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ADSL-Feldversuch im Waldviertel

Mystisch und Telematisch

Das Waldviertel schmückt sich seit einiger Zeit mit der Bezeichnung "Telematik-Musterregion". Und tatsächlich ist das Gebiet, im Norden Österreichs, das bisher eher durch Mystik und Natur bekannt war, zu einer Vorzeigeregion geworden. Derzeitiger Höhepunkt ist ein ADSL-Feldversuch mit dem Breitband-Datenanbindungen in die Haushalte gebracht werden.

Mag. Hartwig Tauber

Die Region Waldviertel wird normalerweise mit herrlicher Natur und wirtschaftlichen Problemen in Verbindung gebracht. In letzter Zeit konnte das Gebiet an der tschechischen Grenze jedoch mit einigen interessanten Neuigkeiten aus dem Bereich der Telematik und Telekommunikation aufwarten. So wird der österreichweit erste Feldversuch der neuen ADSL-Technologie mit Betrieben und Endkunden in den Bezirkshauptstädten Gmünd und Zwettl durchgeführt.

Am Anfang dieser Entwicklung stand schon 1994 die Entscheidung des Regionalmanagements, sich verstärkt um die Förderung der Telekommunikation im Waldviertel zu bemühen. Nach ersten Versuchen mit eigenständigen E-Mail-Lösungen kam der 1994/95 beginnende Internet-Boom gerade zur rechten Zeit. Doch die damaligen Provider zeigten sich wenig interessiert, Kapazitäten in den Aufbau von Einwahlknoten "in der grünen Wiese" zu investieren. Schließlich waren die weit lukerativeren Ballungszentren zu diesem Zeitpunkt noch kaum erschlossen.

Eigener lokaler Provider seit 1996

Die Waldviertler machten aus dieser Not eine Tugend und so unterstützte die Regionalentwicklung die Gründung eines eigenständigen, regionalen Providers. Der Ausspruch "es kostet eine Million Schilling, um einen Meter Autobahn in Richtung Waldviertel zu bauen - aber mit demselben Geld kann ich das ganze Waldviertel ein Jahr lang mit Internet zum Ortstarif versorgen", getätigt von Regionalmanager DI Adi Kastner ist mittlerweile legendär. Und so nahm im März 1996 der Provider WVNET seinen Regelbetrieb auf.

Durch eine geschickte Kombination aus Marketingaktionen und Aufklärungskampagnen durch das Regionalmanagement gelang es in kurzer Zeit, sowohl die regionale Wirtschaft als auch private Haushalte für die neue Form der Telekommunikation zu begeistern. Wie groß der Erfolg dieser Form der Regionalentwicklung ist, zeigt eine aktuelle Studie, die belegt, daß im Waldviertel bereits nahezu die Hälfte aller Betriebe die Internet-Dienste WWW und E-Mail nutzen. Damit liegt die Region im österreichischen Spitzenfeld. Auch im Privatbereich kann das Waldviertel eine der höchsten Anteile an Internet-Usern im Verhältnis zur Einwohneranzahl aufweisen.

Doch das Regionalmanagement im Waldviertel ruhte sich nicht auf den geernteten Lorbeeren aus sondern erkannte früh, daß es nun galt, die eingeschlagene Richtung weiter zu verfolgen. Entsprechend intensiv wurden die aktuellen Entwicklungen im Telekommunikationssektor beobachtet und schon Anfang 1997 stellte man fest, daß das Internet in der damaligen Form nur eine Übergangslösung darstellt. Erste Breitbandversuche im Kabelnetzbereich wurden zum Anlaß genommen, nach entsprechenden Lösungen für die Region zu suchen, um im wirtschaftlichen Wettstreit Ballungsraum gegen Region wiederum für Gleichstand zu sorgen. Erste Grundlagenarbeiten wurden geleistet und Lösungen auf ATM/B-ISDN-Basis in Augenschein genommen.

ADSL als Breitbandlösung für Regionen

Auf Vermittlung der Förderstelle EcoPlus wurde die Zusammenarbeit mit der Donau-Universität Krems gesucht. Deren Abteilung für Telematik, Informatik und Medien (TIM) mit Institutsvorstand Prof. Dr. Johann Günther bot sich als idealer Partner in wissenschaftlichen Fragen an. In einer Studie über die Möglichkeiten der Breitbandvernetzung im Waldviertel wurde erstmals die ADSL-Technologie als möglicher Lösungsansatz vorgeschlagen. Mit dieser ist es möglich, auch in ländlichen Gebieten hohe Datenraten bis in die Haushalte zu erreichen, ohne übermäßig hohe Infrastrukturinvestitonen zu tätigen.

Nach entsprechenden Verhandlungen gewann man im Frühjahr 1998 die Telekom Austria als Partner für einen ADSL-Feldversuch. Es wurde vereinbart, insgesamt 48 Betriebe und Haushalte mit der neuen Technologie auszustatten. Die dazu notwendige Vorlaufphase war im September 1998 abgeschlossen und noch im Oktober erhielten die ersten Feldversuchskunden eine ADSL-Anschluß. Die erste Monate dienten vorwiegend zum Kennenlernen und Austesten der neuen Technologie, wobei bereits konkrete Anwendungen wie Fast-Internet und Video on Demand zum Dienstleistungsangebot gehörten.

Aufgrund des Erfolges wird die Anzahl der Anschlüsse im Waldviertel derzeit um weitere 24 Betriebe, Schulen und Privathaushalte aufgestockt. In ersten Rückmeldungen zeigten sich die Feldversuchskunden äußerst zufrieden und nahezu alle Teilnehmer möchten die ADSL-Technologie auch über den Versuchszeitraum hinaus nutzen.

Die Möglichkeiten der ADSL-Technologie in einer Region wie dem Waldviertel haben mittlerweile für starkes nationales und internationales Interesse in der Telekombranche gesorgt. So hat sich Telekom-Generaldirektor Ing. Werner Kasztler in Gmünd eingefunden, um die strategischen Möglichkeiten und Erkenntnisse, die aus dem Feldversuch gewonnen wurden, vor Ort zu besprechen. Besucher aus Wirtschaft, Politik und dem Schulbereich sind nichts ungewöhnliches mehr, bietet ADSL doch einen faszinierenden Einblick in die Zukunft der Telekommunikation.

Online mit dem Einschalten des Computers

Für die Anwender selbst bedeutet der Breitbandzugang über ADSL ein völlig neues Anwendergefühl für das Internet. Sofort nach dem Einschalten des PCs ist man mit dem Internet verbunden und kann mit hoher Geschwindigkeit durch das weltweite Netz surfen. Damit auch das Abrufen von internationalen Seiten möglichst schnell vor sich geht, hat die Telekom Austria eine hochwertige Server-Infrastruktur mit einem entsprechend dimensionierten Proxy-Server aufgebaut. Schon jetzt haben eine ganze Reihe von Feldversuchskunden festgehalten, daß sie sich ein Surfen ohne ADSL nicht mehr vorstellen können.

Ziel ist es nun, im weiteren Projektverlauf die Anwendungsmöglichkeiten, die sich auch der neuen Technologie heraus ergeben, in Zusammenarbeit mit den Teilnehmern zu testen. Dazu ist unter anderem ein Ausbau des Video on Demand - Angebotes geplant. Weiters soll der Bereich Telelearning forciert werden, da mit ADSL erstmals interaktive Weiterbildungskurse mit multimedialem Inhalt möglich sind. Auch die Telearbeit spielt gerade in einer Region wie dem Waldviertel eine wichtige Rolle. Durch die hohen Bandbreiten können Daten zwischen Betrieb und Heimbüro schnell und flexibel ausgetauscht werden.

Mit der gezielten Ausrichtung auf die Telematik zeigt die Region Waldviertel, daß es selbst in einem strukturschwachen Gebiet möglich ist, durch Einsatz der richtigen Strategien eine Entwicklung in Gang zu setzen, die durch Eigendynamik zu wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wachstumspotentialen führt. Mittlerweile wurden bereits mehr als 30 Arbeitsplätze geschaffen, die direkt mit den Projekten rund um die Telematik-Musterregion im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von positiven Rückmeldungen aus der Wirtschaft, die ebenfalls vom Telematik-Know-how profitieren können. Heute ist man in der Region sogar so weit, daß man das erworbene Wissen nicht nur intern sondern auch anderen Regionen und Städten gegenüber vermarkten und weitergeben kann.

Mit dem ADSL-Feldversuch ist ein wichtiger Schritt für die Region Waldviertel gelungen. Den Namen "Telematik-Musterregion" kann sie durchaus zu recht tragen. Doch in der Region lehnt man sich nicht zurück sondern arbeitet bereits mit Hochdruck an weiteren Telekommunikationsprojekten um damit die Zukunft des Waldviertels weiter zu sichern.

Internet und Wirtschaft im Waldviertel

Die Telekommunikation ist gerade für ländliche Regionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das hat die Entwicklung im Waldviertel gezeigt, wo durch die frühe und intensive Beschäftigung der Regionalentwicklung mit diesem Thema wichtige wirtschaftliche Impulse festzustellen sind.

So ist der Know-how-Aufbau innerhalb der Region von großer Bedeutung. Ein Zukauf von Wissen durch externe Beratungs- und Dienstleistung bedeutet mittelfristig eine Abhängigkeit der Region. Durch Fachkräfte vor Ort können die Aufgabenstellungen der Wirtschaft direkt innerhalb der Region behandelt werden.

Auf diese Weise werden automatisch Arbeitsplätze geschaffen. Im Waldviertel finden derzeit Fachleute eine hochwertige Beschäftigung nicht nur direkt beim regionalen Provider sondern auch bei mehreren Dienstleistungsbetrieben, die sich auf Produkte rund um das Internet und die Telekommunikation spezialisiert haben. Die Palette reicht dabei vom Webdesigner, Webprogrammierer und Werbeagenturmitarbeiter über Netzwerktechniker mit Intranet- und Interneterfahrung, Internet-Trainern bis hin zum Unternehmensberater, der für die notwendige Konzeption und den zugehörigen Know-how-Transfer sorgt.

Gerade im Waldviertel hat sich dabei gezeigt, daß die Beratung und technische Unterstützung vor Ort äußerst wichtig ist. Für die typischen Klein- und Mittelbetriebe bedeutet der Einstieg in die Welt des Internet und der Telekommunikation einen Schritt in eine völlig neue Welt. Durch fachkundige Beratung, die sich vom reinen Verkaufsgespräch deutlich unterscheidet, und die nachfolgende technische Betreuung werden Wirtschaftsbetriebe rechtzeitig auf die Erfordernisse des modernen Marktes aufmerksam gemacht. Die starke Verbreitung des Internet in der Region Waldviertel zeigt den Erfolg dieser Bemühungen. Gerade in Zeiten des verschärften Wettbewerbes ist ein solcher Technologievorsprung für die Unternehmen eines ländlichen Gebietes ein wichtiger Überlebensfaktor.

Zusätzlich darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen werden, daß die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes von der vorhandenen Infrastruktur abhängt. Durch die Verfügbarkeit moderner Telekommunikationsprodukte und -dienstleistungen kann das Waldviertel dem potentiellen Betriebsansiedler eine gute Basis für den Standortaufbau bieten. Dies gilt sowohl für den nationalen und den internationalen Investor als auch für die klassischen Jungunternehmer, deren Existenzgründung damit auch innerhalb der Region möglich wird.

Die ADSL-Technologie

ADSL steht für "Asymetric Digtal Subscriber Line" und beschreibt eine Technik, die es möglich macht, über die herkömmlichen Telefonkupferleitungen der Telekom hohe Bandbreiten zu übertragen. Das bedeutet, daß die bestehende Infrastruktur beibehalten werden kann, da in Österreich nahezu jeder Haushalt und jedes Unternehmen über einen Telefonanschluß verfügt. Da aber gerade die Herstellung der letzten Meter bis zum Endkunden, die "last mile", den größten Aufwand und damit auch die höchsten Kosten bedeuten, bietet sich ADSL als interessante Lösung an. Dabei kommt eine wichtige Eigenschaft des Telefonnetzes zu tragen, die diese Infrastruktur im Vergleich zu den Konkurrenztechnologien Kabel-TV und Stromnetz aufweisen kann. Jeder Anschluß ist als eigenständiges Leitungspaar vom Wählamt zum Endkunden ausgeführt. Damit entfallen die umfangreichen Umbaukosten, wie sie z.B. bei Kabelnetzen durch deren Kaskadierung anfallen.

Um ADSL nutzen zu können, muß sowohl im Wählamt als auch beim Hauptanschluß eine entsprechende Hardwarekomponente installiert werden. Beim Endkunden ist dies ein elegantes ADSL-Modem, das kaum größer ist als ein herkömmliches Analogmodem. Dieses besitzt eine Netzwerkschnittstelle an die der PC über eine Netzwerkkarte angebunden werden kann.

Die ADSL-Datenübertragung beeinflußt dabei die Telefon-Sprachkommunikation nicht. Das heißt, es kann auch während des Internet-Surfens ungestört telefoniert werden. Im Datenbereich wurden derzeit im Waldviertel Bandbreiten von 2 MBit vom Datennetz zum Haushalt und 512 kBit vom Haushalt zum Datennetz (daher der Name "Asymetric") realisiert. Als Lieferant für den Feldversuch wurde von der Telekom Austria die Firma Alcatel gewählt.

Die derzeit realisierten 2 MBit stellen noch nicht das Maximum der erreichbaren Bandbreiten dar. Es existieren bereits erste Geräte, die bis zu 8 MBit Datenrate erlauben, wobei auch das laut Auskunft der Hersteller noch nicht die Obergrenze ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß ADSL aufgrund der Eigenschaften der Kupferleitungen stark entfernungsabhängig ist. Die Anschlüsse können deshalb nur in einem bestimmten Radius rund um das jeweilige Wählamt hergestellt werden, da die Datenraten mit zunehmender Entfernung stark abnehmen. Derzeit liegt die Grenze bei 4 km, doch auch hier wird an einer entsprechenden Ausdehnung der Entfernungen gearbeitet.

ADSL-Betreuung in der Region

Innerhalb der Region Waldviertel hat die Unternehmensberatung WBS GmbH die Projektabwicklung und die technische Betreuung der Feldversuchskunden übernommen. Das Unternehmen hat sich auf Telekommunikation, Telematik und Neue Medien spezialisiert und bietet eine breite Palette an Dienstleistungen an. Die klassische Beratung im Technologiebereich stellt den Schwerpunkt der Tätigkeit dar, wobei neben großen Unternehmen auch viele Klein- und Mittelbetriebe der Region zu den Kunden der WBS GmbH gehören. Die Abwicklung von zukunftsweisenden Großprojekten ist eine der Stärken des vierzehnköpfigen Teams. Dabei wird auch die Multimedia-Contentproduktion und Webseitengestaltung zu großen Teilen abgedeckt. Für die technische Betreuung stehen ausgebildete Netzwerktechniker im Einsatz. Ein spezielles Kurs- und Trainingsprogramm für Betriebe und Unternehmer rundet das Dienstleistungspaket ab.

Im Rahmen des Feldversuches hat die WBS GmbH die komplette Projektabwicklung in der Region übernommen. Die Pilotkunden werden dabei ab dem Zeitpunkt der ADSL-Modeminstallation von der WBS GmbH betreut. Damit kann sich die Telekom Austria voll auf die technische Einrichtung und den technischen Test der ADSL-Technologie konzentrieren. Durch entsprechendes Reporting wird der Kommunikationsfluß zwischen der Telekom Austria und der Region sichergestellt.

Darüber hinaus initiert die WBS GmbH entsprechende Pilotanwendungen für ADSL, da die Technologie nur mit zugehörigem Inhalt wirklich ausgetestet werden kann.

Kontakt: WBS GmbH, Zweiländerstraße 8, 3950 Gmünd, Tel.: 02852-54343-43, Fax: 02852-54343-47, e-mail: wbs@wvnet.at, Web: http://www.wbs.at

Das Angebot: Von Fast-Internet bis Video on Demand

Im Rahmen des Feldversuches werden den Pilotteilnehmern einige interessante Anwendungen geboten:

  • Fast Internet: Die hohe Geschwindigkeit von ADSL wirkt sich auf das Surfen im WorldWideWeb äußerst positiv aus. Lokale Internetseiten werden mit voller ADSL-Geschwindigkeit zu den Feldversuchsteilnehmern übertragen. Ein Proxy-Server sowie eine schnelle Internet-Anbindung durch die Telekom Austria sorgen für extrem schnelles Surfen.
  • Video on Demand: In einem ersten Schritt wurde das komplette Programm des lokalen Waldviertler Fernsehmagazins W4tv in digitaler Form über ADSL abrufbar gemacht. Auf Mausklick können die einzelnen Beiträge in voller Fernsehqualität ruckfrei abgerufen werden. Damit steht den Feldversuchsteilnehmern echtes Video on Demand zur Verfügung.
  • Echtzeit-Video: Für die Dauer des Feldversuches speist die Telekom Austria den Pay-TV-Sender Premiere in das ADSL-Netz in Echtzeit ein. Das bedeutet, daß die Teilnehmer über ADSL und somit "über die Telefonleitung" fernsehen können.o
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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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