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Hard & Software

Andreas' Techwatch

PC-Eingabe auf Papier statt "wie auf Papier"

Der iO2-Pen schafft dank natürlicher Arbeitsweise, was Tablet PC und Co. nicht schaffen, nämlich selbst Sauklauen digitale Informationen zu entlocken.

Andreas Roesler-Schmidt

Es ist ja ein alter Traum aller Computerbenützer, auf natürliche Weise mit dem PC zu kommunizieren - und nur allzu oft verspricht die Industrie genau das, in der Hoffnung auf Absatz von Produkten, die diesem Versprechen nicht gerecht werden können.

Da wäre die Spracherkennung, die die meisten User (von Branchenanwendungen, in denen sie gut funktioniert abgesehen) nach kurzer Zeit nicht mehr verwenden, weil entweder das Training oder die Korrektur der "erkannten" Texte einfach zu umständlich sind. Oder da wäre der Tablet PC - dessen Handschrifterkennung von den im Vergleich hohen Erkennungsraten der Spracherkennung nur träumen kann und in der Praxis so gut wie wertlos ist. Das liegt aber nicht nur an der Erkennung selbst, sondern zu gutem Teil auch daran, dass es eben nicht so natürlich ist, wie von den Herstellern suggeriert, mit einem Plastikgriffel auf einer Plastikoberfläche zu schreiben - das verhält sich nun mal anders als Papier. Was bei diesem System herauskommt, würden oft auch die Verfasser selbst nicht lesen können.

Insofern liegt die Idee hinter Logitechs iO2-Pen nahe: Man schaltet viele Hindernisse bei der Erkennung einfach aus, indem man den User auf richtigem Papier schreiben lässt - mit einem richtigen Kugelschreiber. Soweit so old-school und low-tech (was kein Nachteil ist, denn immerhin hat man ja ein analoges "Backup" auf echtem Papier). Der Clou ist natürlich die im Stift integrierte Kamera, die alles mitfilmt, was der User schreibt. Das funktioniert allerdings nur auf dem Spezialpapier, das mit Tausenden kleinen grauen Pünktchen zur Orientierung für die Kamera ausgestattet ist. So kann sich diese alle Schriftzüge merken und dann per USB-Dockingstation an den PC übertragen. Dort archiviert die Software die Notizen und leitet sie zur Weiterverarbeitung per Mail, Word oder für Grafiken auch in Bilddateien weiter.

Das erstaunliche dabei ist: Sogar mit meiner Handschrift, die sich im unkenntlich sein für Handschrifterkennungssysteme wohlverdient gemacht hat, ist die Erkennungsrate dabei erstaunlich hoch. Ich konnte zwar einen spürbaren Unterschied zwischen jenen Notizen, die ich testweise in aller Ruhe am Schreibtisch gemacht habe und jenen die unter Zeitdruck etc. unterwegs im Echteinsatz gemacht wurden feststellen. Aber selbst aus letzteren Notizen kann man noch eine brauchbare Menge an Text rausholen, um die notierten Infos schnell per Mail zu verschicken. Erst recht reicht es für denjenigen, der Notizen nur archivieren will, denn ein paar passende Stichworte werden immer erkannt und machen das handgeschriebene Dokument über ein eigenes Plugin in der Google Desktop-Suche auffindbar. Wünschenswert wären hier weitere Plugins für andere Such-Tools, die weniger grob mit dem Datenschutz umgehen.

Der iO2 Pen selbst schaut zwar neben gewöhnlichen Kugelschreibern recht klobig aus, ist aber ausreichend ergonomisch gestaltet, um längeres, bequemes Schreien zu erlauben. Wenn man sich diverse Shortcuts merkt, kann man daneben durch handschriftliche Markierungen am Papier gleich Abschnitte als E-Mail, ToDo-Liste etc. definieren - dann spart man sich diese Nachbearbeitung am PC. Bis zu 25 Seiten speichert der Stift ab und gibt sie auf Wunsch auch nur mit Passwort wieder her. In der Praxis schien dies zu reichen, aber ich könnte mir dennoch ein paar kleine Verbesserungen vorstellen. So ist die Dockingstation zwar durchaus klein, auf Reisen jedoch wäre es noch besser, wenn der Stift am hinteren Ende einfach einen USB-Stecker integriert hätte, um Daten gleich von unterwegs verschicken zu können und ihn auch aufzuladen.

Dann ist da noch das Papier. Ich sehe ja ein, dass das Spezialpapier für die Erkennung notwendig ist (obwohl der Clou natürlich ein Stift wäre, der unabhängig vom Untergrund arbeiten). Aber das Geschäftsmodell dahinter erinnert überspitzt ein wenig an (billige) Tintenstrahler und (teure) Patronen. Der Stift ist durchaus nicht allzu teuer (ca. 130 Euro), wer ihn viel nützt wird aber häufig das Spezialpapier nachbestellen müssen. 100 Seiten A4 Notizblock kosten ca. 6 Euro. Damit kommen quasi analog den Druckkosten "Schreibkosten" dazu. Zugegeben sind das natürlich für jeden, der den Stift sinnvoll einsetzen kann, vertretbare Kosten, aber doch höher als normales Papier. Ich selbst finde den Stift jedenfalls in allen Situationen, in denen ein Notebook unbequem wäre, eine digitale Mitschrift (und dazu zählen ja auch Skizzen) aber dennoch fein, hervorragend. Jetzt fehlen nur noch meine geliebten kleinen Moleskine-Notizbücherl in einer Version für den iO2-Pen.

www.logitech.at

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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