Als Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr Menschen einen Telefonapparat besitzen wollten, entwickelte die PTV eine höchst innovative Idee: Der Viertel-Anschluss wurde geboren, mit dem es dem Unternehmen gelang, der rasant steigenden Nachfrage Herr zu werden.
Heute, hundert Jahre später besteht die Herausforderung in der sinkenden Nachfrage: Immer weniger Menschen nutzen den Festnetzanschluss für Sprachtelefonie, der Anteil an den Einnahmen wird immer geringer. "Telefonie wird in Zukunft keinen Wert mehr haben", konstatierte Helmut Leopold, Leiter des Bereichs Plattform- und Technologiemanagement bei der TA unlängst auf einer Veranstaltung der Industriellenvereinigung. Dies habe man aber bereits frühzeitig erkannt und so sei Innovation seit der Neuaufstellung 1999 das oberste Unternehmensziel.
Dass dies mit gewaltigen Herausforderungen verbunden ist, bestätigt Leopold, der bei der TA für das Thema Innovationen zuständig ist, im Gespräch. "Auf der einen Seite müssen wir als Infrastrukturanbieter die bestehenden Produkte weiterentwickeln, andererseits ist es unser Ziel, neue Märkte mit neuen Produkten zu erschließen", erklärt Leopold die unterschiedlichen Arten von Innovation. Mit dem Wandel vom Telefonie- zum Kommunikationsanbieter gehe ein Kulturwandel einher, der vor allem das Unternehmen selbst betreffe, "denn Innovation wirkt auch ganz stark nach innen", beschreibt Leopold eine der Herausforderungen. "Änderungen müssen in einem ersten Schritt nach innen kommuniziert werden, denn auch für unsere Mitarbeiter ist die TA noch ein Telefonieanbieter."
Um die Innovationsprozesse im Unternehmen voranzutreiben, ist Leopold natürlich auf seine Mitarbeiter angewiesen. "Wir brauchen die Vielfalt, gute Ideen gepaart mit Kreativität, um im Unternehmen die notwendige Exzellenz entwickeln zu können." Das heißt, erst wenn die nötige Kompetenz vorhanden ist, entstehen neue Konzepte.
Um diese dann umzusetzen, benötigt das Unternehmen nicht nur viel Geld und das entsprechende Personal, sondern auch Leadership. "Innovation hängt stark von Personen ab", ist sich Leopold sicher. Verlangt wird von ihnen Geduld und Ausdauer, denn Innovation braucht Zeit.
Next Generation Network
Eines der Ziele ist der Aufbau einer universellen Breitbandnetzinfrastruktur, die der technologischen Konvergenz - Stichwort Triple Play - Rechnung trägt. Im "Next Generation Network" (NGN) wachsen die verschiedenen Medien wie Festnetz, Internet und Mobilfunk zusammen. Diese so genannte "All-IP"-Infrastruktur stellt die Grundlage für die zukünftigen Kommunikationsprodukte und -dienste dar. Wichtig ist für Leopold der globale Kontext, in dem sein Unternehmen dabei tätig ist. So ist die TA Mitglied im Broadband Services Forum, einem internationalen Unternehmensverband, in dem sich Technologiehersteller, Netzbetreiber, Diensteanbieter und Contentlieferanten zusammengeschlossen haben und technologische und wirtschaftliche Fragen klären. Seit letztem Jahr ist Leopold Chairman dieser Organisation, der Unternehmen wie Siemens und Alcatel angehören.
Zwar beschäftigen sich viele Forschungsprojekte, an denen die TA beteiligt ist, mit der Infrastruktur, aber das Unternehmen geht noch einen Schritt weiter. So wurde mit Next Generation Media (NGM) eine Medienplattform geschaffen, auf der nun verschiedene neue Angebote entwickelt werden können. Eines dieser Angebote ist Aon Digital TV. "Für den Kunden ist es nur Fernsehen, für uns ist es Niemandsland", sieht Leopold die Entwicklung solcher Angebote als riesige Herausforderung für das Unternehmen. "Bis jetzt verfügen wir über keinerlei Erfahrungswerte mit diesem Produkt", fährt er fort und verweist darauf, dass es hier auch um völlig neue Geschäftsmodelle geht. Kurz gesagt geht es dabei um IPTV, was bedeutet, dass TV-Kanäle über das Internet-Protokoll (IP) übertragen werden.
Die Marktforscher sind sich nicht einig, ob IPTV ein Erfolg werden wird. Die Deutsche Telekom, die versucht, ihren Kunden die neue Art des Fernsehens in Verbindung mit Bundesliga-Fußball schmackhaft zu machen, bäckt vorerst kleine Brötchen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung waren es ganze 43 Haushalte, die für den Empfang des ersten Spieltags diesen Übertragungsweg gewählt haben.
Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass Innovationen auch das entsprechende innovationsfreundliche Umfeld benötigen, um erfolgreich zu sein. Leopold sieht hier für Österreich Nachholbedarf und findet es bedauerlich, dass zum Beispiel die technischen Berufe keine hohe Akzeptanz haben. Dementsprechend vermisse er auch die Faszination der Menschen für Technologie. Umso wichtiger sei es, die Zielgruppen des Unternehmens möglichst frühzeitig einzubinden, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte gehe.
Vom Innovationspfad lässt sich Leopold nicht so leicht abbringen. Er sieht sich vor allem als "Enabler" und stellt zufrieden fest, dass sich das Unternehmen in den letzten Jahren enorm verändert habe. Das Forschungs- und Innovationsprogramm gibt der TA auch weiterhin die Chance, zu den Playern im IKT-Bereich zu gehören und somit den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken.




7/2011
6/2011
5/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 