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Moniskop

Buchbesprechung

Früher HP-Top-Managerin, heute glückliche Oma

Eine Biografie mehr. Aber eine spannende. Wurde sie doch von einer der bekanntesten Managerinnen der IT-Branche verfasst: Carly Fiorina betitelt ihre Lebensbeschreibung "Mit harten Bandagen". Und was sie zu berichten hat, ist lesenswert!

Carly Fiorina, Mit harten Bandagen. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2006. ISBN 3-593-38274-1

20 Jahre im US-Konzern AT&T waren eine harte Schule, bevor sie zur erste weiblichen CEO von HP gewählt wurde. 1999 bis 2005 war sie in dieser Position wohl eine der mächtigsten Managerinnen und wurde u.a. durch den Kauf von Compaq berühmt-berüchtigt. 2005 wurde sie "gefeuert".

Sie ist eines der angeblich so glücklichen Sandwich-Kinder. Eine ältere Schwester, ein jüngerer Bruder. Von sich selbst sagt Fiorina, "Ich hatte nie das Gefühl, sonderlich klug oder kreativ zu sein". Ihrer Kindheit hat die umstrittene Managerin ein erstes, langes Kapitel gewidmet. Sie entstammt einer Familie der Mittelschicht: Ihre Eltern, beide aus eher ärmlichen, schwierigen Verhältnissen, hatten sich gut emporgearbeitet: Der Vater wurde Jus-Universitätsprofessor, die Mutter war Sekretärin, talentierte Künstlerin und studierte im Alter von 60 Jahren noch Kunstgeschichte. Die kleine Carly erhielt Klavierunterricht (Lieblingskomponist: Beethoven) und durfte in wohlbehüteten, bürgerlich-humanistischen Verhältnissen aufwachsen. Um den Eltern zu gefallen, lernte sie eifrig und war eine ausgezeichnete Schülerin.

Nach Abschluss der Schule belegte sie an der Universität in Stanford Geschichte und Philosophie. Danach begann sie auf Wunsch des Vaters ein Jus-Studium, aber "mit 22 Jahren wurde mir mit einem Male bewusst, dass es nicht mein Lebensziel sein konnte, meine Eltern glücklich zu machen". Im folgenden schildert Fiorina sehr detailliert ihren unaufhaltsamen Aufstieg, eine echte Bilderbuchkarriere ohne jegliche Einbrüche. Auffällig dabei ist, dass sie in jeder Phase ihres Arbeitens unermüdlich, fast verbissen bei der Sache ist und immer wieder neue Herausforderungen sucht und annimmt. Von der Rezeptionistin beim Immobilienbüro Marcus & Millichap im Jahr 1976, über ihren Einstieg und Aufstieg bei AT&T von 1979 bis 1999 bis hin zu ihrem "Rausschmiss" durch den HP-Verwaltungsrat beschreibt Fiorina sehr persönlich ihren Werdegang. Erstmals erfährt der Leser die Perspektive der Power-Lady, die oftmals als "kalt, arrogant oder unfähig" von der Presse hart abgeurteilt worden war.

Italienisches Intermezzo

Weniger erzählt Fiorina über ihr Privatleben. Kurz nur erwähnt sie ihren ersten Mann Todd, mit dem sie ein Jahr in Italien verbrachte, um sich nach ihrer Rückkehr in die USA sofort mit vollem Elan in ein MBA-Studium zu "stürzen" - das den Grundstein zu ihrer Karriere bilden sollte. Dort lernt die Wirtschafts-Studentin auch eine ihrer Lieblingsbeschreibungen von Führung kennen und schätzen: "Ein guter Führer ist der, den die Menschen verehren. Ein schlechter Führer ist der, den die Menschen verachten. Und ein großer Führer ist der, von dem die Menschen sagen, wir haben es selbst gemacht". Mit dem Studienabschluss in der Tasche startet sie - gegen die Warnungen ihrer Professoren - bei AT&T. Sie beginnt im Vertrieb, wechselt aber auch in andere Abteilungen und lernt den Konzern so gründlich kennen. Der Konzern gibt ihr auch die Chance für die Top-Management-Ausbildung am MIT 1988. Bei AT&T lernt die Umtriebige auch ihren zweiten Mann Frank kennen, der die zwei Töchter Traci und Lori in die Ehe mitbringt. Über ihr weiteres Privatleben erfahren Interessierte nur wenig. Nur der Tod der Mutter 1998 dürfte für die Managerin ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein. Im gleichen Jahr wird Fiorina, die bereits zur Chefin der AT&T-Abspaltung Lucent aufgestiegen war, erstmals vom Magazin Fortune zur mächtigsten Frau der US-Wirtschaft gewählt. Sie selbst urteilt: "Beide Dinge haben mein Leben verändert und sie haben mich einsamer gemacht". Das Thema Kinder ist hintan gestellt. Dafür ist im Leben der Karrierefrau einfach keine Zeit mehr.

Steiler Aufstieg - schneller Abgang

Oft ist der Ton der Schilderung etwas pathetisch, immer jedoch zielstrebig und geradlinig. Viel Platz widmet Fiorina ihrer Anwerbung durch HP sowie der Fusion mit Compaq - da wird es fast schon etwas zu langatmig und unübersichtlich. Vor allem durch die vielen verschiedenen Namen, die vorkommen. Stolz bis zuletzt betitelt sie das Kapitel ihrer Absetzung bei HP durch den Verwaltungsrat "Im Besitz meiner Seele". Das liest sich fast wie ein Drehbuch eines US-Wirtschafts-Hollywood-Machwerks. Spannend, diesen Prozess erstmals auch aus ihrer Perspektive zu erfahren - wo doch die Medien weltweit berichtet hatten.

Fiorina selbst sieht bei sich keinen Fehler und versteht nicht, warum der Verwaltungsrat ihren Rausschmiss beschlossen hat. Sie versucht sich in allen möglichen Analysen, warum und wie es dazu kam. Der Epilog abschließend wirkt fast etwas kitschig, wenn Fiorina über die Familienidylle mit den Enkelkindern schreibt und über die kleinen Alltagsfreuden schwärmt: "Ich genieße es, abends einzuschlafen und morgens aufzustehen, wann ich will. Ich genieße, etwas spontan zu tun". Alles in allem trotz der Länge von 389 Seiten ein lesenswertes, flüssig geschriebenes Buch, das viele Einblicke in das amerikanische Unternehmensgeschehen verleiht.

Carly Fiorina, Mit harten Bandagen. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2006. ISBN 3-593-38274-1

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Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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