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Moniskop

Nachruf

Erinnerungen an Rudi Wolf

Rudi Wolf ist uns in eine andere Welt vorausgegangen, die wir alle kennen lernen werden. Gemeinsam mit seiner Frau Ilse prägte er nach der Pensionierung in seinem ursprünglichen Beruf über viele Jahre die journalistische IT-Szene in Wien.

Rudolf Wolf ist im September 2006 im Alter von 78 Jahren verstorben

Rüdiger Maier (Mitarbeit: Manfred Travnicek)

Als ich 1999 zum MONITOR kam, hatten Ilse und Rudi Wolf hier gerade ihren ersten Text veröffentlicht. Als sie vom Wechsel in der Chefredaktion erfuhren, wollten sie zunächst spontan aufhören. Wir vereinbarten aber dann doch ein Treffen beim Schwabl-Wirt und sie entschlossen sich, weiterhin als Autoren zu arbeiten. Schon in seiner Zeit bei der Ögussa hatte Rudi Wolf für verschiedene Magazine geschrieben, etwa für das "Bädermagazin" oder eine Zeitschrift für Modell-Rennautos. Im Rahmen dieses Engagements war Rudi besonders stolz darauf, dass sein Sohn in einem Modell-Auto-Wettrennen sogar gegen den Formel-1-Star Jochen Rindt gewonnen hatte. Direkt vor ihrem Einstieg beim MONITOR hatten die "Wölfe", wie das Ehepaar Wolf von seinen Freunden liebevoll genannt wurde, für die Computerwelt gearbeitet, waren stolze Inhaber deutscher Presseausweise und hatten die IT und ihr immer in heftiger Bewegung befindliches Umfeld lieben gelernt.

Die "Schwabl-Runde"

Als eifriger Brückenbauer und Netzwerker - "Das habe ich in meiner Position bei der Ögussa gelernt" - kam Rudi Wolf bald mit der Idee zu mir, einen IT-Marketing-Stammtisch zu begründen. Da ich noch neu in der IT war, erschien mir dies als ausgezeichnete Idee zum Knüpfen guter Beziehungen und die "Wölfe" begannen, die Gründungsrunde zusammen zu suchen. Als Treffpunkt bot sich natürlich der Schwabl-Wirt an, das Stamm-Wirtshaus der Wölfe in Erdberg. Manfred Travnicek: "Die Gründungsgespräche fanden schließlich - wie es sich für eine IT-Runde gehört - auf der exponet 2000 statt." Die Runde wuchs und gedieh dank Rudis ausgezeichnetem Organisationstalent, der Schwabl versorgte uns zuverlässig mit bodenständigem Essen und die nicht nur geschäftlichen Beziehungen unter den IT-Marketiers gedeihen bis heute.

Manfred Travnicek erinnert sich: "Rudi war bei den Runden immer ganz der "Grandseigneur" und unterhielt mit seinen Geschichten. In besonderer Erinnerung sind mir etwa die Erzählungen über die vielen New York-Flüge der Wölfe, ihr Lieblings-Hotel "Beverly" und das bevorzugte Restaurant "Smith&Wollensky"." In diesem Restaurant hatten die Wölfe über Vermittlung des Exil-Österreichers und bekannten Filmregisseurs Otto Preminger dann auch bald ihre fixen Plätze. Rudi Wolf war seiner Zeit immer wieder voraus: So verblüffte er die IT-Runde mit seinem Wissen über die Internet-Suchmaschine "Google", als diese noch ein Geheimtipp war. Travnicek: "Rudi Wolf hat zu einer Zeit, in der sich andere Menschen nach ihrem Arbeitsleben zur Ruhe setzen, die große Herausforderung angenommen, sich in die ständig wechselnden Themen der IT einzuarbeiten und immer am letzten Stand zu bleiben. Auch konnte er komplexe Themen einfach erklären und aufbereiten. So ist er auf bewunderswerte Weise - gemeinsam mit seiner Frau Ilse - jung geblieben!"

Jung und alt

Vor einigen Jahren verlor MONITOR mit seinem langjährigen US-Korrespondenten Evan Mahaney schon einmal einen ausgezeichneten Autor von über 70 Jahren. Mahaney sollte mit seiner Frau Marsha nach Wien kommen, musste den Flug allerdings aus gesundheitlichen Gründen absagen. Einige Tage später verstarb er, offenbar in eine seiner Leprechaun-Kolumnen für den MONITOR vertieft. Diese Ereignisse schrecken mich weniger als sie mich irgendwie stolz machen: MONITOR ist so ein Muster für die Zusammenarbeit junger und alter Menschen. Wir brauchen genauso neue, junge Schreib-Talente wie alte, erfahrene Journalisten, die nicht müde werden, sich auf der Basis ihrer vielfältigen Erfahrungen mit immer neuen Dingen zu befassen.

Ich habe auf meiner kürzlich durchgeführten Japan-Reise einige Kerzen für Rudi Wolf entzündet, vor allem auch in shintoistischen Schreinen. Kenner der Religionen mögen jetzt entgegen, dass der japanische Shintoismus mehr für die Lebenden als die Toten zuständig ist. Das stimmt schon: Ich wünsche uns allen, viele so neugierige und unermüdliche Menschen wir Rudi Wolf, die für Neues offen bleiben und mit Menschen im Austausch stehen. Ich werde Rudi Wolf nie vergessen und hoffe, dass sein Engagement und sein Interesse Schule machen. Wir können es alle brauchen.

Der erste Satz ist immer der schwierigste. Für dich war er das scheinbar nie. Klar und umfassend hast du in all deinen Journalistenjahren über schwierige Themen einfach und gleichzeitig umfassend geschrieben. Dabei hast du dich immer mit den Details auseinandergesetzt und die Kunst verstanden, das Ganze darzustellen. Einmal hatte ich dir ein Fachbuch über Balanced Scorecard im Handel geschickt. Gut erinnere ich mich an deine Aussage "So jetzt habe ich das Buch einmal gelesen, jetzt lese ich es noch ein zweites mal und dann verstehe ich die Sache und schreibe meine Geschichte." Wer macht das noch in einer schnelllebigen Zeit?

"Freunde kann man sich aussuchen" war einer deiner Sätze und du warst ein wirklicher Freund. Deine offene Art auf Menschen zuzugehen, dein Humor und die tausenden Geschichten aus deinem reichen Leben waren spannend und unterhaltsam zugleich. Du warst ein Beziehungsmensch und hast deine Freundesrunde immer mit Charme zusammengehalten. Du hinterlässt eine große Lücke.

Lieber Rudi - schreibe wohl!
Dein Herbert Brauneis


Eine der oft von Rudi vorgetragenen Lieblingsgeschichten war die Gründung der so genannten "Schwabl-Runde", einem Treffen von Marketingleitern der IT Branche und dem Journalisten-Ehepaar Wolf. Wir schrieben das Jahr 1999 oder 2000, so genau weiss ich das gar nicht mehr. Es war auf alle Fälle im Februar, da dieses historische Ereignis auf der ebenfalls bereits historischen IT Messe Exponet stattfand. Ich war damals noch Marketingleiter bei Microsoft Österreich und wir saßen gerade im Cafeteria Bereich des Microsoft Standes. Mit dabei Ricardo Vybiral, damals mein Gegenüber bei Compaq, sowie Manfred Travnicek, damals Marketingleiter bei SAP Österreich. Und Rüdiger Maier, der Chefredakteur von MONITOR, dem damaligen und später dann auch letzten Arbeitgeber des Autoren-Duos Ilse und Rudi Wolf. Und wie wir alle so da saßen und über die Zukunft der Pocket PCs und das Sterben der ifabo sinnierten, hatte Rudi den Einfall, diese Runde mehr oder weniger regelmäßig zu institutionalisieren. Und weil das dann ab dem darauffolgenden Monat bis zum heutigen Tag beim Restaurant Schwabl in der Erdbergerstraße stattfand, sprach man bald nur mehr von der Schwabl-Runde. Heute umfasst diese Runde knapp 20 Personen aus dem IT Bereich und wie es bei derart gewachsenen Sozietäten oft der Fall ist, geriet dessen Gründung bald zu einer schönen Legende, die sich durch das oftmalige Erzählen von Rudi und Ilse nur noch mehr verfestigte. Und mich auch etwas stolz macht, zu den Gründern dieser Runde zu gehören, als dessen Vater Rudi eindeutig zu bezeichnen ist.

In seiner Profession möchte ich Rudi als Journalist alter Schule bezeichnen. Und das sehe ich nicht einfach nur als altersbedingt sondern vielmehr als eine professionelle Einstellung an, die von Objektivität und unabhängiger Haltung geprägt war. Obwohl wir über die Jahre eine berufliche Freundschaft entwickelt hatten, machte Rudi bei seinen Fachartikeln trotzdem niemals Kompromisse in der journalistischen Qualität. Er entwickelte seine Marktsicht und Technologieüberblicke immer in souveräner und unbeeinflusster Art und Weise und ohne jede unangemessene Berücksichtigung von Firmen, deren Vertreter ihm seit Jahr und Tag freundschaftlich verbunden waren. Das habe ich immer geschätzt und respektiert und hat unsere Freundschaft über die Jahre zusätzlich gestärkt.

Thomas Lutz, Unternehmenssprecher Microsoft Österreich


Mein Freund Rudi!

Mit Rudi Wolf und seiner Frau Ilse verbindet mich eine langjährige Freundschaft.

Ich bewunderte an ihm neben vielen Eigenschaften im Besonderen seine grenzen- und bedingungslose Liebe zu seiner Frau, Familie und zu seinen Freunden.

Es gibt viele Erinnerungen an Rudi Wolf aber an dieser Stelle möchte ich ein besonderes Erlebnis erzählen, dass seinen individuellen Sinn für Freundschaft und Humor deutlich werden lässt. Vor einigen Jahren, war eine meiner ersten Tätigkeiten als Marketingleiter bei CSC Austria, eine Bilanzpressekonferenz zu organisieren. Natürlich kam auch Rudi Wolf.

Der Saal war voll, als zum Erstaunen meiner Vorstände, plötzlich mein Freund Rudi verschmitzt aus einem Plastiksack eine Flasche Calvados mit den Worten zog: "Den schickt Dir die Ilse mit einem Bussi". - Es war natürlich der Lieblings-Calvados der Wölfe.

Ciao Rudi, Du wirst mir fehlen!

Erich Dürnbeck


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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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