Zweimal jährlich zum Zahnarzt gehen, lautet der beste Schutz vor schmerzhaften Problemen. Dass die regelmäßige Kontrolle im Bereich der Datensicherung nicht zu den Selbstverständlichkeiten zählt, macht sich leider erst immer im Schadensfall bemerkbar. Auf den wollten die IT-Verantwortlichen des W&H Dentalwerks im Salzburger Bürmoos nicht warten.
"Auf einer Messe sind wir auf die IT-Risikoanalyse der Firma Litcos aufmerksam geworden", sagt Roland Lucky, IT-Management, und ergänzt: "Wir wollten rechtzeitig wissen, wie unser Status quo aussieht, wo wir Maßnahmen und Verbesserungen in unserem Rechenzentrum setzen müssen." Ergebnis war, dass der Schutz vor physikalischen Gefahren nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Und die sind bekanntermaßen nicht weniger gefährlich als Angriffe von Viren und Hackern.
Stillstand unmöglich
Der Verlust von Daten hätte für den Anbieter zahntechnischer Präzisionsgeräte fatale Folgen. "Wir produzieren nur just-in-time. Das bedeutet, dass Bestellungen, die bei uns bis 14.00 Uhr eintreffen, noch am selben Tag gefertigt und am folgenden Tag ausgeliefert werden," erklärt Manfred Kinzl vom Facility Management.Und dieses Prinzip gilt in dem bereits 1890 gegründeten Familienunternehmen weltweit. Das W&H Dentalwerk beschäftigt derzeit rund 800 Mitarbeiter in 16 Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt. Mehr als 95 % seiner Produkte werden weltweit in über 80 Länder exportiert. Die Produkte mit international führendem Qualitätsstandard kommen in Zahnarztpraxen, Zahnkliniken, Dentallabors und in der Mikrochirurgie zum Einsatz.
Die Anforderungen
Im Rechenzentrum der Zentrale in Bürmoos fließen sämtliche Produktionsdaten und alle Daten der Administration und Organisation, sowohl aus Österreich als auch aus den Tochtergesellschaften in Deutschland, Großbritannien und aus Teilen Frankreichs und Spaniens, zusammen. Eine enorme Datenmenge, die hier gehostet wird.
12 Mitarbeiter kümmern sich um die reibungslose Verfügbarkeit. "Wir haben nach der Risikoanalyse eine Funktionsausschreibung gemacht. Damit wollten wir sicherstellen, dass alle unsere Anforderungen gewährleistet sind", erklärt Roland Lucky und setzt fort: "Wir wollten dabei aber keine übertriebenen Forderungen stellen. Damit meine ich, nicht die höchstmögliche Sicherheit zu erreichen, sondern die für uns sinnvollste."
Wichtig waren ein durchgängiges System, modularer Aufbau, auch bei der USV, sowie ein intelligentes Brand- und Löschszenario. Dazu kam weiters die Anforderung, die Umsetzung im laufenden Betrieb abzuwickeln. Maximal acht Stunden Stillstand, und die nur am Wochenende, waren möglich. Zusätzlich soll das ganze System bei Bedarf im laufenden Betrieb erweitert werden können.
Die Umsetzung
Die Wahl fiel auf Lampertz, den Spezialisten für physikalische IT-Sicherheitslösungen und Rittal. DI (FH) Aleksandar Bogoevski, Projektleiter Lampertz: "Gerade Unternehmen, die auf die Erhaltung ihrer Daten besonders angewiesen sind, unterschätzen gerne die Gefahren, die sich aus Wassereinbrüchen, Feuer, aber auch Brandgasen ergeben. Gerne schützt man sich mit Firewalls gegen unerwünschte Eingriffe von außen - vergisst dabei aber häufig, dass man seine Daten auch auf andere Art und Weise verlieren kann."
Damit das im W&H Dentalwerk nun nicht passieren kann, wurde aus einem ehemaligen Besprechungszimmer eine 6 m x 5,4 m x 3 m große Sicherheitszelle LSR 9.3, in der nun das neue Rechenzentrum errichtet wird. Dieser Modulraum ist eine selbsttragende, feuersichere Raumzellenkonstruktion aus modularen Wand-, Boden- und Deckenelementen in Stahlkassettenbauweise. Diese ermöglicht eine geringe Elementenstärke und dadurch eine Anpassung an die vorhandenen Flächen- und Höhenmaße. Die einzelnen Elemente werden mittels einer speziellen Verbindungstechnik zusammengehalten. Abgedichtet wird mit keramischen und wasserabweisenden Materialien. Eine massive Tür schützt vor unbefugtem Zutritt.
Der LSR 9.3 erfüllt alle Anforderungen der Kategorie "erweiterter Grundschutz". Über diese Anforderungen hinaus erfüllt er die Anforderungen der EN 1047-2 (max. 50 K Temperatursteigerung und max. 80 % relative Luftfeuchtigkeit).
Aber Roland Lucky und Manfred Kinzl wollen sich in Zukunft nicht auf der Sicherheitszelle ausruhen: "Die physikalische Absicherung ist der erste Schritt unseres Sicherheitskonzeptes. Es folgen die Sicherung der IT-Technik und abschließend geht es um die organisatorische Sicherheit. Denn was nützt uns der beste Sicherheitsraum, wenn es niemanden gibt, der die Brandschutztüre ordnungsgemäß verschließt."





1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 