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Hyperglobus

Eine Projektion von Welt

Im Hyperglobus dreht sich die Welt mittels Projektion von geodatenbasierten Darstellungen

Hyperglobus: Neue Visualisierung von Geodaten

Peter Matzanetz

Vor geschätzten fünftausend Jahren begann die Entwicklung geographischen Kartenwerks. Immerhin ist es der Menschheit in dieser Zeit gelungen, die Zeichnungen vom siliziumhaltigen Sand auf den Siliziumflachbildschirm verlagern zu können. Computerkarten werden heute ja bereits in vielen alltäglichen Bereichen eingesetzt. Beispielsweise in öffentlichen Verwaltungen oder in Navigationssatelliten kommen geographische Informationssysteme (GIS) zur Anwendung.

Wolfgang Kainz vom Institut für Geographie an der Uni Wien sieht aber bei entsprechender Bereitschaft noch etliche weitere Einsatzmöglichkeiten für digitale Geodaten: "Bei der Einführung neuer Technologien gilt es, ein Klima der Motivation und Offenheit zu schaffen".

Und die Erde ist doch rund

Eine Entwicklung in diesem Sinn wurde dieser Tage an seinem Institut vorgestellt. Andreas Riedl forscht dort mit einem Team von bis zu fünf Personen an der Entwicklung von Hypergloben. Dabei handelt es sich um den Sprung der computerisierten Kartendarstellungen vom zweidimensionalen Bildschirm auf ein Globusmodell. Wenn es nach dem Geographen Riedl geht, hat in ferner Zukunft jeder Haushalt eine virtuelle Erdkugel daheim stehen. Der US-amerikanische Auftraggeber, für den erste praktische Anwendungen entwickelt wurden, schätzt die Erfahrung des Wiener Institutes im Bereich der Globenforschung. Hier hatte man dann auch den europaweit ersten Hyperglobus stehen. Dieser funktioniert so, dass mit Hilfe von Projektoren und Prismen ein Bild auf der Innenseite einer spezialbeschichteten Acrylglaskugel erzeugt wird.

"Der Hyperglobus verhält sich im Gegensatz zu analogen Globen nicht passiv", sieht Entwickler Riedl die neue Darstellungsform im Vorteil. Die Kugel wird natürlich nicht mehr angeschubst, um sich um die eigene Achse zu drehen, wie ein herkömmlicher Globus. Die Bewegung simuliert der Computer, ebenso wie die dynamische Veränderung der Darstellungsinhalte. Am besten eignet sich so eine Kugelprojektion zur Visualisierung von globalen Phänomenen im zeitlichen Ablauf. Das kann von einfachen Prozessen wie Tag-Nacht-Verlauf rund um die Erdkugel bis hin zur Erderwärmung reichen. Die bisherigen Anwendungen sind allerdings recht profaner Natur. Weltweit operierende Unternehmen nutzen den Spezialglobus für Repräsentations- und Werbezwecke. Eine Reederei lässt sich beispielsweise so in Echtzeit die aktuellen Aufenthaltsorte ihrer Schiffe auf den Ozeanen anzeigen.

Den Lauf der Welt besser erkennen

Der hohe Preis so eines Systems von 50.000 bis 150.000 Euro verhindert vorerst eine weite Verbreitung der Entwicklung. Je größer das Globusmodell, desto teurer ist die Anschaffung. Eineinhalb Meter Durchmesser haben die größeren zum Einsatz kommenden Glaskugeln. Den sollten sie allerdings auch haben, will man eine halbwegs beeindruckende optische Wirkung erzielen. In Zukunft stellt sich Riedl vor, mit dieser Idee die Vorstellungswelt der Schüler an höheren Schulen erhellen zu können: "Hier kann sich so eine Anschaffung gut amortisieren und einer breiten Gruppe zugänglich gemacht werden".

Noch sind die Möglichkeiten der neuen Entwicklung lange nicht ausgereizt und auf der Uni Wien denkt man schon weiter. Mit räumlichen Analysen lässt sich das Modell grundsätzlich gut koppeln und auch interaktive Einsatzmöglichkeiten sind in Überlegung. Mit der eigenen Hand wird man dann "in den Lauf der Welt" eingreifen können oder mit dem Finger eine Reise um den Globus zu tun. "Analoge Landkarten wird es nur mehr ein paar Jahrzehnte geben", sieht der auf der Dresdner TU engagierte Kartograph Manfred Buchroithner in derartigen Entwicklungen die Zukunft. Sogar Darstellungen, die holographisch im Raum schweben, wie man es aus Science-Fiction Filmen kennt, werden von den Experten in Zukunft für möglich gehalten. Bis dahin wird man wohl weiterhin auf den kleinen bunten Globus aus dem Regal zurückkommen, um zu sehen, wo die Weltreise hingehen soll. Der leuchtet aber immerhin auch.

Dipl.-Ing. Peter Matzanetz ist Raumplaner und freier Journalist.

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MONITOR-Autoren
Alexander Hackl

Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. ..mehr..

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