Irmgard Inführ
Initiiert wurde die kollektive Webpräsenz vom Kohlmarkt Komitee, einem Verein, in dem sich die Geschäftsleute des Kohlmarkts zusammengeschlossen haben. Am Anfang stand das Ziel, eine Weihnachtsbeleuchtung auf die Beine zu stellen. Heute geht es um weit mehr. Mit gemeinsamer Marketingaktivitäten wappnet man sich gegen die großen Handelsketten, die am geschätzten Kaufpotential der Kohlmarktgeschäfte - jährlich rund eine Milliarde Schilling - knappern.
Als Trumpfkarte wird dabei Individualität, Atmosphäre und natürlich auch die große historische Bedeutung der traditionsreichen Einkaufsstraße in der Wiener Innenstadt ausgespielt. Das sollte auch die Website transportieren. Dazu "die kulturelle und architektonische Ausstrahlung des Kohlmarkts, die uns die Verantwortung spüren läßt, mit diesem innerstädtischen Juwel als Unternehmergemeinschaft richtig umzugehen", sagt Herbert Schullin, Obmann des Komitees.
Die Verantwortung wird nicht von allen gleich idealistisch gesehen und so scheitert manches Gemeinschaftsprojekt an der gemeinsamen Finanzierung. "Was habe ich davon?" ist eine Frage, die sich für manchen Geschäftsinhaber nicht befriedigend beantworten läßt. Hier setzt das "Fördermodell für eingetragene Wiener-Einkaufsstraßenvereine" der Wirtschaftskammer Wien aus Mitteln des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds an. Erklärtes Förderziel: "Die Stärkung der Position Wiens als Einkaufsstadt im Wettbewerb um die Kaufkraft."
Unterstützt werden damit Gemeinschaftsprojekte, von denen alle Einzelhandelskaufleute eines Geschäftsviertels profitieren. Niemand darf ausgeschlossen werden der dabei mitmachen will. In erster Linie werden Maßnahmen gefördert, die den Absatz ankurbeln, Plakate, Aktionsflugzettel. Aber auch Verbesserungen am Ambiente des Viertels und mehr Kundenfreundlichkeit steigern die Kauflust und sind somit förderwürdig.
Für die Entwicklung und Konzeption der kollektiven Marketingaktivitäten steht jedem Vereinsvorstand jährlich ein Fixbetrag von 100.000 Schilling zur Verfügung. Die konkrete Umsetzung, etwa die Produktion und das Affichieren eines Plakates oder die Durchführung einer Veranstaltung wie auch die Gestaltung und Ausführung einer gemeinsamen Website, wird dann im Rahmen des eingereichten Gesamtkonzeptes gefördert. Wenn beispielsweise ein Wiener Einkaufsstraßenverein jährliche Werbemaßnahmen in Höhe von einer Million Schilling geplant und auch tatsächlich ausgegeben hat, wird bis zu einem Betrag von 600.000 Schilling die Hälfte vergütet. Von 600.000 bis eine Million Schilling beträgt die Förderung dann nur mehr 30 Prozent. Oberste Bemessungsgrundlage ist eine Million Schilling. Darüber hinausgehende Ausgaben liegen somit den Eiinkaufsstraßen-Vereinsmitgliedern voll in der Tasche.
Bevor jedoch Fördergelder fließen, wird das Marketingkonzept vom Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Wien (WIFI) begutachtet. Die Überprüfung durch das WIFI erübrigt sich, wenn der Vereinsvorstand zur Erstellung des Ganzjahres-Werbekonzeptes die Serviceleistungen des WIFI in Anspruch genommen hat.
Die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Förderung fällt dann das Präsidium des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds.
Für die als "websight magazine" gestaltete Internetpräsenz der Kohlmarkt-Geschäfte rechnet Schullin mit einer Förderung von rund 200.000 Schilling. Darüber hinaus zahlt jedes Unternehmen 36.000 Schilling. Vorläufig noch als eine launige Information über den Kohlmarkt gedacht, soll das "websight magazine" in einem zweiten Schritt zur Internet-Verkaufsplattform für die Kohlmarkt-Geschäfte ausgebaut werden, "ein großes Einkaufshaus für sicheren Geschmack, Stil und Kultur, abgehoben vom üblichen Internet-junk", so Schullin.
Daß es keine trockene Internet-Shopping-Mall werden wird, läßt die Website jetzt schon erahnen. Die Flash-Technik ermöglicht den Ablauf der vielen Bilder beinahe in Echtzeit. Eine Fotogeschichte führt durch die Geschäfte, von denen einige noch in der Monarchie wurzeln, andere wieder die Handschrift namhafter zeitgenössischer Designer tragen.
Über eine Übersicht wird gezielt ein Geschäft ansgesteuert. Doch ist man dort angekommen, gibt es keinen Weg mehr zurück! Und es hilft auch kein Clicken auf Pfeile und Icons. Hier muß noch an einer für jeden Internet-User nachvollziehbaren Navigation gearbeitet werden. Auch benötigt man zum Betrachten der coolen, innovativen und anspruchsvollen Flash-Site ein Plug-In. Dieses Zusatzmodul, das der Browser für die Übermittlung der Seiten braucht, kann zwar ohne Probleme kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden, offen bleibt allerdings die Frage: "Sind die Internet-Surfer dazu bereit?o




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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 