Alexandra Riegler
Das mit dem sturen Kosten sparen, war bekanntlich gestern. Heute treibt die IT als integrativer Teil des Business das Umsatzwachstum voran. "Wachsen ist ein vorrangiges Thema, Kosten zu sparen weniger", bringt es Georg Komornyik, Geschäftsführer IDS Scheer, auf den Punkt.
Wer dem lauernden Innovationspotenzial Knauserigkeit entgegensetzt, wirft Chancen weg, die nie wieder kommen. Gleichzeitig wird die Notwendigkeit, dass IT- und Prozesslandschaft ständig auf Effizienz und damit auch auf Kosten hin zu optimieren sind, zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt.
Wurde früher die gesamte IT-Organisation einem Dienstleister überantwortet und fanden sich unterm Strich prompt 25 Prozent weniger Kosten, nennt Komornyik ein Beispiel, verlegt man sich heute auf das Outsourcing einzelner Bereiche und Prozesse. Seinerzeit schien ein Sieg errungen, bis man freimütig Outgesourctes schließlich reuig zurück ins Unternehmen holte.
Dennoch schaffen es Budgets auch weiterhin nicht über die Drei-Prozent-Steigerungsrate, der Druck bleibt also. "IT-Verantwortliche müssen mehr tun als Kosten zu senken. Es gilt für das Unternehmen messbaren und entscheidenden Wert zu schaffen", postuliert Kenneth McGee, Vice President beim Marktforscher Gartner. Schließlich sind da auch noch Maintenance-Kosten, die die Möglichkeiten, Neues vom Zaun zu brechen, auf ein Minimum beschränken. Was also tun zur Befreiung?
Kreative Wissensarbeiter fördern
Auf seinem Symposium/ITxpo in Barcelona prophezeite Gartner das Heranbrechen neuer Zeiten - vorausgesetzt, die IT wisse, was zu tun sei. War es bisher ihre Aufgabe Kosten zu senken, durch Prozessautomatisierung etwa, und gebe es mancherorts auch noch Nachholbedarf, so müssten Unternehmen künftig die Rolle der IT neu definieren. Der größte Erfolg jedenfalls soll Firmen gehören, die mit Arbeiten jenseits der Routine mühelos zurechtkommen und sich so ihren Wettbewerbsvorteil herausspielen.
Der Weg dorthin führt über einen so genannten "High-Performance Arbeitsplatz", der Technologien, Prozesse und Management-Strukturen bereitstellt, die Wissensarbeiter zusammenschaltet und diese schließlich kreative, neue Werte schaffen lässt. Der Wegbereiter dafür heißt ohne große Überraschung IT.
Applikationen Beine machen
Kosteneinsparung hat viele Formen, die gefragteste ist die Fähigkeit, rasch auf Marktveränderungen zu reagieren. Der nachhaltigste Schritt, um die Prozesslandschaft ins Reine zu bringen, sind Integrationsprojekte hin zu Serviceorientierter Architektur (SOA): Die Trennung zwischen Integrationslogik und der Logik der Business-Anwendungen soll die Beweglichkeit der Unternehmen sichern und gleichzeitig die Komplexität auf das Notwendigste reduzieren.
Konsolidierungsprojekte sind zudem ein guter Zeitpunkt, um verstaubte Applikationen aus dem Verkehr zu ziehen. Doch nur wenige Projekt sind schwieriger: "Es findet sich immer wieder ein Verfechter, der behauptet, er würde eine bestimmte Software brauchen", berichtet Helmut Patzer, Telekom-Verantwortlicher bei Unisys, aus der Praxis.
Kunden greifen daher zum Teil auf unkonventionelle Methoden zurück, um ihre Software-Landschaft zu entstauben, etwa im Trial-and-Error-Verfahren, abzuschalten, was unnütz aussieht. Danach geht der Ball an die Benutzer: "Überall dort, wo nach einer bestimmten Zeit keiner nachfragte oder nicht plötzlich Ergebnisse für vitale Geschäftsprozesse fehlten, blieben das auch so", erzählt Patzer vom Vorgehen eines Kunden.
Gartner stellt der Pensionierung von Applikationen schließlich eine Daumenregel hinzu: Bis 2008 sollten Unternehmen eine Reduktion ihrer gewachsenen Applikationen um zehn Prozent ins Auge fassen.
Grund für das Nebeneinander ist nach Ansicht der Analysten, dass nur wenige Firmen über Prozesse für alle Lebenszyklen von Software verfügen. Die Folgen sind kostenintensiv: Unnötige Komplexität und negative Auswirkungen auf die Performance der Gesamt-IT.
Öffnung für neue Zusammenarbeit
Kooperationen machen längst nicht mehr vor Unternehmensgrenzen halt, sondern beziehen Zulieferer, Kunden und Partner mit ein. "Optimierungen in der Supply Chain werden zum großen Thema", so der IDS Scheer-Chef. Gerade bei Konzernen, die ihre Lieferkette im Haus haben, stünde dies an der Tagesordnung. Die Optimierung verringert teure Lagerbestände und reduziert so das gebundene Kapital massiv. "Sonst kommt es schon einmal vor, dass man vier Mio. Euro im Lager herumliegen hat", verdeutlicht Komornyik.
Im Bereich CRM sind die Vorhaben zwar relativ weit gegoren, dennoch verlieren Unternehmen immer wieder das Augenmaß und schotten kundenfreundlich gemeinte Websites schließlich doch in Richtung der Klientel ab. Dabei schafft eine Art kooperative Beziehung zum Kunden ein wertvolles Verhältnis, um das sich klassisches Marketing stets bemüht. Ganz abgesehen von den Vorteilen, die sich ergeben, wenn Kunden zudem in frühe Phasen von Produkt- und Service-Design miteinbezogen werden.
"Geschäftsprozesse an Kunden auszulagern, spart nicht nur wichtige Kosten", resümiert Unisys-Manager Patzer. "Die Kunden finden das auch gar nicht schlecht, weil sie so Zeitpunkt und Geschwindigkeit kontrollieren können", spricht Patzer ein Beispiel im Bereich Brief- und Paketzustellung an.
Kostensenkungen über direkte- und Umwegrentabilität liefert auch Instant Messaging (IM). Während die Tools im Privatbereich seit langem in Benutzung sind, ist das Thema für Unternehmen ein neueres. Mitarbeiter profitieren von schnelleren Entscheidungsprozessen und höherer Produktivität, für die Firmen sind geringere Telefoniekosten eine rasch messbare Größe.
Unerlässlich erweist sich dabei eine ähnliche Sicherheits- und Management-Strategie wie sie bei E-Mail-Anwendungen üblich ist. Immerhin steigen mit der vermehrten Nutzung der Software auch die Bedrohungen, vor allem, da sich Angreifer vom indes besser beschützten Bereich E-Mail auf IM verlegen.
Outsourcing unter Aufsicht
Im Laufe des Outsourcing-Trends wurden immer wieder Bereiche und Prozesse nach außen gegeben, die den Firmen zuvor noch wie ihr Allerheiligstes vorkamen. Etwas sensibler noch scheint nun das Thema Security. Laut einer bereits 2004 durchgeführten Erhebung der Yankee Group sollen Organisationen bis zum Ende des Jahrzehnts rund 90 Prozent ihres Sicherheitsmanagements Dritten überlassen. Regulationen wie Sarbanes-Oxley würden die Entwicklung weiter vorantreiben.
Angebote weit entfernter Offshoring-Firmen stellen zwar rasche Einsparungen in Aussicht, außer Acht bleiben dabei oftmals griffige Überprüfungsprozesse. Die verlockende Vorstellungen, die Verantwortung für die Sicherheit einem Dienstleister aufzubürden, lässt Leichtsinn aufkommen: Nur Wenige überprüfen die Leistungsliste tatsächlich auch auf ihre Qualität hin. Experten warnen außerdem, dass bei Offshoring nur unzureichend auf politische Stabilität und die Infrastruktur vor Ort geachtet werde.
Gingen sensible Daten verloren, sind Gesetze meist auch keine große Hilfe, zumal sie sich über Landesgrenzen hinweg nur schwer durchsetzen lassen. Entscheidend ist daher Best Practice, die der Security auf die Finger schaut. Danach steht dem Sparvorhaben nichts mehr im Weg.




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 