Christine Wahlmüller
Der Innovationsschub ist da: Mit der Turbo-Technologie HSDPA (High Speed Downlink Packet Access), mit leistungsfähigen Endgeräten und Applikationen verbreitet sich die Erkenntnis, dass die mobile Kommunikation für Unternehmen sehr viel wert ist. Arbeiten überall zu jeder Zeit, damit verbunden Flexibilität und nicht zuletzt Kosteneinsparungen sind mit dem Einsatz intelligenter mobiler Lösungen für Unternehmen möglich. So versprechen es zumindest die Analysten, zuletzt in einer aktuellen Studie von der Unternehmensberatung Arthur D. Little in Kooperation mit Ericsson.
"Die UMTS-Frustationswelle ist damit überwunden", meint Mehdi Schröder, Sales Direktor bei Ericsson Deutschland. "Mit UMTS kommt die richtige IP-Welt auch bei der mobilen Kommunikation und bringt zusätzliche Schubkraft", verweist Arno Wilfert, Berater bei Arthur D. Little Deutschland auf den Faktor Konvergenz, der in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Mobile Enterprise Solutions können helfen, Kosten zu sparen, heißt es in der Studie, insbesondere durch den Wegfall der (Festnetz-)Hardware beim Wechsel zu einer mobilen Lösung.
Dankbar dafür sind die Mobilfunkbetreiber, auch in Österreich. Alle vier wissen, dass es jetzt der Faktor Mobilität ist, der zählt. "Mobile Office ist bereits Realität geworden - der Trend in diese Richtung zeigt sich ganz klar: Ende Juni diesen Jahres zählten wir bereits 100.000 verkaufte Datenkarten. Auch BlackBerry erfreut sich großer Beliebtheit. Das Gesamtpotenzial für BlackBerry-fähige Devices ist enorm, da sich durch deren Einsatz die Effektivität der Unternehmensabläufe erheblich steigern lässt", betont Alexander Sperl, Marketing Direktor beim Marktführer mobilkom, der zwei Drittel der Businesskunden unter Vertrag hat. Sperl bezeichnete das Handy wörtlich als "Schweizer Taschenmesser der Kommunikation", womit die Weichen für die Zukunft für die Mobilfunker gut gestellt sind.
Mit HSDPA bringt die mobilkom einen gehörigen Innovationsschub. Mit dem neuen 3,6 Mbit/s fähigen USB-Modem war bereits vor dem Sommer gestartet worden. Im August hat die mobilkom dann die mobile Vodafone Breitbandkarte 3,6 auf den Markt gebracht. Neu ist zum Beispiel auch Microsoft Exchange 2003 für die Nutzung von E-Mails in Push-Technologie sowie die kabellose Synchronisation von Kalender und Kontakten.
Individuallösungen gefragt
Mobiles Büro und individuelle Prozesslösungen - das sind die Trends, die man bei T-Mobile sieht. Neben der mobilen Erreichbarkeit (Voice) sind auch Datenkarten, vollautomatische mobile E-Mail-Lösungen oder mobile Zeiterfassungssysteme für Mitarbeiter, HomeOffice-Lösungen oder Flottensteuerungen gefragt. "Viele Unternehmen erkennen die Möglichkeiten durch mobiles Arbeiten das Zeitmanagement der Mitarbeiter zu verbessern und somit einen wesentlichen Teil zur "Work Life Balance" beizutragen", streicht Jürgen Gruber, Business Marketing T-Mobile, den positiven Effekt der mobilen Kommunikation hervor. Kehrseite der Medaille: Die Immer-Erreichbarkeit bringt auch Stress für Mitarbeiter. Hier sind die Unternehmen gefordert, die Möglichkeiten, die mobiles Arbeiten birgt, optimal und sinnvoll zu nutzen. Der Run ist jedenfalls da, Verkaufsschlager sind laut Gruber derzeit u.a. der BlackBerry8700g, die HSDPA-Datenkarte ("web´n´walk card") und die Nokia 9300 Edition. Festnetzersatz sowie Machine-to-Machine-Lösungen werden von den Businesskunden ebenfalls als wichtig erachtet. Neu im Angebot bei T-Mobile ist seit August das MDA Vario II, das erste HSDPA-fähige Smartphone.
Ein Trend, den auch Michael Fried, Geschäftsführer Marketing & Sales bei One, sieht: "Ob mobiles Senden und Empfangen von E-Mails oder der mobile Zugriff auf Firmennetzwerk und -daten, immer mehr Unternehmen statten ihre Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten wie Smartphones, PDAs oder UMTS/HSDPA-Datenkarten für die Nutzung von mobilem Breitband aus." Fried prognostiziert schlechte Zeiten für Festnetzanbieter: "Im Telefoniebereich gibt es eine starke Nachfrage nach Lösungen, die eine vollständige Ablöse der Festnetz-Telefonie ermöglichen". One bietet dazu die mobile Nebenstellenanlage, "derzeit das erfolgreichste Business-Produkt", so Fried. Weiters steigt die Nachfrage nach Mobile Office-Lösungen. One setzt auf Kooperationen: Gemeinsam mit Microsoft und eTel/Eunet wird beispielsweise "Outlook am Handy" angeboten, eine Lösung, die sich an Unternehmen ohne eigenen Exchange Server richtet.
Optimismus bei "3"
Auch der kleinste Anbieter in Österreich, Hutchison ("3") ist, trotz minimalem Marktanteil bei Businesskunden, optimistisch. "Wir sehen die Entwicklung äußerst positiv, da mit einer Verbesserung des Wirtschaftsklimas die Investitionsbereitschaft steigt. Nach dem Thema Kostensenkung der letzten Jahre ist jetzt wieder Raum für Ausgabe zur Verbesserung der Kommunikationsinfrastruktur, vor allem im kleinen und mittelständischen Unternehmen", freut sich Berthold Thoma, CEO von "3". Das ist auch die angepeilte Zielgruppe. "Der Bereich mobiles Arbeiten hat hier ein riesiges Potenzial", ist sich Thoma sicher, folglich "ist die Nachfrage nach mobilem Breitband über HSDPA sehr groß."
Grund genug für die kapitalstarken Asiaten, mit vollem Einsatz am Aufbau eines HSDPA-fähigen, mobilen Breitband-Netzes für ganz Österreich zu arbeiten. Eine Herausforderung, mit der "3" nicht alleine da steht. Die Errichtung der Hochleistungsnetze für mobiles Breitband ist bei allen Anbietern voll im Gange. Drei weitere Bereiche sind laut Thoma im Moment bei "3" stark nachgefragt: Zugriff auf E-Mails (Synchronisation, Abfrage, Push), erstklassige Endgeräte mit PDA-Funktionen sowie firmeneigene, individuelle Lösungen, wie der Zugriff auf das Firmennetzwerk oder regelmäßige Infos über Kundenzahlen, Preisänderungen und dergleichen mehr.
Probleme der Branche
"Die Verschmelzung von Mobilfunk, IT und PC-ähnlichen Endgeräten stellt große Anforderungen an Beratung, Vertrieb und Service, überfordert aber teilweise den Endkunden", gibt Thoma zu bedenken. Tatsache ist, dass gerade viele KMUs vor Neuerungen im IT-/Telekom-Bereich zurückschrecken. Viele KMUs betreiben zum Beispiel nach wie vor ein langsames Einwahlmodem (!) für die Internetnutzung. Thoma ortet aber noch ein weiteres Problem: "Die hohen Roaming-Preise für Daten sind prohibitiv für mobiles Arbeiten im Ausland". So weit sind aber viele Unternehmen ohnehin noch nicht. "Viele Kunden erkennen und nutzen die Möglichkeiten noch nicht, Mobilfunk für ihr Unternehmen optimal zu nutzen", glaubt Jürgen Gruber von T-Mobile, insgesamt müsse man daher in diesen Bereichen verstärkt erst einmal Aufklärungsarbeit leisten.
Die Herausforderung dabei: Den Kunden verstehen und eine adäquate Lösung anbieten oder wie Michael Fried von One es ausdrückt: "Es gilt grundsätzlich, die Technik an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen und nicht umgekehrt, das heißt etwa einfach verständliche Anwendungen zu schaffen oder leicht zu bedienende Endgeräte anzubieten, die auch Nicht-Technikern den Einstieg in die mobile Arbeitswelt ermöglichen". Bei allem zur Schau gestellten Optimismus der Anbieter: Klar ist, dass der österreichische Markt, weil auch größenmäßig eher klein, von den vier Anbietern heiß umkämpft ist. Recht entspannt sieht nur Platzhirsch mobilkom die Lage: "Wir betrachten den intensiven Wettbewerb als Chance, uns auch weiterhin durch Innovation, Service und Qualität vom Mitbewerb zu differenzieren", sagt Marketing Direktor Alexander Sperl. Für den Herbst stehen bei der mobilkom drei Schwerpunkte fest: Voice, mobile Datendienste und mobile Mailing. Stolz ist Sperl auf die umfassenden Serviceleistungen für Businesskunden. "Jeder Business-Kunde hat seinen persönlichen Betreuer - unabhängig von der Größe des Unternehmens", betont Sperl.
Herbst-Strategien
Beim Marktzweiten, T-Mobile, steht der Herbst ganz im Zeichen von "Mobilem Internet", damit wird ganz klar auch der Festnetzersatz angestrebt. Neue Hardware, wie das Nokia E61 oder der MDA Vario II sollen den Businesskunden den Weg dahin schmackhaft machen. HSDPA wird der Herbst-Renner, heißt es bei allen vier Anbietern. Neben dem Netz-Ausbau geht es natürlich auch darum, die Kunden mit entsprechender Hardware zu versorgen. So plant T-Mobile, im Herbst weitere Notebooks mit integrierten HSDPA-Datenkarten auf den Markt zu bringen. Der Markt für Großkunden ist aufgeteilt, die großen Unternehmen sind auch meist nicht sehr willig, ihren Anbieter zu wechseln.
Großes Potenzial gibt es dafür noch bei den kleineren und mittleren Unternehmen, die erst jetzt beginnen, zu erkennen, was mit dem Faktor Mobilität alles möglich ist beziehungsweise. sein könnte. "Wir werden uns noch stärker den kleinen Kunden widmen", hat sich Michael Fried von One eine klares Ziel für die nächste Zukunft gesetzt. Auch sie benötigen maßgeschneiderte Lösungen im Voice- und Datenbereich. Die Strategie von "3" setzt ebenfalls auf den KMU-Markt: "Wir fokussieren auf mobilem Breitband via HSDPA, Endgeräte speziell für den Businessmarkt und ein noch stärkeres Team für die Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen", bekräftigt "3"-CEO Berthold Thoma. Die nächsten Monate werden jedenfalls höchst turbulent sein, für die Mobilfunkanbieter und auch die Kunden: Es lohnt sich, den Markt gut zu beobachten und zu vergleichen. Einerseits, um technisch up to date zu bleiben, und andererseits, um für eine bestehende oder neue Business-Lösung nicht zu viel zu bezahlen.





7/2011
6/2011
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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 