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Wirtschaft

Private Equity

Beteiligungskapital: Erfolg verpflichtet

Der österreichische Beteiligungsmarkt kann auf ein gutes Jahr 2005 zurückblicken. Es wurde mehr Geld in mehr Unternehmen gesteckt. Für weitere Investitionen sind die Fonds gut gefüllt, denn die österreichischen Private Equity Geber konnten mit 217 Mio. Euro das Fundraising im Vergleich zu 2004 um 78% steigern. Nun gilt es, geeignete Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum zu schaffen.

Christian Henner-Fehr

Fangen wir mit den Zahlen an. Sie sind erfreulich und zeigen, dass Private Equity in Österreich weiter wächst. So wurden im letzten Jahr 143 Mio. Euro in 172 Unternehmen investiert. Dem High-Tech Segment der österreichischen Wirtschaft sind dabei fast 52% oder 74 Mio. Euro der Gesamtinvestitionen zuzurechnen. Besonders gut schneiden die Informations- und Kommunikationstechnologien mit einem Anteil von rund 38% ab.

Noch wesentlich rasanter als die Investitionen hat sich 2005 die Mittelbeschaffung für zukünftige Beteiligungen entwickelt. Konnten die österreichischen Private Equity Geber 2004 nur rund 122 Mio. an frischem Kapital für ihre Beteiligungsfonds einwerben, waren es 2005 immerhin fast 217 Mio., was einem Zuwachs von etwa 78% entspricht.

Ein stolzer Zuwachs, allerdings sind die Zahlen für den europäischen Markt noch imposanter, denn dort konnten die 27,5 Mrd. Euro von 2004 um mehr als das 2,5-fache auf 71,8 Mrd. Euro gesteigert werden. Rosige Aussichten also für den europäischen beziehungsweise österreichischen Beteiligungsmarkt? Gerhard Fiala bejaht diese Frage. Der Gründer der unabhängigen Venture Capital Gesellschaft PONTIS Venture Partners (www.pontisventure.at) weist aber darauf hin, dass das hohe Fundraising-Aufkommen auch mit dem Auflegen neuer Fonds zu tun hat. "Das Geld muss für zehn Jahre reichen", tritt er auf die Euphoriebremse.

Die hohen Summen, die in den Private Equity Markt fließen, sind aber nicht nur eine Auszeichnung für die Arbeit der Vergangenheit, sie bedeuten zugleich eine gewaltige Herausforderung für die Zukunft. Die Investoren erwarten sich hohe Renditen, nur deshalb sind sie bereit, ihr Geld in den Private Equity Bereich fließen zu lassen. Aber mit den höheren Summen steigt auch der Druck auf die Manager der Beteiligungsfonds. Die Fondstöpfe sind gut gefüllt, jetzt geht es darum, Investments zu finden. Keine leichte Aufgabe, denn nicht jedes Unternehmen komme dafür in Frage, so Fiala. "Venture Capital ist primär etwas für wachstumsorientierte und international ausgerichtete Unternehmen", nennt der Mitbegründer und frühere Vorstandsvorsitzende der AVCO (www.avco.at), der Dachorganisation der österreichischen Beteiligungskapitalindustrie, die wichtigsten Kriterien.

Die Eigenkapitalstruktur muss gestärkt werden

Volkswirtschaftlich gesehen ist das eine Entwicklung, die einem Land wie Österreich nur nutzen kann. In Zeiten von Basel II wird es für die Unternehmen immer schwerer, an Kredite, und damit an Fremdkapital zu kommen. Nicht ohne Grund spricht Fiala in diesem Zusammenhang von einem Kulturwandel, der hier nötig ist. Jahrzehntelang war es üblich, dass die Firmen mit der Hilfe von Bankkrediten gewachsen sind. "Heute müssen wir aber die Eigenkapitalstruktur stärken", erklärt er den grundsätzlichen Wandel. Vor allem Unternehmen, die sich in der Gründungs- oder Start-up-Phase befinden, verfügen nicht über die notwendigen Sicherheiten, um an Fremdkapital zu gelangen. Gerade sie sind aber für die österreichische Wirtschaft so wichtig, wie der Vortrag von Michael Peneder vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (www.wifo.at) auf der diesjährigen AVCO-Tagung gezeigt hat. Peneder präsentierte erste Zwischenergebnisse einer Studie, die die Wirkung von Private Equity (PE) und Venture Capital (VC) auf Innovation und Wachstum von Unternehmen untersucht. Die empirischen Daten zeigen, dass VC finanzierte Unternehmen nicht nur ein höheres Umsatzwachstum aufweisen als Unternehmen ohne Eigenkapitalbeteiligung, sondern darüber hinaus der Umsatzanteil von Produktinnovationen auch höher ausfällt.

Auf die Innovationskraft dieser Unternehmen ist die österreichische Wirtschaft angewiesen, will sie den Strukturwandel erfolgreich gestalten. Sie sind es, die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in marktwirtschaftliche Erfolge umsetzen. Und die Zahl der Erfolgsstories steigt. Diese Erfolge brauchen aber auch die Beteiligungsunternehmen. Und Erfolg heißt für sie, dass sie die Beteiligung an dem Unternehmen, in das sie investiert haben, möglichst gewinnbringend verkaufen. Dabei gibt es verschiedene Exitmöglichkeiten. Da ist auf der einen Seite das Biotechunternehmen Intercell (www.intercell.com) zu nennen, das an die Börse gebracht wurde. Eine andere Möglichkeit ist der Verkauf an einen strategischen Partner, wie etwa die Übernahme von Inode (www.inode.at) durch die UPC Austria (www.upc.at).

Etwas anders sind die Erfolgsgeschichten von UC4 (www.uc4.com) und von Jajah (www.jajah.com). Die UC4 Software GmbH gehört nun dem international tätigen Private Equity Unternehmen Carlyle Group (www.thecarlylegroup.com) und versucht mit der Hilfe des neuen Eigentümers verstärkt in internationale Märkte vorzudringen. Diese Transaktion ist auch ein Erfolg für Gerhard Fiala, war es doch mit PONTIS Venture Partners sein Unternehmen, das den Deal gemeinsam mit allen weiteren Gesellschaftern eingefädelt und erfolgreich über die Bühne gebracht hat. Die Entwicklung von UC4 betrachtet er als typisch für ein wachstumsorientiertes Unternehmen, das auf Venture Capital setzt. Vor allem der erste Geldgeber werde im regionalen Umfeld gesucht, erzählt Fiala, "denn die geografische Nähe wichtig, um sich kurzfristig abstimmen zu können." Mit dem Verkauf an den international tätigen Investor beginnt für UC4 nun der nächste Wachstumsschritt.

Aber auch die internationale Syndizierung wird immer mehr zunehmen, ist sich Fiala sicher. "Möchte man in fremde Märkte gelangen, sucht man Co-Investoren aus der jeweiligen Region." Gleich ins kalte Wasser gesprungen und nach Ansicht von Fiala eher untypisch für Österreich vorgegangen ist der VoIP-Anbieter Jajah. Das Unternehmen steht in Konkurrenz zu Skype und hat sich sofort international ausgerichtet. Mit den amerikanischen IT-Investoren Sequoia Capital (www.sequoiacapital.com) und Globespan Capital Partners (www.globespancapital.com) konnten zwei bekannte Partner ins Boot geholt werden, die Unterstützung leisten sollen bei der Eroberung der Märkte in Asien und den USA.

Viel Aufklärungsarbeit ist nötig

Für Fiala, sein Team und auch alle anderen PE und VC-Gesellschaften besteht die Herausforderung darin, diese zukünftigen Highflyer zu finden. Denn es ist nicht so, dass nur potenzielle Unternehmensgründer sich auf die Suche nach einem Investor machen, ganz im Gegenteil. "Bei den meisten Deals geht die Aktivität von uns aus", stellt Fiala klar. Wie aber kommt man zusammen? Ein Problem: "Viele kennen die Finanzierungsinstrumente nicht", so Fiala. Aufgabe ist es also, das Thema Risikokapital an den Universitäten und in Unternehmenskreisen zu verankern und zu informieren. "Wir müssen aber darüber hinaus auch Überzeugungsarbeit leisten, sowohl sachlich als auch emotional", ist sich Fiala sicher. Viele Unternehmer haben ein Problem damit, ihr "Baby" mit jemandem zu teilen und nicht mehr die alleinige Verfügungsgewalt darüber zu haben. Viel Aufklärungsarbeit ist hier also noch nötig.

Aber auch der Staat muss seine Aufgaben erledigen. So hat die AVCO wiederholt darauf hingewiesen, dass bei den rechtlichen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf besteht. Die Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft, in Österreich die übliche Rechtskonstruktion für Private Equity Fonds läuft nämlich Ende 2006 aus. Alternative Rechtsstrukturen sind derzeit noch nicht verfügbar. Auch die EU drängt, denn die Experten in Brüssel sind der Ansicht, dass die derzeitige Regelung nicht mit dem EU-Beihilferecht in Einklang steht.

Trotz guter Zahlen gibt es also jede Menge Hausaufgaben. Und es liegt an den verschiedenen Playern in diesem Bereich, sie zu erledigen. "So erreichen wir eine Multi-Win-Situation, von der alle profitieren können", wünscht sich Fiala für die Zukunft. Und hofft nach dem Erfolg mit UC4 natürlich auch auf den nächsten erfolgreichen Exit.

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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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