Bereits seit Anfang November wurde heftig darüber spekuliert, am 20. Dezember machte die Telekom Austria den Deal publik: In einer Presseaussendung wurde bekannt gegeben, dass der Festnetz- und Internetbetreiber eTel um rund 90 Mio. Euro erworben worden war.
Die Verkaufsverhandlungen für die eTel-Gruppe (eTel Austria plus Töchter in Osteuropa) hatten bereits im August begonnen. Zuvor war von den eTel Eigentümern (US-Investoren) ein eventueller Börsegang ins Auge gefasst worden. Hintergrund: Während eTel Austria 2005 bereits positiv bilanzierte (EBITDA: 3,2 Mio Euro), war die gesamte eTel-Gruppe (1999 in Dublin gegründet) insgesamt negativ. Die osteuropäischen Länder brauchten daher weiterhin dringend Finanzspritzen, um überleben zu können. Dazu waren die bisherigen eTel-Eigentümer allerdings nicht mehr bereit. Die IPO-Pläne waren schnell begraben, es wurde entschieden, einen starken Partner zu suchen und somit die eTel zu verkaufen.
Neun Interessenten - neben der TA auch einige europäische Incumbents und Finanzinvestoren - hatten sich eingefunden. Das TA-Angebot war schließlich das beste und wurde von den Eigentümern dankbar angenommen. Die Telekom Austria wird damit alle Aktivitäten der eTel Gruppe in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen übernehmen.
Wettbewerbsbehörde muss prüfen

Noch eTel Chef Achim Kaspar wartet ruhig ab und macht Business as usual.
"Es ist klar, dass man sich diesen Deal sehr genau ansehen muss. Das ist keine Sache, die von vornherein durchgewunken wird", sagte Barfuß gegenüber der Austria Presseagentur. Nach der formellen Anmeldung des Vertrages haben die Bundeswettbewerbsbehörde und der Kartellanwalt vier Wochen Zeit, um zu entscheiden, ob sie Auflagen verlangen oder ob ein vertiefendes Gerichtsverfahren notwendig ist. Sollte zweiteres der Fall sein, würde das nochmals rund fünf Monate bis zur Entscheidung dauern.
Mitarbeiter: Ja, Marke: Vielleicht
Immerhin muss die TA auch die Verluste der eTel Gruppe (Verlustvorträge in der Höhe von rund 170 Mio. Euro) übernehmen. Dafür erhält sie neben den rund 360 Mitarbeitern eTel-Mitarbeitern (230 Mitarbeiter in Österreich), auch die rund 225.000 Kunden, darunter 75.000 Business-Kunden des Telekom-Anbieters. eTel hat sich als Anbieter für Klein- und Mittelbetriebe (durch den Kauf von Eunet im Frühjahr österreichweit) am Markt etabliert. Sogar jetzt nach dem Verkauf läuft das Geschäft, wie zu hören ist, ganz gut. Angeblich ist z.B. die Supermarktkette Zielpunkt (mit 273 Filialen) gerade im Begriff, eTel-Kunde zu werden.
Die Telekom Austria hat angekündigt, alle eTel-Mitarbeiter zu übernehmen, ob und wie die Marke eTel weiterbestehen wird, ist ungewiss. Brancheninsider mutmaßen, die Marke könnte für konvergente oder Highend-Produkte Verwendung finden. Noch-eTel Chef Achim Kaspar sieht der Entwicklung gelassen entgegen. "Wir machen zur Zeit Business as usual. Den Kunden garantieren wir, dass sich nichts ändern wird. Sie besitzen ja aufrechte Verträge".
Weniger entspannt zeigte sich einen Tag nach der Verkaufsbekanntgabe der VAT, Verband der Alternativen Telekom-Anbieter, der eine Untersagung des Zusammenschlusses verlangte. Von den ursprünglich 40 bis 50 privaten Anbietern zu Beginn der Liberalisierung seien damit nur mehr drei nennenswerte alternative Anbieter übergeblieben. Tele2UTA (Zusammenschluss 2005), UPC (hatte vor einem Jahr Inode "geschluckt") und Colt (nur Geschäftskunden). Auch der Internet Service Provider Silver Server, laut eigenen Angaben drittgrößter Entbündelungsbetreiber in Österreich, sieht durch den Kauf von eTel durch die Telekom Austria die Errungenschaften der Telekom-Liberalisierung infrage gestellt.




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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 