Veraltete Arbeitsprozesse sowie uneinheitliche IT-Systeme kosten die europäische Festnetzbranche jedes Jahr einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Mit einer automatisierten Auftragsabwicklung über Onlineportale sowie optimierten Geschäftsabläufen können die Unternehmen bis zu 40 Prozent der Kosten sparen, so die Einschätzung von Steria Mummert Consulting. Ein großer europäischer Carrier erzielte sogar Kosteneinsparungen von 75 Prozent, nachdem er die Provisionierung der DSL-Services auf automatisierten Betrieb umgestellt hatte.
Nicht nur um Kosten zu sparen, sondern auch um ihre Service-Angebote effizient und schnell vergrößern zu können, sollten Diensteanbieter und Carrier neue Plattformen für die Provisionierung von Diensten implementieren. Das Vordringen der IP-Technologie in die Welt der TK-Branche bringt nämlich nicht nur Vorteile wie das einheitliche Netzmanagement und verringerte Kommunikationskosten mit sich. IP als Transportmedium ermöglicht auch eine Vielfalt von Diensten, die dem Kunden maßgeschneidert orts- und zeitunabhängige Informationen - oft mit dem Versprechen interaktiver Kommunikationskanäle - liefern. So erreicht Fernsehen den Empfänger über Kabel und Antenne, als IP-Fernsehen über VDSL und das mobile TV über DVB-H und DVB-T auf dem Handy. Was dem Endkunden die Freiheit der Wahl unterschiedlicher Zugangswege eröffnet, bedeutet für Betreiber und Diensteanbieter, dass sie ein Bündel unterschiedlicher Services in höchster Qualität via IP liefern müssen - und dazu neue und effizientere Provisionierungslösungen brauchen. Auch Unternehmen, die sich durch gehostete IP-Lösungen als Managed Services-Diensteanbieter ein neues Geschäftsfeld eröffnen, müssen entsprechend gerüstet sein. Ein solcher Anbieter bietet Unternehmenskunden IP-basierte Dienste und bindet diese bei Anrufen von und nach außerhalb des Netzes an das öffentliche Telefonnetz an oder greift via IP-VPN-Leitung auf MPLS-basierte Netze mehrerer Carrier zurück.
Service-Vielfalt schafft Komplexität
Erste Aufgabe für Diensteanbieter, die Triple-Play-Dienste aus Hochgeschwindigkeits-Internet, IP-Telefonie sowie IPTV und Video on Demand, aber auch IP-VPN für Geschäftskunden einführen wollen, ist eine eingehende Analyse der vorhandenen Infrastruktur hinsichtlich deren Eignung und Unterstützung des neuen IP-basierten Modells. Dabei wird häufig zunächst die Migration von TDM- und ATM-Netzen erfolgen, weil selten bereits voll konvergente Netze bestehen. Damit einher geht der Umstieg von einem zentralen auf ein verteiltes Netzmodell.
Erst wenn diese Grundanforderung erfüllt und das Netz für Triple-Play / IPTV bzw. IP-VPN vorbereitet ist, kann die Planung der Serviceangebote, die neue Umsätze generieren sollen, angegangen werden. Bei IPTV muss beispielsweise ausreichend Bandbreite, pro Kunde bis zu 20 Mbyte/s, bereitgestellt werden. Unterschiedliche Fernsehkanäle in herkömmlicher und hoher Auflösung, Spiele und multimediale Kommunikationsangebote machen eine solche Größenordnung erforderlich.
Der Schlüssel für effiziente IP-basierte Dienste
Der Schlüssel für die Lösung der Probleme bei Einrichtung und Betrieb neuer IP-Dienste, wie Triple-Play, IPTV oder IP-VPN, ist eine technologie- und herstellerübergreifende Provisionierung. Nur diese ermöglicht eine einheitliche Steuerung unterschiedlicher Geräte und Standards. Traditionelle Elementmanager und herstellerspezifische Netzmanagement-Systeme erlauben eine solche Bereitstellung im besten Fall nur bedingt. Grund dafür ist nur zu oft, dass das Service Fulfillment mit seiner zugrunde liegenden Architektur unterschätzt wird. Gerade IPTV benötigt aber diverse Konfigurationseinstellungen im DSL- und Aggregationsnetz, und zwar für mehrere Hersteller der benötigten Netzelemente.
Eine Provisionierungs-Software sollte beim Endkunden ansetzen sowie virtuelle Verbindungen und VLANs nach Service und Kunde aufbauen und die entsprechende Bandbreite zuordnen. Sie provisioniert Core Services und verwendet dafür Technologien wie Carrier Ethernet und IP-VPNs. Außerdem sollte eine solche Lösung die Servicequalität sicherstellen. Und schließlich stellt sie auch Media Server und Gateways bereit, um die vielfältigen Bedürfnisse der Endkunden nach hochauflösendem Fernsehen und Video-Services gerecht zu werden.
Um die unterschiedlichen Anforderungen an die Provisionierung von Triple Play bzw. IPTV-Services zu erfüllen, integriert eine solche Software-Suite die wesentlichen Schritte, nämlich Planung, Entwicklung und Bereitstellung von Services. Die Plattform sollte so konzipiert sein, dass sie alle betroffenen Abteilungen innerhalb der betrieblichen Organisation eines Service Providers einsetzen können. Dies umfasst sowohl Netz- und Systemarchitekten, aber auch das Produktmanagement und das operative Management sowie die Geschäftsführung. Ein Produktmanager kann so die Geschäftsprozesse für neue Triple Play- und IPTV-Angebote, der für Unternehmenskunden zuständige Key Account-Manager neue IP-VPNs selbst definieren, was viel Zeit und Mühe erspart. Dieser Ansatz basiert auf einer komponentenbasierten Architektur, in der "intelligente" vorkonfigurierte Komponenten, die leicht modifiziert werden können, komplette Workflows für die Aktivierung der einzelnen Services automatisch bereit stellen.
Fazit
Einrichtung und Betrieb von Triple Play und IPTV-Services sowie IP-VPNs ist komplex und muss unterschiedliche Umgebungen und Anforderungsprofile der gewünschten/verwendeten Technologien berücksichtigen. Modulare, integrierte und komponentenbasierte Provisionierungs-Software-Lösungen bieten einen ganzheitlichen Ansatz, um die häufig entstehenden Probleme zu lösen. Das automatisierte Vorgehen reduziert drastisch die Bereitstellungszeiten für den gesamten Prozess von der Planung, dem Design und Testen bis zur Implementierung. Bei Triple Play, IPTV- und auch IP-VPN-Diensten verkürzt sich die benötigte Zeit von Monaten auf Wochen oder sogar Tagen.
Fritz Mandlmeier, Regional Sales Director DACH, Axiom Systems




1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 