Personalmanagement
Weil der Mitarbeiter es Wert ist
Dunja Koelwel , Annelie Weigand
Arbeitsmarkt-Experten rechnen auch im Blick auf die demographische Entwicklung in den kommenden Jahren mit einem dramatischen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Bei Ingenieursberufen und in der ITK-Branche macht sich teilweise schon heute bemerkbar, worauf sich andere Branchen wohl noch einzustellen haben. So kommt beispielsweise das Wiener Beratungsunternehmens Robert Fitzthum Management Consulting in seinem aktuellen "IT-Indikator" zu folgendem Ergebnis: "In bestimmten Bereichen wie etwa bei Java oder C++ ist es bereits heute ziemlich schwer, erfahrene Spezialisten zu finden."
Mit Engpässen bei den Programmierern haben laut IT-Personalberater Robert Fitzthum aber die meisten Länder in Kontinentaleuropa, darunter auch Deutschland, zu kämpfen. In Deutschland können aktuell sogar rund 18.000 Ingenieurstellen derzeit nicht besetzt werden, meldete Ende April der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf. "Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung von mehr als 30 Prozent", sagte VDI-Direktor Dr.-Ing. Willi Fuchs. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) registrierte im Rahmen seines vierteljährlich ermittelten Branchenbarometers für das erste Quartal dieses Jahres einen sich verschärfenden Fachkräftemangel, der sich als Wachstumsbremse für den durchaus positiv gestimmten Markt erweise.

„Nur wenn die Mitarbeiter darauf vertrauen können, dass das Unternehmen gut und richtig geführt wird und sie fair behandelt werden, konzentrieren sie sich in höchstem Maße auf ihre Aufgaben und unsere Kunden.“ - Dr. Ulrich Schwanengel Firmengründer und Geschäftsführer der ConSol Consulting & Solutions Software GmbH und „Deutschlands beste Arbeitgeber 2006“.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die Beschäftigten. "Widersprüchliche Arbeitsanforderungen, überlange Arbeitszeiten und Leistungsdruck machen immer mehr IT-Spezialisten krank", lautet das Ergebnis einer Untersuchung, die das deutsche Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) durchgeführt hat. Sie leiden bis zu viermal häufiger als andere Berufsgruppen in Deutschland unter psychosomatischen Störungen wie chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden - erste Anzeichen für das gefürchtete Burnout-Syndrom. Wilfried Seyruck: "Das ist vor allem in Unternehmen der Fall, die die IT lediglich als Kostenfaktor sehen."
Engagement lässt zu wünschen übrig
Den Beschäftigten geht es nicht gut. Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld, kaum Anerkennung für erbrachte Leistungen und stets drohender Arbeitsplatzverlust prägen ihren Alltag. Kein Wunder, dass viele den Spaß an der Arbeit verlieren, sich zurücknehmen und nur noch "Dienst nach Vorschrift" tun. Fast die Hälfte der Mitarbeiter empfinden kaum Arbeitsfreude, lässt sich dem jüngsten Human-Resources-Monitor (HRM) entnehmen, der alljährlich den Entwicklungstand des Personalmanagements in Österreich und Deutschland unter die Lupe nimmt.
"Ungeachtet eines freundlicheren wirtschaftlichen Umfelds ist das Engagement von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Unternehmen weiterhin nur schwach ausgeprägt", ermittelte Ende letzten Jahres die Managementberatung Towers Perrin in einer weltweit durchgeführten Studie. In Österreich arbeiten lediglich 15 Prozent der Beschäftigten "hoch engagiert", heißt es.
Fehler im Management

„Da in der IT die Halbwertszeit von Wissen besonders kurz ist, nämlich nur etwa zwei Jahre, kommt hier auf Unternehmen eine besondere Herausforderung zu.“ - Dipl.-Ing. Wilfried Seyruck, Gründer der Linzer Programmierfabrik
Potenziale erkennen
Die Mitarbeiter als Leistungsträger anzuerkennen und ihr Potenzial freizusetzen, wird in den kommenden Jahren eine große Aufgabe für die Unternehmenschefs sein. Es sind die Mitarbeiter, in deren Köpfen wertvolles Wissen aus dem Unternehmen, zu Kunden, Produkten oder Dienstleistungen angehäuft ist. Sie sind die Schnittstelle zum Markt und repräsentieren das Image des Unternehmens in der Öffentlichkeit.
"Gerade jetzt, wo sich ein Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften abzeichnet, kommt den Unternehmen die Aufgabe zu, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich das Potenzial von hochqualifizierten Spezialisten und manchmal auch Individualisten voll entfalten kann", heißt es in der HRM-Studie. Wilfried Seyruck: "Da in der IT die Halbwertszeit von Wissen besonders kurz ist, nämlich nur etwa zwei Jahre, kommt hier auf Unternehmen eine besondere Herausforderung zu."
Unternehmenskulturen sind entscheidend
Die Nase vorn werden dabei die Unternehmen haben, die eine gezielte Personalpolitik betreiben, ein attraktives Arbeitsumfeld bieten und es verstehen, ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen aus eigenem Antrieb zu motivieren. Diverse Untersuchungen haben zu dem Ergebnis geführt, dass die tatsächlich gelebte Unternehmenskultur ausschlaggebend dafür ist, inwieweit die Mitarbeiter bereit sind, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Sinne der Unternehmensziele Gewinn bringend einzusetzen. Faktoren wie mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten, Glaubwürdigkeit, Respekt, Verantwortungsbewusstsein, Fairness, Anerkennung, Entfaltungsmöglichkeiten, Entscheidungsfreiheit oder Entwicklungsperspektiven und last but not least eine angemessene Bezahlung spielen dabei im Hinblick auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter eine wichtige Rolle.
Gut geführt zum Erfolg
Es lohnt sich, eine gute Unternehmenskultur zu pflegen. Dies zeigt beispielsweise die Erfolgsgeschichte der ConSol Consulting & Solutions Software GmbH mit Stammsitz in München. Das High-End-IT-Beratungs- und Softwarehaus wurde Anfang Januar zum Gesamtsieger im Wettbewerb "Deutschlands beste Arbeitgeber 2006" gekürt und stach damit 164 weitere Anwärter auf den Titel aus. Der Wettbewerb basiert auf anonymen Mitarbeiterbefragungen und wird seit vier Jahren vom Wirtschaftsmagazin Capital und weiteren Kooperationspartnern durchgeführt. ConSol führt seinen Erfolg darauf zurück, dass die Mitarbeiter vor allem mit der glaubwürdigen und transparenten Arbeit der Geschäftsführung hoch zufrieden sind. "Nur wenn die Mitarbeiter darauf vertrauen können, dass das Unternehmen gut und richtig geführt wird und sie fair behandelt werden, konzentrieren sie sich in höchstem Maße auf ihre Aufgaben und unsere Kunden", sagt Firmengründer und Geschäftsführer Dr. Ulrich Schwanengel.
So bietet etwa die Unternehmensleitung ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, eigene Ideen oder auch Kritik einzubringen und legt Wert darauf, die Angestellten aus erster Hand über die neuesten Entwicklungen und Pläne des Unternehmens zu informieren. "Wissen ist bei ConSol kein Machtinstrument, sondern Ausdrucksmittel und Entwicklungspotenzial für alle Mitarbeiter", heißt es. Seit dem Gründungsjahr 1984 befindet sich das High-End-IT-Beratungs- und Softwarehaus auf Wachstumskurs. Erst kürzlich vermeldete es ein "überdurchschnittliches Wachstum - an Aufträgen, Umsatz und Mitarbeitern" im ersten Quartal 2006.
Wertekultur zahlt sich aus
Dass sich eine Wertekultur letztendlich in barer Münze auszahlt, hat die Unternehmensberatung Deep White wissenschaftlich bewiesen. "Ein Drittel des betriebswirtschaftlichen Erfolges ist auf die Wirkung der gelebten Wertekultur des Unternehmens zurückzuführen", lautet das Fazit einer Studie, die das Beratungsunternehmen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien und Kommunikationsmanagement (MCM) der Universität St. Gallen im Jahr 2004 durchgeführt hat. "Unternehmen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, eine entsprechende Kultur ihrer Werte pflegen und den Mitarbeitern Raum zur Entfaltung von Ideen und Leistung bieten, haben langfristig eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Geschäftserfolg als straffe 'Performance-Jäger'", so die Studie.
Neues Bewusstsein
Inzwischen erkennen immer mehr Firmenlenker die Zeichen der Zeit und entdecken die Vorteile einer werteorientierten Unternehmenskultur für sich. In Berlin haben sieben junge Führungskräfte die "Wertekommission - Initiative für Werte Bewusste Führung e. V." ins Leben gerufen, und sind damit Ende letzen Jahres erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Die Kommission will sich für eine "Unternehmenskultur neuer Prägung" einsetzen und dafür auch "die rund zwei Millionen Entscheider und Führungskräfte in der Bundesrepublik" begeistern. Sechs Werte hat die Kommission als Basis ihrer Aktivitäten definiert: Nachhaltigkeit, Integrität, Vertrauen, Respekt, Mut und Verantwortung.
Die Idee einer neuen Unternehmenskultur versuchen engagierte Wissenschaftler und Praktiker auch auf Veranstaltungen in die Unternehmenswelten zu tragen. Zum Symposium "Mit Sinn und Werten führen" lud hier etwa das Konferenz-Unternehmen Business Circle Ende Juli nach Wien ein. Es richtete sich an Manager, die dem Thema Führung von Menschen und Unternehmen neue Bedeutung geben wollen.
Denn er hat schon begonnen, der Kampf um gute Arbeitskräfte. Unternehmensleiter tun gut daran, sich den Wert ihrer Mitarbeiter ins Gedächtnis zu rufen und sich für deren Wohlergehen und eine gute Unternehmenskultur einzusetzen, wenn sie eines Tages nicht ohne Belegschaft dastehen wollen. Die Mitarbeiter sind schließlich das wahre Kapital einer Firma.
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