Es begann klein, sehr klein und bescheiden: Im Juni 1881 erteilte das k.u.k. Handelsministerium der "Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft" eine "Concession" zum Betrieb von Telefonanlagen. Das erste Telefonnetz wurde im ersten Bezirk rund um den Wiener Stephansdom betrieben, aber sehr rasch auf ganz Wien ausgeweitet. Im Dezember 1881 eröffnete in der Wiener Friedrichsstraße die erste Telefonanlage Österreichs, 154 Teilnehmer waren mit dabei, v.a. Zeitungen, Großunternehmer und Banken. Ein Jahr nach dem Start in Österreich gab es bereits rund 1.000 Teilnehmer. Die erste "öffentliche Sprechstelle" wurde übrigens im April 1882 in der Wiener Börse eingerichtet.
Spannend ist die Entwicklung auch bei den Apparaten. Die ersten Geräte waren allein schon von ihrer Größe her schlichtweg "gewaltig" wie z.B. ein Wandapparat mit Hörschläuchen aus dem Jahr 1885. Kompliziert war auch der Gesprächsaufbau selbst, das "Fräulein vom Amt" musste den Anrufer händisch durch das richtige Stecken von Metallstöpseln mit dem gewünschten Gesprächspartner verbinden. Da das "Telefon-Abonnement" sehr teuer war, kam es zu einer spezifisch österreichischen Erfindung, an die sich viele noch erinnern werden: Das "Vierteltelefon", auch als "Gesellschaftsanschluss-System" bekannt. Beim Vierteltelefon teilten sich die Teilnehmer eine Leitung. Durch Drücken eines Knopfes konnte festgestellt werden, ob die Leitung frei war oder gerade jemand anderer des gleichen Anschlusses telefonierte. Im Jahr 1910 schließlich kamen die ersten Telefone mit Wählscheibe und Hörer auf den Markt. Hemmend für die Entwicklung war die Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 und der Folgejahre: Viele Menschen konnten sich den Telefonanschluss einfach nicht mehr leisten. Im zweiten Weltkrieg schließlich brach das deutsche Telefonnetz 1943 durch die Angriffe der Alliierten zusammen.
Neustart nach dem Krieg
Der Wiederaufbau gestaltete sich durch die österreichischen Besatzungszonen nicht ganz einfach, erfolgte aber doch sehr rasch. Der Ehrgeiz gehörte dabei auch der Entwicklung in Richtung internationale Telefonie: 1954 wurde in OÖ eine Übersee-Telefoniestation eingerichtet, gleichzeitig fanden Verlegungsarbeiten für ein Transatlantikkabel statt. In der Folgezeit wurde die Automatisierung forciert: Ab 1972 war es möglich ohne Vermittlung - also durch selber wählen - jeden gewünschten Gesprächspartner innerhalb Österreichs zu erreichen. Für das Ausland wurde die bis heute übliche Vorwahl "00" eingeführt.Gab es 1972 rund 1,16 Mio. Telefonanschlüsse so verdoppelte sich die Zahl bis 1981 (hundertjähriges Jubiläum) auf 2,3 Mio. Auch bei den Apparaten erfolge sukzessive der Weg in Richtung Modernisierung. Der alte Wählscheibenapparat hatte ausgedient, das Tastentelefon wurde Realität. Im Zuge der Umstellung auf das neue digitale Telefonsystem in den achtziger Jahren kam es auch zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung. Die Finalisierung liegt noch gar nicht so lange zurück: In Wien wurden erst am 24. Dezember 1999 die letzten analogen Teilnehmer auf digitale Ämter umgeschaltet. Genau in diesem Jahr hatten 4,2 Mio. Österreicher (jeder Haushalt!) einen Telefonanschluss.
Neue Ära: Liberalisierung
Drei Jahre zuvor, 1996, war die Post und Telekom Austria (PTA) aus der Bundesverwaltung ausgegliedert worden. 1998 nahm die Telekom Austria als eigenständiges Unternehmen ihre Tätigkeit auf. Im gleichen Jahr startete die Telekom-Liberalisierung in Österreich, wodurch neue Festnetz-Anbieter auf den Markt drängten. Gleichzeitig setzte der Siegeszug des Internets ein, wobei das (Fest-)Netz gut genutzt werden konnte.
Heute ist der Telekommunikationsmarkt wieder in großer Veränderung: Mobiltelefon statt Festnetztelefonie, Internet heute noch via Festnetz, künftig auch vermehrt mobil - das sind die Trends, die 125 Jahre nach Erfindung der Festnetztelefonie Internet und Multimedia beflügeln. Der multimedialen Innovationskraft sind kaum Grenzen gesetzt: Ob digitales Fernsehen (wie aon Digital TV mit zur Zeit 2000 Kunden in Wien), Spitalsfernsehen für das St.Anna Kinderspital oder Bürgerfernsehen wie z.B. in Engerwitzdorf in OÖ: Alle diese Projekte zeigen, was heute schon möglich ist.





1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 