Ein Billig-Notebook für arme Länder und Dritte-Welt-Staaten, mit dem von der globalen Kommunikation Ausgeschlossene ihren Draht zur Welt finden, ist grundsätzlich eine gute, philanthropische und sinnvolle Idee. Nach der Vorstellung von Nicolas Negroponte und seiner „One Laptop per Child“-Non profit-Organisation sollte so ein Notebook den Preis von 100 US-Dollar nicht überschreiten, damit auf diese Weise vielen der Zugang zur modernen Technik möglich wird.
Leider hat sich im Zuge des Projekts herausgestellt, dass ein 100-Dollar-Notebook auch bei allergrößter Sparsamkeit und Verwendung billigster Komponenten nicht zu verwirklichen ist. Allein die Kosten für die Batterie und das Display verteuern die Konstruktion so, dass man mindestens auf 150 Dollar pro Notebook kommt, haben die Entwickler eine Hiobsbotschaft auf Lager.
In unseren Breiten wäre dieser Preisunterschied nicht der Rede wert, in der angepeilten Zielgruppe (als Käufer kommen hauptsächlich Regierungen armer Länder und Hilfs- sowie Sozialorganisationen in Betracht) summieren sich diese 50 Dollar Mehrpreis aber doch deutlich. Allein Libyen, das schon 1,2 Millionen Stück der Billignotebooks geordert hat, müsste so 60 Millionen Dollar mehr aufwenden. Weitere vier Millionen der Sozialnotebooks sind unter anderem von Argentinien, Nigeria und Brasilien vorbestellt. Negroponte hofft nun auf einen weiteren Preisverfall der Komponenten. Denn es kommt wirklich sehr auf diese 50 Dollar an.
Mit dem Einsatz dieser Geräte können große Dinge geschaffen werden: Vorgesehen sind Schreib- und Chatprogramme auf einem abgespeckten Linux-Betriebssystem, eine integrierte Kamera und vor allem Voice over IP.
Auch ist an eine Nutzung als E-Book gedacht, was für Alphabetisierungskampagnen genutzt werden kann. Das würde in vielen Ländern zu einem kommunikativen und letztlich zu einen sozialen Sprung führen - und die Vision der Selbstverantwortung und Entwicklung aus eigener Kraft in der Dritten Welt, die vom kritischen Westen vermehrt eingefordert wird, könnte wahr werden. Für wenig Geld und durch eine gute Idee.



1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 