"Konsequente Weiterentwicklung" kann manchmal auch nach hinten losgehen. Dann nämlich, wenn man konsequent alle Nachteile der Vorgängermodelle weiterführt. HPs iPAQ Messenger 6915 - ein Gerät in dem eigentlich viel Potential steckt - scheint genau das "gelungen" zu sein.
Die breite Gehäuseform ist immer noch zum Telefonieren äußerst ungeeignet, ein Zweithandy drängt sich auf - damit ist der Nutzen eines All-in-One Gerätes in Frage gestellt. Immer noch ist der Bildschirm dunkel und unangenehm grob gerastert. Selbst in der höchsten Einstellung wirkt er bereits in einem normal ausgeleuchteten Büro eher flau, erst recht draußen. Immerhin geht's aber dann, wenn man das transreflektive Display bewusst zur Sonne hinhält. Die Tasten bleiben weiterhin klein, selbst einige andere kleinere Geräte haben größere. Hauptproblem dürfte dabei das kreisrunde und zu flache Tastendesign sein. Dadurch können die Finger einfach nicht ertasten, wo sie sind.
Lobenswert: Die zwar schicke aber unlesbare bläuliche Beleuchtung der Buchstaben anstelle ganzer Tasten vom Vorgängermodell wurde zugunsten vollständig und kräftig beleuchteter Tasten aufgegeben. Schönheitsfehler: In einer typischen Pocket-PC Stromspar-Notwendigkeit leuchtet die Tastatur erst, wenn man eine Taste tippt und nicht wenn man das Gerät einschaltet. Im Dunkeln ist also der erste Buchstabe fast immer der falsche. Anstelle ordentlicher 4-Wege-Tasten sitzt in der Gerätemitte ein viel zu kleines Steuerknüppelchen, kaum größer als man es von kleinsten Sony Ericsson Handys kennt. Obwohl auf dem PDA Platz für wesentlich besseres gewesen wäre, verzichtet man so auf eine gut kontrollierbare Steuerung. Zugute halten muss man HP vielleicht, dass die unterwegs praktische "Einhandbedienbarkeit", nur mit Cursertasten ohne Stift, beim Windows Mobile OS ohnehin mangelhaft wäre.
Diese alten Schwächen sind sicher nicht für jeden gleichermaßen schwerwiegend. Das dunkle Display merkt vielleicht nur, wer bessere Geräte kennt. Wer sonst mit einem der ebenfalls breiten Blackberry-Modelle telefonieren müsste, wird sich beim HP nicht mehr daran stören als dort.
Insofern bleibt der iPAQ, was er schon war: Ein Pocket PC-Telefon im Messenger-Format (mit Minitastatur unterm Schirm). Zwar ist jetzt auch WLAN an Board, im Mobilfunknetz bleibt das Gerät jedoch weiterhin auf GPRS/EDGE beschränkt. Fehlendes UMTS ist zugegeben - je nach Anwender - nicht unbedingt tragisch, wäre aber für ein Gerät dieser Größe und auch dieser Preisklasse (über 700 Euro) dennoch fein. Dank Windows Mobile 5.0 kann das Gerät nunmehr ab Werk Push-Mail von einem Exchange-Server empfangen, ohne zusätzliche Software einzusetzen. Bei allen Unzulänglichkeiten des Windows Mobile Betriebssystems im mobilen Alltag, die Zusammenarbeit von Pocket Outlook mit einem Exchange Server ist wunderbar und auf anderen Plattformen so erst mit Zusatzsoftware wie Goodlink zu erreichen. Da schiele auch ich manchmal rüber.
Nicht alles, was beibehalten wurde, ist schlecht. Hervorragend ist der integrierte GPS-Empfänger, den HP mit TomTom auch mit guter Navigationssoftware ergänzt. Die Verwendung im Auto kann ich mir vom Display her fast nur in Ausnahmefällen (Mietwagen etc.) vorstellen, aber gerade auch zu Fuß kann die Funktion, wenn sie im Smartphone ohnehin ständig dabei ist, nützlich werden.
Die 1,3 Megapixel-Kamera ist angesichts der Auflösung aktueller Handys lächerlich. Von der Überflüssigkeit aller Handykameras überzeugt, interpretiere ich das jedoch wohlwollend als HPs Statement, dass ein Business-Gerät so etwas ja ohnehin nicht braucht. In Summe ein grundsätzlich vielseitiges Gerät, das einen im Alltag nicht immer entgegenkommt. Aber genau das sollte ein mobiler Begleiter.




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