Trends im Telekommarkt
eTel-Verkauf zum Auftakt des Telekom-Jahrs 2007
Christine Wahlmüller

TA-Generaldirektor Boris Nemsic erwartet das Closing noch im ersten Quartal 2007
Bereits seit Anfang November wurde heftig darüber spekuliert, am 20. Dezember machte die Telekom Austria den Deal publik: In einer Presseaussendung wurde bekannt gegeben, dass der Festnetz- und Internetbetreiber eTel um rund 90 Mio. Euro erworben worden war.
Die Verkaufsverhandlungen für die eTel-Gruppe (eTel Austria plus Töchter in Osteuropa) hatten bereits im August begonnen. Zuvor war von den eTel Eigentümern (US-Investoren) ein eventueller Börsegang ins Auge gefasst worden. Hintergrund: Während eTel Austria 2005 bereits positiv bilanzierte (EBITDA: 3,2 Mio Euro), war die gesamte eTel-Gruppe (1999 in Dublin gegründet) insgesamt negativ. Die osteuropäischen Länder brauchten daher weiterhin dringend Finanzspritzen, um überleben zu können. Dazu waren die bisherigen eTel-Eigentümer allerdings nicht mehr bereit. Die IPO-Pläne waren schnell begraben, es wurde entschieden, einen starken Partner zu suchen und somit die eTel zu verkaufen.
Neun Interessenten - neben der TA auch einige europäische Incumbents und Finanzinvestoren - hatten sich eingefunden. Das TA-Angebot war schließlich das beste und wurde von den Eigentümern dankbar angenommen. Die Telekom Austria wird damit alle Aktivitäten der eTel Gruppe in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen übernehmen.
Wettbewerbsbehörde muss prüfen

Noch eTel Chef Achim Kaspar wartet ruhig ab und macht Business as usual.
"Es ist klar, dass man sich diesen Deal sehr genau ansehen muss. Das ist keine Sache, die von vornherein durchgewunken wird", sagte Barfuß gegenüber der Austria Presseagentur. Nach der formellen Anmeldung des Vertrages haben die Bundeswettbewerbsbehörde und der Kartellanwalt vier Wochen Zeit, um zu entscheiden, ob sie Auflagen verlangen oder ob ein vertiefendes Gerichtsverfahren notwendig ist. Sollte zweiteres der Fall sein, würde das nochmals rund fünf Monate bis zur Entscheidung dauern.
Mitarbeiter: Ja, Marke: Vielleicht
Immerhin muss die TA auch die Verluste der eTel Gruppe (Verlustvorträge in der Höhe von rund 170 Mio. Euro) übernehmen. Dafür erhält sie neben den rund 360 Mitarbeitern eTel-Mitarbeitern (230 Mitarbeiter in Österreich), auch die rund 225.000 Kunden, darunter 75.000 Business-Kunden des Telekom-Anbieters. eTel hat sich als Anbieter für Klein- und Mittelbetriebe (durch den Kauf von Eunet im Frühjahr österreichweit) am Markt etabliert. Sogar jetzt nach dem Verkauf läuft das Geschäft, wie zu hören ist, ganz gut. Angeblich ist z.B. die Supermarktkette Zielpunkt (mit 273 Filialen) gerade im Begriff, eTel-Kunde zu werden.
Die Telekom Austria hat angekündigt, alle eTel-Mitarbeiter zu übernehmen, ob und wie die Marke eTel weiterbestehen wird, ist ungewiss. Brancheninsider mutmaßen, die Marke könnte für konvergente oder Highend-Produkte Verwendung finden. Noch-eTel Chef Achim Kaspar sieht der Entwicklung gelassen entgegen. "Wir machen zur Zeit Business as usual. Den Kunden garantieren wir, dass sich nichts ändern wird. Sie besitzen ja aufrechte Verträge".
Weniger entspannt zeigte sich einen Tag nach der Verkaufsbekanntgabe der VAT, Verband der Alternativen Telekom-Anbieter, der eine Untersagung des Zusammenschlusses verlangte. Von den ursprünglich 40 bis 50 privaten Anbietern zu Beginn der Liberalisierung seien damit nur mehr drei nennenswerte alternative Anbieter übergeblieben. Tele2UTA (Zusammenschluss 2005), UPC (hatte vor einem Jahr Inode "geschluckt") und Colt (nur Geschäftskunden). Auch der Internet Service Provider Silver Server, laut eigenen Angaben drittgrößter Entbündelungsbetreiber in Österreich, sieht durch den Kauf von eTel durch die Telekom Austria die Errungenschaften der Telekom-Liberalisierung infrage gestellt.
Ablöse von Tele2UTA-Chef

Neuer Tele2UTA-CEO Robert Hackl: Frischer Wind für den angeschlagenen Telekom-Anbieter.
Mit Hackl hat eine Generationenablöse eingesetzt. Der 36 jährige gebürtige Salzburger hat angekündigt, insbesondere den Geschäftskundenbereich wieder stärker zu forcieren. Hackl war vor seiner Zeit bei Tele2UTA bei McKinsey zehn Jahre für zahlreiche Beratungsprojekte im Telekombereich verantwortlich. Bis dato war Tele2UTA ja für seinen Kurs in Richtung einfache, simple Produkte vor allem im Privatkundengeschäft, bekannt. Die Aussage Hackls würde daher tatsächlich eine neue strategische Ausrichtung bedeuten. In jedem Fall wird die Entbündelung vorangetrieben. "Breitband-Internet gehört die Zukunft", sagte Tele2UTA-Pressesprecher Martin Halama. Detaillierte Pläne will der neue Tele2UTA-Chef auf einer Pressekonferenz im Februar bekannt geben.
UPC sieht eTel Kauf gelassen
Die Position des größten alternativen Festznetzanbieters, die Tele2UTA derzeit nach eigenen Angaben noch innehat, wird im Moment gerade von UPC Austria streitig gemacht (siehe MONITOR Interview mit Thomas Hintze). Selbst noch mit der Integration mit Inode sehr beschäftigt - "2007 wird ein Execution und kein fun game Jahr" Zitat Thomas Hintze - regt sich bei UPC niemand sonderlich über den TA-eTel-Deal auf. Ganz im Gegenteil: UPC-Chef Thomas Hintze spricht von einem "notwendigen Konsolidierungsprozess". Viel wichtiger ist ihm, die Tele2UTA vom Platz des größten alternativen Festnetzanbieters klar zu verdrängen. Dazu ist es aber notwendig, erst die eigenen Reihen intern gut ein- und auszurichten. Die Inode Integration ist längst noch nicht abgeschlossen.
Die ehemaligen Inode Besitzer Michael Gredenberg, Peter Augustin und Nikolaus Offner kehrten übrigens Anfang Jänner in die Branche indirekt zurück. Über die "Tigris Beratungs- und Beteiligungs Gmbh" sind sie nun bei zwei Grazer IT-Unternehmen beteiligt: beim Online-Dienstleister Datenkraft sowie bei der Customized IT Solution.
Mobilfunkmarkt: 2007 heißes Jahr

UPC Chef Thomas Hintze: fordert Tele2UTA heraus, ist aber noch mit Inode-Integration beschäftigt (Foto: Francisco Cyhlar)
Um die IP-Revolution zu überleben, müssen die Telekommunikationsanbeiter jedenfalls noch Millionen und Milliarden ausgeben, heißt es in einer brandneuen Gartner-Studie. Gartner hat auch festgestellt, dass die Telekom-Anbieter natürlich dazu tendieren, sich als Full-Service-Anbieter zu positionieren. Dazu gehört auch, neue Technologien wie mobiles Breitband oder VoIP/IP Services anbieten zu können. Gartner warnt davor, dass viele Anbieter mit dem Aufbau neuer Geschäftsfelder scheitern werden. Die Folge sind Übernahmen, Fusionen und eine Konsolidierung der Anbieter-Landschaft. Der österreichische Markt ist zwar im weltweiten Vergleich winzig, aber was die Konsolidierung betrifft, spielen wir zur Zeit ganz gut mit.
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