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Einsparungspotenzial IT-Konsolidierung

Konzepte und Projekte

Eingesetzte IT-Infrastrukturen und IT-Applikationen sind in der Praxis oft organisch gewachsen. Über viele Jahre hinweg ist so in Unternehmen und Verwaltungen eine umfangreiche IT-Anwendungslandschaft basierend auf sehr unterschiedlichen Technologien, Entwicklungsparadigmen und Werkzeugen entstanden.

Angebotene und implementierte IT-Systeme weisen immer umfassendere Funktionalitäten auf und unterliegen raschen Entwicklungszyklen. Hinzu kommt, dass überall Redundanzen auftreten: in der Datenarchitektur, den Schnittstellen, der Funktionsabdeckung der Anwendungen und bei der Ausstattung mit Technologieplattformen. Zu viele Softwaretools decken identische Funktionen ab. So ist es nicht verwunderlich, dass die Anzahl und die Komplexität von Schnittstellen zwischen Anwendungen vielfach außer Kontrolle geraten sind. Im Ergebnis ist eine Vielzahl von komplexen IT-Anwendungen auf unterschiedlichen Technologieplattformen vorhanden.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass die IT-Anwendungslandschaft äußerst komplex ist und häufig überdimensionierte Lösungen und überflüssige Funktionalitäten enthält. Aufgrund der Ist-Situation in der IT-Praxis ergeben sich für die IT-Verantwortlichen - so zeigen auch verschiedene Studien - zahlreiche Problemfelder-

Fehlender Überblick durch hohe Komplexität: Aufgrund der über viele Jahre gewachsenen IT-Systeme ist nicht mehr nachvollziehbar, wie das Zusammenspiel zwischen den Geschäftsprozessen und der verwendeten Soft- und Hardware im Detail erfolgt.

Erhöhte Risiken und fehlende Steuerbarkeit der IT: Softwareentwicklung und -beschaffung sind mangels eines ganzheitlichen Einblicks in die IT-Architektur gar nicht gezielt steuerbar. Infolgedessen ergeben sich erhöhte Risiken für die Bereitstellung, Integration und Betrieb von leistungsfähigen IT-Systemen und IT-Anwendungen. Letztlich ist dies auch mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Fehlende Strategieorientierung mit Ad-hoc-Fehlentscheidungen: Über fachliche Anforderungen werden aus dem Tagesgeschäft heraus Einzelfallentscheidungen getroffen - ohne übergreifende Gesamtsicht. Eine strategische Migration der existierenden IT-Architektur zu einer anderen Architektur wird erschwert oder ist oft kaum möglich.

Die Folgen liegen auf der Hand: Individualität bei der IT-Infrastrukturen und IT-Applikationen kommt den Unternehmen und Verwaltungen oft teuer zu stehen. Durch die Standardisierung von Hard- und Software lassen sich nicht nur die Administrationskosten senken, sondern auch Änderungen in der IT-Infrastruktur schneller und effizienter durchführen. Eine Lösung der genannten Probleme können ein gezieltes IT-Architekturmanagement und damit einhergehende Konsolidierungsbemühungen eröffnen.

IT-Konsolidierungsaktivitäten

Als wesentliche Stoßrichtungen der IT-Konsolidierung können die Vereinfachung, Standardisierung, Modularisierung und Optimierung der IT-Landschaft angesehen werden. Für die IT-Konsolidierung ist - so zeigen vielfältige Erfahrungen - im Regelfall das Auflegen eines gesonderten Projektes angesagt. Im Rahmen von IT-Konsolidierungsprojekten kann den Zielen reduzierter Gesamtkosten, gesteigerter Service

Levels und erhöhter Flexibilität in besonderer Weise Rechnung getragen werden.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • In einem ersten Schritt sollten Sie die vorhandene Hardware-Vielfalt auf ein vernünftiges Ausmaß zurückschrauben.
  • Parallel zur Vereinheitlichung der PC-Frontends sollten geeignete Serverkonfigurationen entwickelt und standardisiert werden.
  • Ein weiterer logischer Schritt zur Kosteneinsparung liegt in der Standardisierung der Software- und Netzwerkdienste.

Beachten Sie: Die Gartner Group geht davon aus, dass sich mit einheitlichen Anwendungen die IT-Kosten um mehr als 25% senken lassen. Allerdings lasse sich mit unflexiblen Standards kein Wettbewerbsvorteil erzielen.

Die Wahl des Einstiegspunktes in Maßnahmen der IT-Konsolidierung ist abhängig von dem aktuellen Organisationsstand der IT-Infrastruktur und den individuellen Unternehmenszielen. Im Wesentlichen lassen sich folgende Konsolidierungsebenen unterscheiden:

Hardware-Konsolidierung: Dienste, Applikationen und Datenbanken werden möglichst auf wenige, dafür hochverfügbare und dynamische Systeme zusammengeführt. Dies betrifft Server, Speichersysteme und Netzwerke.

Applikations-Konsolidierung: Zentralisierung von Funktionalitäten der Anwendungssysteme und ihre Konzentration auf wenige Komponenten. Die Applikationen sind dabei prozessorientiert gestaltet.

Datenkonsolidierung: In Unternehmen gibt es Daten, redundante Daten, fehlerhafte Daten und fehlerhafte, redundante Daten. Die Datenspeicherung erfolgt meist in unterschiedlichen Datenbanken. Durch eine Konsolidierung lassen sich effizient konsistente Informationen gewinnen.

Prozesskonsolidierung: Die IT-Leistungsprozesse sind so zu definieren und zu beschreiben, dass sich Optimierungsansätze herausfiltern lassen.

Konzepte zur Konsolidierung von "IT-Landschaften"

Als Varianten der Hardware-Konsolidierung, durch die erhebliche Kosteneinsparungen möglich sind, werden unterschieden:

Server-Konsolidierung:

  • Reduzierung der Anzahl der installierten Server
  • Zusammenlegung von vielen (verteilten) Servern in einem einzigen großen System (Scale-up)
  • Optimierung der Server-Kapazitäten

Storage-Konsolidierung:

  • Optimierung der Speicherkapazitäten
  • Effizienzsteigerung der Verwaltung verteilter Storage-Lösungen

Netzwerk-Konsolidierung:

  • Netzwerk-Strukturen konsolidieren
  • Netzwerk-Dienste konzentrieren
  • Systemsoftware für Netzwerke konsolidieren

Serverkonsolidierung

In der Vergangenheit erforderten bestimmte Applikationen spezielle Betriebssysteme, die ihrerseits spezielle Hardware benötigten. Das Ergebnis war und ist ein starker Technologie-Mix an Servern, der allein schon ein immenses Einsparpotenzial birgt. Denn durch die starre Zuordnung der Applikationen zu den Servern ist eine Balance der unternehmensweiten IT nur schwer herzustellen, da die Systeme bei Änderungen aufwändig umkonfiguriert werden müssen. Eine Konsolidierung von umfangreichen, oft heterogenen und verteilten Serverlandschaften folglich unverzichtbar, auch aus Wirtschaftlichkeitsgründen. Mit heutigen Technologien hingegen lassen sich die einzelnen Kapazitäten als Gesamtkapazität betrachten, was ein wesentlich dynamischeres Agieren ermöglicht. Hinzu kommen Einsparungspotenziale beim IT-Einkauf und durch eine einheitlichere Server-Administration. Serverkonsolidierung verspricht leichtere Administration, mehr Flexibilität und Skalierbarkeit und dadurch die Chance, schneller auf veränderte Unternehmensanforderungen reagieren aber auch die Kosten nachhaltig senken zu können.

Storage-Konsolidierung

Die Speicheranforderungen an die IT-Systeme sind in den letzten Jahren enorm (exponetiell) angestiegen. Dies macht allein die Zunahme des E-Mail-Aufkommens deutlich: Die Datenexplosion mit den unvermeidlichen Engpässen und Staus, die letztlich Geld "verschlingen", verlangt geradezu nach einer Neuorientierung im Storage-Management.

In der Praxis ergibt sich bei der Hardware-Infrastruktur aktuell der höchste Konsolidierungsbedarf im Bereich Speicherkonsolidierung und Speichermanagement. Welche Einsparpotenziale im Storage-Bereich möglich sind, lässt sich allein daraus ableiten, dass bei einer TCO-Betrachtung über drei Jahre 80% der Kosten für Service, Support und Management anfallen.

Netzwerkkonsolidierung

Während Konsolidierung im Server- und Storagebereich grundsätzlich als Vereinfachung und bessere Nutzung brachliegender Ressourcen verstanden wird, ist Konsolidierung im Netzwerkbereich eher unter dem Schlagwort Konvergenz zu sehen. Dabei setzen Anbieterfirmen auf Architekturen, die Netzwerke mit mehr Intelligenz versieht.

Netzwerken, die ja letztlich den Kern der gesamten IT-Infrastruktur bilden, fehlen oft ein zentrales Management, wodurch sich zahlreiche Probleme ergeben.

Warum? Bei "nicht intelligenten" Netzwerken ist intransparent,

  • welche User oder Komponenten sich im Netz befinden,
  • welche Funktion die Komponenten haben oder
  • welche Applikationen sich im Einsatz befinden.

Bei auftretenden Problemen wird häufig das Netzwerk dafür verantwortlich gemacht, obwohl in vielen Fällen nicht die Netzwerk-Komponenten an sich, sondern an das Netzwerk angeschlossene Endgeräte diese Schwierigkeiten verursachen. Bei einem unintelligenten Netzwerk hat der Administrator Probleme nachzuweisen, dass das Netzwerk nicht die Ursache für Ausfälle ist. Außerdem birgt ein solches Netzwerk enorme Sicherheitsrisiken, denn man weiß nicht, wer gerade versucht, sich am "Netzwerk-Edge" einzuloggen, geschweige denn, wer sich überhaupt darin befindet.

Heute strukturieren die Unternehmen ihre Netzwerke in drei wesentliche Bereiche:

einen Core-, einen Distributions- und einen Access-Bereich. Im teuren Core, dem "Hirn" des Netzes, sitzt die gesamte Intelligenz. Je weiter man sich an den Rand des Netzwerkes bewegt, desto weniger Intelligenz weist das Netzwerk dort auf. Das Management dieser Randkomponenten wie Switches und Hubs ist in heutigen Netzwerken nur eingeschränkt möglich. Hier liegen Ansatzpunkte der IT-Konsolidierung.

Im Rahmen des Hardware-Architekturmanagement findet sich die Vision der Auflösung starrer Systemkonfigurationen, in denen Server-, Speicher-, Netzwerk-Kapazitäten mit einzelnen Anwendungs-Sets zu festen und isolierten "Ressourcenpaketen" zusammengebunden werden. Mit der Auflösung dieser festen Ressourcenpakete, vor allem der Entkopplung der Server-, Storage- und Applikationsebenen, wird die Voraussetzung geschaffen, vorhandene IT-Ressourcen zu bündeln. Darauf aufbauend können dann Server- und Storagekapazitäten dynamisch wechselnden Bedarfsträgern zugeordnet werden.

Software-Konsolidierung - (Applikationskonsolidierung)

Im Rahmen der Softwarekonsolidierung (Anwendungskonsolidierung) stehen im Mittelpunkt:

  • Die Zusammenlegung von verschiedenen Anwendungen auf einen oder wenige Server
  • Eine stärkere Realisierung der Anwendungsintegration
  • Der Abbau von Komplexität bezüglich der Handhabung sowie
  • Die Konsolidierung der Applikationszugriffe

Datenkonsolidierung

In nahezu jeder Unternehmung und Verwaltung gibt es ein vergleichbares Grundproblem: Viele Daten sind verstreut gespeichert, werden auf unterschiedlichen Medien verwaltet, durch verschiedene Programmsysteme erzeugt und stehen damit für eine gezielte Verwendung nicht zur Verfügung. Die Folge: Zahlreiche Daten, die in den verschiedenen Systemen gespeichert sind, schlummern eigentlich nur dahin.

Nachfolgend einige Beispiele für aktuelle Mängel, die sich in der Firmenpraxis bemerkbar machen und für die alternative Lösungen gesucht werden müssen:

  • Verteilte Informationen auf verschiedenen Technologie-Plattformen
  • Keine einheitliche Datenbasis
  • Mehrfacherfassung derselben Daten
  • Unzureichendes Berichtswesen
  • Projektorientierung ist oft unverzichtbar

In welchem Umfang in dem jeweiligen Anwendungsfall Konsolidierungsaktivitäten nötig sind, hängt natürlich von der spezifischen Ausgangssituation der Anwender ab. In der Regel wird eine umfassende IT-Konsolidierung nur durch ausdrückliche Inangriffnahme eines Projektes erfolgreich realisiert werden können.

 

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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