Die Grundvoraussetzungen für eine solche Remote-Rettung wie Remote Data Recovery von Kroll Ontrack ist denkbar einfach: Eigentlich braucht man nur ein noch bootfähiges System mit Internetanschluss - ob über das firmeneigene LAN oder über einen Service Provider spielt dabei keine Rolle.
Die betroffenen Speichermedien dürfen allerdings für die Online-Datenrettung physikalisch nicht beschädigt sein. Sind zum Beispiel ungewöhnliche Laufwerksgeräusche zu hören, dann besteht der Verdacht auf einen elektromagnetischen Schaden oder auf defekte Schreib-/Leseköpfe. Diese müssen natürlich in ein Datenrettungslabor geschickt werden. Dazu zählen auch solche Fälle, in denen die Festplatte beim Booten schon im Bios gar nicht mehr erkannt wird. In anderen Fällen wie zum Beispiel Schäden durch Viren, Software- und Bedienungsfehler müssen die Datenträger aber nur an das entsprechende System angeschlossen werden. Zahlreiche Betriebssysteme und Medien werden unterstützt.
Wenn es zum Datenverlust kommt, kann ein Systemadministrator telefonisch mit den Experten in Kontakt treten. Das ist besonders dann ratsam, wenn Datenbanken aus den verschiedensten Gründen gelöscht oder beschädigt wurden oder ein Datensicherungssystem sich nicht booten lässt. Das weitere Verfahren besteht aus der Einwahl durch den Kunden in den Remote Data Recovery Server, einer Diagnose durch die Datenrettungsingenieure, welche Informationen noch gerettet werden können, sowie die anschließende eigentliche Datenrettung.
Rettung für RAID, Mail- und SQL-Server
Eine Online-Datenrettung ist nicht nur eine Sache der Bequemlichkeit. Bei Plattformen wie NAS und SAN ist eine solche Remote-Datenrettung oft die einzige Lösung. Die Möglichkeiten der Datenrettung sind dabei nicht zu unterschätzen. Auch tiefgehende Schädigungen der Dateistruktur bei komplexen RAID-Systemen können bewältigt werden. Es gibt auch keine Beschränkung, wie viele Daten gerettet werden. In manchen Fällen wurden bis zu 3.000 GB an Daten gerettet.
Bei RAID-Systemen werden die verschiedensten Ursachen eines Datenverlustes behoben. In einem Fall war zum Beispiel bei einem RAID5 statt einer defekten Festplatte eine funktionierende Platte ausgetauscht und so ein Rebuild unmöglich geworden. Hier konnten die Remote-Tools auch solche Schäden beheben, die durch eine vorhergehende versehentliche Neuinitialisierung durch den Kunden zusätzlich entstanden waren. Im Fernzugriff konnten Daten repariert werden, die über die Parity-Informationen des Verbundes durch den Hardware Controller nicht mehr zu rekonstruieren waren.
Auch Exchange- bzw. SQL-Server werden via Internet repariert. Bei einem Exchange-Server können die einzelnen Mailboxen der Anwender als PST-Dateien direkt aus der beschädigten .edb-Datenbank extrahiert und dem Kunden zur Verfügung gestellt werden. Daraus eine neue Exchange-Datenbank aufzubauen, ist für den Systemverwalter nur noch eine Routineaufgabe. Zu berücksichtigen ist dabei aber, dass in der Zeit der Reparatur kein Zugriff auf den Exchange-Server möglich ist. Die Ergebnisse rechtfertigen jedoch diese kurze Pause: In einem Fall einer korrupten .edb-Datenbank konnten 495 Mailboxen innerhalb von 23 Stunden über Nacht diagnostiziert und gerettet werden.
Ganz ähnlich kann auch der Ausfall eines Datenbank-Servers vom Typ Microsoft SQL behoben werden. MS-SQL- und MS-Exchange Datenbanken haben einen definierten Aufbau mit TableDefinitions, Rows und Columns. Die wesentlichen Dateien sind zusätzlich in Tausende von Physical Chunks mit einer eigenen Header Structure untergliedert. Historisch bedingt sind auch erhebliche Unterschiede im Aufbau dieser Dateien über die Jahre zu beobachten. Ein ganzes Toolset kann mit vielen möglichen Arten von Korruptionen dieser Dateien umgehen. Dabei helfen bei gelöschten oder auch extrem beschädigten Dateien auch MS-SQL-Skripte oder alte Backups.
Selbst wenn SQL- und Exchange-Server auf einmal ausfallen, konnte in der Praxis Abhilfe geschaffen werden. Bei drei im RAID5-Verbund mit Windows 2000 Betriebssystem gebündelten Festplatten hatte ein Kunde einen neuen RAID Controller und zusätzlich weitere Festplatten eingebaut. Ein Reboot war auch nach dem Wiederausbau des Controllers nicht möglich. In diesem Fall wurden die Festplatten mit einem SCSI-Controller an das Internet angeschlossen. Bei der Diagnose wurde der RAID5-Verband simuliert und eine Verzeichniskorruption auf Root-Ebene in einer Partition festgestellt. Ein zusätzlicher NTFS-Scan brachte keine weiteren Fehler. Hier konnte der am Sonntagmorgen festgestellte Schaden bis Montagmittag behoben werden. Dank Internet-Verbindung erfolgte die Rettung bei dem portugiesischen Kunden international durch Spezialisten in Deutschland und Polen.
Peter Böhret ist Managing Director der Kroll Ontrack GmbH in Böblingen




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Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 