wer öfters mit Files hantiert und sie gleich blockweise verschieben oder kopieren muss, ist mit diesem Programm gut beraten.
Crimson Editor
Programmcode wird heute längst nicht mehr mit einem normalen Textprogramm geschrieben, das Ergebnis wäre wegen der hier stets mit gespeicherten Layout-Informationen wohl katastrophal. Deshalb gibt es eigene Editoren für Programmierer, sie zeigen den Text immer genau so an, wie er auch im File abgespeichert wird; es gibt hier keine versteckten Steuerzeichen.Mein Favorit unter diesen Programmen heißt "Crimson Editor" und bietet - wie auch einige andere Editoren - das so genannte "Syntax Highlighting": Alle Wörter, die als Befehlswörter einer Sprache erkannt werden, stellt er in einer speziellen Farbe dar. So erscheinen beispielsweise in PHP alle Befehle (wie z. B. "include") in Blau, Funktionen (wie z. B. "substr") in Rot, Variablen (wie z. B. "$wert") in Dunkelblau, Texte in Anführungszeichen in Violett und alle Kommentare in Grün.
Der Vorteil: Sollte man sich bei einem Befehlswort einmal vertippen, so merkt man dies schon an der falschen Farbe. Aber das Besondere dieses Programms ist: Es beherrscht diese farbliche Kennzeichnung für mehr als hundert verschiedene Programmiersprachen!
Stepvoice Recorder
Es gibt viele Programme, um etwas auf den PC zu diktieren. Das Problem dabei: die meisten Diktierprogramme speichern ihre Daten im "WAV-Format" ab - und das ist ein Platzfresser. Schon ein fünf Minuten Diktat erzeugt mehr als zehn Megabyte. Als Lösung gibt es das Programm "StepVoice Recorder 1.0", es nimmt die Diktate gleich im platzsparenden MP3-Format auf.Die Version 1.0 ist dabei wichtig. Denn nur diese Version wurde vom Hersteller als "Freeware" freigegeben und darf völlig legal kostenlos genutzt und unbeschränkt weitergegeben werden. Auch die Voraussetzungen, um dieses Programm zu betreiben, sind recht moderat: Ein PC mit mindestens 200 MHz, einer Soundkarte und einem Mikrofon reichen dazu aus.
Der Hintergrund: Viele Mailboxen streiken, sobald ein mitgeschicktes File größer als 10 MB ist. Und mit einem Programm wie dem Stepvoice Recorder ist es möglich, auch mit einer halben Stunde Aufnahmezeit immer noch unter diesem Limit zu bleiben.
Außerdem ein Tipp: länger als eine halbe Stunde "am Stück" zu diktieren, ist nicht empfehlenswert. Denn dann hat die Konzentration schon so weit nachgelassen, dass sich bereits Fehler und Unklarheiten einschleichen. Nach etwa 20 Minuten eine Pause zu machen (und später ein neues File zu beginnen), ist somit höchst vernünftig.
PDF mit Foxit lesen
Adobe hat das PDF-Format erfunden und der Adobe Reader wird überall als Lese-Software für PDFs bezeichnet. Aber es gibt auch andere Programme, die PDFs lesen können, und für mich ist der "Foxit Reader" mein Favorit. Der Grund? Er ist schnell, um vieles schneller als der Acrobat Reader, der (wie ich annehme) eine Menge versteckter Funktionen mit sich herumträgt.Und die Bedienung ist flott: Alt-F2 schaltet auf Vollbild-Darstellung, Strg-F3 auf Seitenbreite, und los geht's. Früher war auch das Beenden mit Esc möglich, aber dies hat Foxit mit seinem letzten Upgrade leider wieder entfernt, nun braucht es zum Beenden wieder das umständliche Alt-F4, das uns Windows als Standard beschert hat. Trotzdem ist der Foxit Reader ein schneller und schlanker PDF-Reader und wird auch weiterhin das Werkzeug meiner Wahl bleiben.
Das andere Office-Paket
Auch wenn in Redmond gerade jetzt wieder das neue "Office 2007" fertig ist, so gibt es schon seit langem ein völlig kostenloses Office-Paket; das "OpenOffice". Auf meinem PC gibt es schon seit rund vier Jahren kein MS-Office mehr, ich habe OpenOffice schon zuvor über längere Zeit ausprobiert und bin vor vier Jahren endgültig umgestiegen. Und spätestens mit der Version 2 (derzeit aktuell: 2.0.4) ist das Paket endgültig als ausgereift zu bezeichnen.Es beherrscht natürlich auch alle Datenformate von Microsoft, aber sein eigenes Format ist das internationale "Open Document Format", das in Kürze zum europäischen Standard gekürt werden wird. Sogar Microsoft wird in seinem neuen Office-Paket dieses europäische Format unterstützen.
Natürlich enthält OpenOffice auch die anderen Office-Elemente wie etwa Tabellenkalkulation, Präsentationsgrafik und Datenbank, und sie alle beherrschen sowohl die Microsoft-Formate als auch ODF; es ist also ein rundherum vollständiges Office-Paket.
Der "essentielle" Organizer
Als Organizer hat sich unter den vielen angebotenen Programmen bei mir der "Essential PIM" durchgesetzt. Es ist ein Freeware-Programm, und wer auf einige zusätzliche Features wie z. B. Outlook-Synchronisation nicht verzichten mag, kann zur Bezahlversion "Essential PIM Pro" wechseln.Das Programm bietet die vier Standardgruppen (Terminkalender, Aufgaben, Kontakte und Notizen) und kann Daten in verschiedenen Formaten im- und exportieren.
Platzfresser finden
Sobald es eng wird auf einer Festplatte, ist die Stunde dieses Programms gekommen: "GetFoldersize" scannt die Festplatte und sortiert alle Verzeichnisse und Unterverzeichnisse nach ihrer Größe. Damit kann man ganz genau erkennen, wo die Platzfresser sitzen - oft an anderer Stelle, als angenommen!Damit ist es ein leichtes, zu entscheiden, ob irgendwo überflüssige Daten gelöscht werden können oder ob man sich besser um eine größere Festplatte umsehen sollte. So wurde mir erst damit bewusst, dass Google Desktop ganze 5 GB für seine Index-Files benutzte - und schon waren das Programm abgestellt und 5 GB Speicherplatz gerettet. Auch Mailprogramme wie z. B. Thunderbird speichern nicht nur ihre versandten E-Mails, sondern auch alle Attachments dieser E-Mails auf der Platte ab, bis man sie löscht - das kann sich ebenfalls zu einigen GB anhäufen.
Mit einem Wort: Man sieht mit diesem Programm auf einen Blick, wer auf der Harddisk den meisten Platz verbraucht bzw. wo sich das Löschen lohnen könnte.
www.allsync.de/getfoldersize.htm
Noiseware Community Edition
Zum Abschluss noch ein Zuckerl für alle Besitzer von Digitalkameras. Einige dieser Kameras, insbesondere die billigeren, liefern nur bei bestem Licht wirklich einwandfreie Fotos. Sobald es mit dem Licht ein wenig hapert, werden die Bilder grobkörnig, mit einem Wort: sie sind verrauscht.
Während man hier mit der üblichen Bildbearbeitungs-Software wie z. B. Gimp oder PhotoShop kaum etwas ausrichten kann, außer die Bilder aufzuhellen und damit das unerwünschte Rauschen noch zu verstärken, gibt es ein Programm, das dieses Rauschen einfach "wegrechnen" kann: Mit "Noiseware" lässt sich auch grobes Bildrauschen im Foto wieder entfernen.
Die kostenlose Version enthält einige Beschränkungen, die aber kaum ins Gewicht fallen, wie z. B. eine Farbtiefe von max. 24 Bit (Kaufversion: 48 Bit), keine Batch-Verarbeitung und keine Übernahme der EXIF-Daten. Aber in puncto Rauschen sind beide Versionen gleich leistungsfähig.
Fazit
Wie man sieht, gibt es eine Reihe von kleinen, aber nützlichen Spezialisten. Die bestimmte Aufgaben einfach besser oder komfortabler erledigen können als viele andere. Und das Beste daran: Alle hier vorgestellten Programme gibt es kostenlos im Internet - und das sogar legal, in jedem einzelnen Fall.













7/2011
6/2011
5/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 