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Strategien

Interview mit Wilfried Pruschak, Raiffeisen Informatik

"Wir sind zum Wachstum verdammt"

Die aktuelle IT-Services-Studie des Marktforschers IDC sorgt bei Raiffeisen Informatik (R-IT) für gute Laune. Die Nummer zwei unter den österreichischen Dienstleistern konnte den Abstand zu Marktführer SBS weiter verringern und entwickelte sich 2005 mit satten Umsatzsteigerungen deutlich besser als der Gesamtmarkt. R-IT-Chef Wilfried Pruschak erläutert im MONITOR-Gespräch seinen Erfolgskurs.

In einer Schlüsselbranche wie der IT braucht Österreich starke heimische Unternehmen. - Wilfried Pruschak, Geschäftsführer Raiffeisen Informatik

Alexander Hackl

IDC beschreibt Österreich als einen reifen Markt, in dem der Konkurrenzkampf die Preise drückt. Was machen Sie besser als die anderen?

Wir haben uns auf das Geschäftsfeld Outsourcing konzentriert. Nach dem Platzen der New-Economy-Blase ist in den Firmen das Bewusstsein zurückgekehrt, dass IT ein Rationalisierungsinstrument ist. Diese Kosten-Nutzen-Betrachtungsweise hat vor allem in Unternehmen mit hohem organisatorischen Reifeasgrad die Frage aufgeworfen: Kann mir diese Leistung ein Externer nicht schneller, effizienter, günstiger erbringen? Das hat ein neues Geschäftsmodell entstehen lassen. Im Grunde machen wir seit 35 Jahren Outsourcing für unseren Eigentümer. Die Grundidee war, dass sich die Raiffeisen Bankengruppe auf ihr Kerngeschäft konzentrieren kann. Seit 2001 holen wir uns auch massiv externe Kunden, denn professionelle IT ist branchenneutral. Wir wollen IT quasi aus der Steckdose liefern. Diesem Anspruch muss auf lange Sicht die ganze Branche gerecht werden.

Neuester Großkunde ist die Mannheimer Versicherung.

Nach der Übernahme der Mannheimer durch Uniqa hat eine Analyse ergeben, dass es wesentlich günstiger ist, das Rechenzentrum nach Wien auszulagern. Das kann durchaus Schule machen. Österreich hat hervorragende Standortbedingungen. ‚IT made in Austria' könnte zu einem internationalen Markenzeichen werden.

Laut IDC werden öffentliche Investitionen in den nächsten Jahren der Umsatztreiber bei IT-Services sein. Müssen Sie sich da nicht mehr engagieren?

Die Schwierigkeit ist, dass wir mit unseren Kernkompetenzen die gleichen Bereiche wie das Bundesrechenzentrum abdecken. Aber wir werden uns sicher strategisch mehr auf den öffentlichen Bereich konzentrieren. Das größte Wachstumspotenzial sehe ich aber derzeit im Gesundheitssektor.

Raiffeisen Informatik macht dreiviertel des Umsatzes mit Outsourcing-Services, spüren Sie die von IDC diagnostizierte Marktstagnation?

In einem kleinen Markt wie Österreich sind die Marktzahlen sehr projektabhängig - je nachdem, ob es gerade große Outsourcing-Deals gibt oder nicht. Über die letzten Jahre betrachtet hat Outsourcing das Wachstum getragen. Letztes Jahr hatten wir allerdings die stärksten Zuwächse in den Bereichen System Integration und Software Support und Installation.

Wird sich der Konsolidierungsprozess am Anbietermarkt fortsetzen?

Ich erwarte einen weiteren Konzentrationsprozess. Der Grund für unsere Öffnung für externe Kunden war die Erkenntnis, dass Unternehmen die nur im Captive-Bereich (für den Eigentümer, Anm.) tätig sind, über kurz oder lang in die Kostenschere kommen werden. Wir sind zum Wachstum verdammt. Die Frage ist: Wie schaffe ich neue Ertragspotenziale. 1999 hatten wir 300 Mitarbeiter und 300 Millionen Schilling Umsatz. Heute sind es 900 Mitarbeiter und 360 Millionen Dollar Umsatz - eine immense Produktivitätssteigerung.

Ihr größter Mitbewerb SBS könnte Ihnen gerüchteweise bald abhanden kommen - zumindest in der heutigen Form.

Persönlich und als Österreicher täte mir das leid. Zum Glück sind wir mit unseren rein österreichischen Eigentümern, der großen Wert auf Eigenständigkeit legt, diesem Räderwerk der Globalisierung nicht ausgesetzt. In einer Schlüsselbranche wie der IT braucht Österreich starke heimische Unternehmen.

Ist Ihr nächstes Ziel, Nummer eins zu werden?

Natürlich. Das wäre eine tolle Erfolgsgeschichte, als österreichisches Unternehmen in einer globalisierten Branche größter IT-Dienstleister zu sein. Die nächste Vision ist dann zwangsläufig die Internationalisierung. Wie schaffen wir es, diese österreichische Erfolgsgeschichte in ein grenzenloses Europa zu transponieren.


R-IT: Unternehmen & Markt

R-IT erwirtschaftete 2005 einen Gesamtumsatz von 285 Millionen Euro und hält damit bei einem Marktanteil von 10,4 Prozent: Mit fast 12 Prozent Wachstum entwickelte sich das Unternehmen neunmal stärker als der Gesamtmarkt, der nur ein mageres Wachstum von 1,3 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro verzeichnete.

Die meisten R-IT-Kunden kommen traditionellerweise vor allem aus dem Banken-, Finanz- und Versicherungssektor. Im öffentlichen Sektor ist Raiffeisen Informatik mit 11 Prozent Umsatzanteil eher unterdurchschnittlich vertreten. Zum Vergleich: Siemens Business Services (SBS) machen 36 Prozent ihres Umsatzes im öffentlichen Bereich.

Insgesamt stagniert der österreichische IT-Outsoucing-Markt. Zwar bleibt er mit 36,2 Prozent Anteil am gesamten IT-Services-Markt ein wichtiger Faktor, aber 2005 war mit 0,7 Prozent Wachstum alles andere als ein fettes Jahr: Konzentrationsprozess und erhöhter Wettbewerbsdruck haben IDC veranlasst, die geschätzte Wachstumsrate für den österreichischen IT Services Markt 2006-2010 von 6,7 auf 3,9 Prozent pro Jahr deutlich zu revidieren.

http://www.raiffeiseninformatik.at/

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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