Wir erinnern uns an Zeiten, in denen einem zum Stichwort "IBM" sofort "PC" eingefallen ist. Diese Gedankenkombination ist inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte. Wofür der Großteil der Menschheit IBM kannte, ist nicht mehr IBM. Aber zurück zu den Anfängen: Als IBM 1981 den "IBM PC" vorgestellt hat (der einzige, der jemals wirklich so hieß, und immer noch nennt man alle Desktop-Computer "PC"), erwartete man nicht einmal im Hause IBM, dass dieses Produkt so folgenreich sein würde. Das zeigen auch die bescheidenen Verkaufserwartungen, die das PC-Team damals gestellt hatte: Rund 242.000 Stück wollte man ursprünglich in fünf Jahren absetzen - welch herrlich langer Produktzyklus. Eine Zahl, die man dann in einem einzigen Monat erreicht hatte. Aus heutiger Sicht beinahe schon ein wenig verwunderlich, kann man sich doch kaum noch vorstellen, dass man mit einer derartigen Konfiguration produktiv arbeiten konnte: Der Ur-PC hatte einen mit 4,77 MHz getakteten Intel-8088-Prozessor, 16 Kilobyte RAM (erweiterbar auf 256 KB), DOS 1.0 und kam wahlweise mit einem oder zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken. Jedes Mobiltelefon hat heute mehr Leistung. Die Software war wohl noch genügsamer. Trotz der mageren Ausstattung schafft er es ein Jahr später zum "Man of the Year" des Time Magazine. 1983 kam der Nachfolger "XT" (Extended Technology) auf den Markt. Er verfügte bereits über eine zehn Megabyte große Festplatte. Die 256-KB-Hauptspeicher waren bereits auf die magischen 640 KB erweiterbar, was damals jemand aus einer noch nicht ganz so großen Software-Firma für mehr hielt, als "jemals jemand brauchen könnte" und sich in Folge noch zu einer jahrelang lästigen Grenze für DOS-Anwender entwickelte, selbst als sie später schon über mehr Speicher verfügten.
Ein Jahr später kam bereits der "AT" mit einer neuen Prozessorgeneration, dem sechs MHz schnellen 80286. Neben einer 20-MB-Festplatte hatte der AT bereits eine Farbgrafikkarte. Im selben Jahr kam auch der "IBM Portable PC" auf den Markt, der diesen Namen nur eingeschränkt verdiente: Er wog über 16 Kilogramm. Wer ihn mitschleppte, konnte sich damals dennoch sicher sein, Eindruck zu schinden, schließlich trug man den Wert eines Kleinwagens mit sich. An der Vorderseite war ein neun Zoll großer bernsteinfarbener Monochrom-Monitor eingebaut, sodass man nicht auch noch einen Bildschirm mitschleppen musste. Geschützt wurde er unterwegs von der Tastatur, die auch als "Deckel" diente. Das Erlebnis, eine der ersten Flight-Simulator-Versionen auf dem kleinen Monitor zu spielen, könnte mit den heutigen 3D-Beschleunigerkarten nicht mehr mithalten. War das eine unbeschwerte Jugend mit Stricherl-Flugzeugen. Das förderte bestimmt die Vorstellungskraft meiner Generation.
Zwei Jahre später kam mit dem "Convertible" IBMs erster "Laptop", wobei man die Bezeichnung auch hier nicht zu wörtlich nehmen sollte - schließlich lasteten dann fast sieben Kilo auf den Oberschenkeln. 1987 führt IBM die PS/2(Personal System)-Reihe ein, in deren höheren Modelle Intels 386-Prozessoren werkten. IBM verkauft den einmillionsten PC.
1992 startet IBM mit dem ThinkPad, der wohl langlebigsten Marke von IBM. ThinkPad heißen die Notebooks auch heute noch, die mit dem Ur-Modell eines gemein haben: Der markante rote Nippel inmitten der schwarzen Tastatur - der TrackPoint - unterscheidet sie noch heute vom Gros der Touchpad-Notebooks. Für viele Anwender ist dieser Stummel das furchtbarste aller Eingabegeräte, einige ThinkPad-Freaks schwören dagegen darauf. Bei seiner Einführung jedenfalls war der TrackPoint eine willkommene Alternative zu vom Flugzeugklapptisch herunterhängenden Mäusen oder seitlich angeschraubten Trackballs. Eines unterscheidet aktuelle ThinkPads freilich von den Vorfahren: Mit IBM haben sie nichts mehr zu tun. Die schwarzen Notebooks dürfen zwar noch ThinkPad heißen, kommen aber von einem chinesischen Hersteller, dessen Namen die meisten IBM-Kunden wohl erstmals mit der - in den Anfangsjahren des PC unvorstellbaren - Nachricht gehört haben, dass ausgerechnet "Big Blue" die PC-Sparte an Lenovo verkauft hat.




1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 