Man fühlt sich an vergangene Zeiten erinnert. Die Internet-Milliarden sitzen wieder locker. Das in einer Garage im Silicon Valley (wo sonst) gezimmerte Internet-Portal YouTube, eine in nur 20 Monaten hoch gezogene, noch keineswegs ausgereifte Website ohne besonderen Businessplan, wurde kürzlich vom Google-Imperium inhaliert. Um sagenhafte 1,6 Milliarden US-Dollar.
Börsianer auf der ganzen Welt hielten kurz den Atem an. Kann das gut gehen? Hat diese Transaktion zur Folge, das es wieder zu einer Überbewertung von Web-Diensten wie in den unseligen Zeiten des Jahrtausend-Hypes kommt? Denn die Technik von YouTube mag ja ganz innovativ sein, das Geschäftsmodell ist es nicht.
Vorsicht ist daher angesagt. Nicht immer macht man einen guten Griff. Die News Corporation hat zuvor mit MySpace zwar offenbar auch einen guten Riecher gezeigt, und Google wird wohl ungefähr wissen, was fortan mit YouTube alles zu erreichen (sprich: zu verdienen) ist. Die wichtigste Kernfrage bleibt aber: Ist das Internet-Business wirklich erwachsen geworden? Oder werden wieder die selben Fehler gemacht, die zur ersten Bubble geführt haben: Turnschuh-Management, Business by Nerds, Technik und Marketing statt Governance und Controlling? Natürlich verschlägt es einem bei solchen Summen die Sprache, und jeder halbwegs begabte Computerfreak denkt sich: "Das kann ich eigentlich auch". Wenn das aber zu einer neuen "Innovationswelle" führt, heißt es aufpassen.
Man weiß ja auch nicht mehr, was man davon halten soll. Die schon beim Börsegang 2004 recht teuren Aktien von Google haben sich im Preis mittlerweile vervierfacht. Ob sie den wahren Wert des Unternehmens abbilden, ist schwer zu messen. Jedenfalls haben sie den Wertpapier-Kontostand der beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin auf mehr als zehn Milliarden Dollar aufgeblasen. Und die wissen natürlich nicht, wohin mit ihrem Geld.



1/2012
8/2011
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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 