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Instant Messaging im Businesseinsatz

Chat-Fenster werden erwachsen

Von den Desktops vieler Millionen Privatanwender kommend, erobert Instant Messaging nun Unternehmen. Die Nutzung im Business hält ein sattes Bündel an Vorzügen bereit - ein entsprechendes Sicherheitskonzept vorausgesetzt.

Alexandra Riegler

Jeden Tag düsen laut einer IDC-Erhebung 12 Mrd. Sofortnachrichten - Instant Messages - durchs weltweite Netz und die Tendenz ist munter steigend. 82 Mio. User waren zuletzt allein in Europa via Instant Messaging (IM) über Dienste wie ICQ, Microsofts Messengers, Skype, Yahoo! Messenger oder Google Talk erreichbar.

Mittlerweile kommen auch Unternehmen auf den Geschmack von IM-Applikationen, immerhin können sich die Vorzüge sehen lassen. Nicht nur lassen sich Informationen im Handumdrehen an Mitarbeiter, und je nach Anbindung, auch an Partnerunternehmen oder Kunden verteilen. Auch ist die Sprache knapper gehalten als in E-Mails, was für zusätzliche Effizienz sorgt. IM ist dabei nicht nur schneller als die klassische elektronische Post, es erreicht die Adressaten auch direkter: Ein Fenster stellt die Nachricht direkt am Desktop zu.

Dass persönliche Unterhaltungen damit endgültig vorbei sein sollen, lässt sich widerlegen: Weil die so genannte Buddy-Liste auf einen Blick zeigt, ob jemand im Büro erreichbar ist, enden viele Chat-Unterhaltungen in einem gezielten Telefonat. Nicht von der Hand zu weisen sind jedoch sinkende Telefonkosten, da sich Vieles bereits via IM klären lässt.

Vernachlässigte Sicherheit

Während IM seine Territorium ausweitet und etwa dafür benutzt wird, Kunden näher ans Unternehmen zu binden, erfährt die Sicherheit stiefkindliche Behandlung. Nach Erhebungen der Technologiemarktforscher der Radicati Group haben lediglich 11 Prozent der Unternehmen, die IM, wenn nicht selbst verteilt haben, es zumindest dulden, keine weiteren Sicherheitslösungen im Einsatz. Dabei verwenden laut Studien der Analysten von Osterman allein in Nordamerika 93 Prozent der Firmen irgendeine Art von IM. "Die Mehrheit der Firmen verwenden tatsächlich kein Sicherheitssystem mit IM, auch haben die meisten keine Policys, die den sachgerechten Einsatz vorschreiben", so Michael D. Osterman, Gründer und Präsident von Osterman Research, einem Marktforschungsunternehmen für Internet-Kommunikation.

Und die Gefahr nimmt zu: "Die Zahl der Würmern, Viren etc. im IM-Umfeld ist 2006 um den Faktor 20 angestiegen", Osterman weiter. Auch in Anbetracht der niedrigen Ausgangsbasis, zeichnet dies eine mehr als deutliche Entwicklung.

Unreguliertes IM öffnet die Firewall und gefährdet so die Assets des Unternehmens. In Zeiten von Sarbanes Oxley und Basel II drohen angesichts unzureichender Abriegelung der IT auch regulatorische Konflikte. Experten raten Firmen daher, IM-Applikationen, gleich wie den E-Mail-Verkehr, zu sichern und zu kontrollieren - einerlei, ob IM bloß geduldet oder empfohlen wird. Stärker als bei E-Mail, wo berüchtigte Viren wie etwa Love Benutzer vorsichtig werden ließen, lauert die Gefahr hinter der Vertrautheit: Wer eine Sofortnachricht losschickt muss auf der "buddy list" des Empfängers ein bestätigter Kontakt sein. "B wird davon ausgehen, dass Nachrichten von A zu trauen ist und dies macht es viel einfacher, etwa Würmer zu verbreiten", verdeutlicht Osterman die Gefahr.

Business-Lösungen

Um den Anforderungen im Geschäftsleben zu entsprechen, die von Integration bis hin zu penibler Datensicherheit reichen, empfiehlt sich der Griff zu Business-Lösungen. Der Schritt einiger Internet-Riesen in Richtung Interoperabiliät, darunter Google und AOL, treibt auch die Business-Lösungen voran. America Online (AOL) etwa, mit seinen nach eigenen Angaben mehr als 70 Mio. Benutzern, hält neuerdings eine Business-Version seines Instant Messangers (AIM) bereit. Gemeinsam mit WebEx bietet man - zunächst nur in den USA - das gehostete und gesicherte Messaging-Service AIM Pro an. Laut Gartner wendet sich AOL damit an die Massen noch IM-loser Unternehmen. Das Verkaufsargument: Die riesige Ausdehnung des AIM-Netzwerkes. Tatsächlich erkennen die Gartner-Analysten eine Tendenz auch im Geschäftsleben Consumer-orientierte Produkte zu verwenden, da sie einfach einzusetzen sind und gleichzeitig Zugang zu Millionen Nutzern eröffnen.

Marktführer im Business-IM-Segment ist IBM mit der Lotus-Applikation Sametime. Die Installation der Anwendung Ende der 90er-Jahre löste zunächst bei Lotus und später bei IBM einen Schneeballeffekt aus.

Heute wird dem Kunden gleich eine Case Study besonderer Größenordnung mitgeliefert: 300.000 User arbeiten bei Big Blue weltweit mit der hauseigenen Applikation, jeden Tag gehen so rund 4 Mio. Chat Messages übers Netz. "Hinzu kommen pro Woche mehr als 5.000 externe Kunden-User, die an dem Spiel teilnehmen", schmunzelt Andreas Res, Presales IT Specialist für Lotus Software. Damit trotz begeisterter Benutzung alles schön geregelt bleibt, rät Res gute Vorbereitung an. IM-Lösungen bergen durch die ständige Verfügbarkeitsdarstellung ihrer Nutzer Gefahren der Überwachung. Bei IBM selbst regle eine Mitarbeitervereinbarung, dass Sametime nicht als Mittel zur Kontrolle gebraucht werden dürfe, so Res.

Viel beachtet im neuen Sametime-Release 7.5 ist die Unterstützung einiger Microsoft Office-Funktionalitäten, was frische Impulse für den Collaboration-Markt erwarten lässt. Der Kampf um die Kunden, die am liebsten nur noch ein Programm verwenden würden, um weltweit zu kommunizieren, hat man bei Microsoft zuletzt eine Verständigung zwischen dem Windows Live Messenger und Yahoo! Messenger angestoßen.

Und auch Skype mit seinen laut Chief Security Office Kurt Sauer über 113 Mio. Kunden bietet seit Frühjahr "Skype for Business" an. Maßgeschneidert ist die Lösung für kleinere Unternehmen, die die Vorzüge der zentralisierten Organisation von Skypes Prepaid-Diensten schätzen.

Relativierte Geschwindigkeit?

Zuletzt galt im E-Mail-Verkehr eine Antwort innerhalb von 24 Stunden als angemessen. Diese Zeiten könnten mit dem viel zeitkritischeren Instant Messaging vorbei sein. Und auch wieder nicht, denn auch Spammer haben ihr nächstes Ziel bereits ausgemacht.

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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