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Wirtschaft

Kommentar von Conrad Gruber

REBOOT 10-2006

Der Computereinzelhandel ist ein hartes Geschäft. Das merkte nun auch Manfred Birg, jener PC-Pionier, der das Bastelgeschäft mit dem Computer in Österreich erst so richtig salonfähig machte.

Möglicherweise können sich nicht alle unter den MONITOR-Lesern daran erinnern, aber es gab in den Neunziger Jahren eine Wiener Institution namens Birg. Dieser Name war das frühe Synonym für den klassischen Computereinzelhandel, zu einer Zeit, als PC noch unverhältnismäßig teuer verkauft wurden und es günstiger war, sie selbst zu basteln oder zumindest aufzurüsten. In der Zeit der 386er und 486er-Windows-Kisten, die man daheim mit den neuesten Einzelteilen frisierte, war der Gang zur Birg so etwas wie eine Wallfahrt nach Mariazell für Katholiken.

Die frühen Birg-Läden sprachen allen Prinzipen des auf Beratung Wert legenden Einzelhandels Hohn. Bei Birg war man in den Frühzeiten kein Kunde, sondern ein Bittsteller. Wer sich nicht überdurchschnittlich gut mit dem PC auskannte, der hatte Schwierigkeiten, sich dem Verkäufer gegenüber überhaupt zu artikulieren, was er eigentlich wollte. Selten waren die Einzelteile in den Filialen lagernd, eine Lieferbestellung Glücksspiel. Trotzdem waren die Läden immer voll und Birg machte klingende Umsätze, 1999 fast eine Milliarde alte Schillinge. Denn er war damals quasi der Einzige, der wusste, was Computerfreaks brauchten. Über die Qualität der billigen Taiwan-Teile wollen wir hier lieber den Mantel des Schweigens breiten.

Als sich Manfred Birg dann mit dem großen Computervertrieb Vobis anlegte, begann sich das Blatt zu wenden. Zunächst bekämpfte der David den europäischen Goliath, schließlich schnappte die Falle zu: Im Jahr 2000 übernahm Vobis Birg. Zunächst lief alles leidlich, bis Vobis selbst ins Trudeln kam. 2003 kam für die mittlerweile als Vobitech fungierende Kette das aus: 5,3 Millionen Euro Schulden waren angehäuft. Birg machte trotzdem unter dem alten Firmennamen weiter - doch ein Wiederaufleben der Freak-Tradition gelang nie. Anfang September meldete der Kreditschutzverband eine Überschuldung von fast fünf Millionen Euro. Wohl das endgültige Aus für Birg. Schade drum.

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REBOOT - Kommentar von Conrad Gruber

Kommentar von Conrad Gruber - Die Monatsrückschau auf den österreichischen IT-Markt.

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Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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