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Strategien

SAP Sapphire 2006

SAP: Neues innen und außen

Die ganz großen Visionen bleiben auf der Sapphire aus. Aber was SAP erreicht hat, ist ja auch nicht schlecht: Unter der Haube wird die Enterprise SOA Realität, an der Oberfläche wird ERP den Usern zugänglicher.

Andreas Roesler-Schmidt

Nur noch bis 2007 reicht der Horizont der Roadmaps in den Keynotes auf SAP's Hausmesse Sapphire in Paris. Das vermittelt gegenüber bisherigen Ankündigungszeiträumen auf den großen SAP-Events fast ein wenig das Gefühl, das die Visionen SAPs auch nicht weiter reichen. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch den Keynote-untauglichen Henning "Was lernen wir aus diesem Video" Kagermann, der die visionäreren und unterhaltsameren Tage eines Hasso Plattners vermissen lässt.

Ganz so schlimm dürfte es aber nicht sein, denn immerhin ziert das Ende der Roadmaps so etwas wie ein "Mission Accomplished" - denn bis zum nächsten Jahr soll die große Vision, an der SAP die letzen Jahre über gewerkt hat, endgültig Realität sein: Die Enterprise Service-orientierte Architektur bzw. Enterprise-SOA.

Fonds für Softwareanbieter

Für Softwareanbieter könnte dabei interessant werden, dass SAP um seine SOA-Strategie herum ein eigenes Ecosystem aufbauen will und die Einrichtung eines Investitionsfonds für Entwicklungen auf Basis der SAP NetWeaver-Plattform bekannt gab. Der Fonds adressiert unabhängige Softwarehersteller (ISVs), die Composite Applications auf Basis der SAP-NetWeaver-Plattform entwerfen und innovative Lösungen für die Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA) schaffen wollen.

"Wir sind vom Erfolg des Konzepts der Co-Innovation überzeugt und werden mit Einrichtung dieses Fonds unseren Vorsprung bei der Etablierung eines globalen Ecosystems rund um die SAP-NetWeaver-Plattform weiter ausbauen. Vor allem erweitern wir damit die Angebotsvielfalt für unsere Kunden", verspricht sich Shai Agassi, SAP-Vorstandmitglied und Präsident der Product und Technology Group. Der Fonds in Höhe von 125 Millionen US-Dollar wird aus SAPs Corporate Development Budget finanziert. Daneben wird SAPs Investionsfonds "SAP Ventures" weiter ausgebaut, über den vor allem strategische Investitionen in viel versprechende neue Technologien mit hohem Marktpotenzial und großen Wachstumschancen getätigt werden. Die Investitionen sind darauf ausgerichtet, eine angemessene Rendite für SAP zu erzielen. Gleichzeitig werden Innovationen geschaffen, von denen SAP, ihre Kunden und der Markt gleichermaßen profitieren sollen.

Fokus: Branchenlösungen

Eine andere Investition tätigt SAP mit der geplanten Einführung regionaler SME Solution Centers für Branchenlösungen. Sie sollen das Angebot betriebswirtschaftlicher Branchenlösungen für kleine und mittelgroße Unternehmen schneller ausbauen. Noch in diesem Jahr sollen 80 dieser neuen Lösungen für spezifische Regionen vorgestellt werden. Die SME Solution Center werden in Barcelona, London, Newtown Square/USA, Prag, Singapur und Walldorf angesiedelt sein. Die Teams werden Branchenlösungen für landesspezifische Anforderungen entwickeln, die auf SAP Best Practices basieren. Dazu zählen unter anderem vorkonfigurierte, durchgängige und branchenspezifische Geschäftsszenarios, eine umfassende Dokumentation sowie Methoden, um Implementierungszeiten und -kosten zu senken und kalkulierbarer zu machen, verspricht SAP.

"Vielen mittelständischen Unternehmen fehlt nach wie vor betriebswirtschaftliche Software, die auf die spezifischen Anforderungen ihrer Branche oder Subbranche zugeschnitten ist. Die Softwarehersteller decken diese Märkte derzeit nicht umfassend genug ab", kommentiert Bob Anderson, Research Director bei der Gartner Group. "Gleichzeitig fehlen vielen Partnern die Ressourcen, um neue Lösungen wirtschaftlich zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Mittelständische Unternehmen versuchen zunehmend, mit Hilfe von Informationstechnologie Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Die regionalen Teams für spezifische Märkte und Branchen werden helfen, dieser steigenden Nachfrage zu begegnen."

Die regionalen Lösungszentren sollen die Ressourcen von SAP und ihren Partnern bündeln, damit mehr Kunden vom Branchen-Know-how profitieren. Insgesamt sollen die Zentren weltweit mehr als 650 Lösungen für Branchen wie Automobil und Automobilhandel, Chemie, Konsumgüter, metallverarbeitende Industrie, Lebensmittel und Getränke, High-Tech, Maschinen- und Anlagenbau, Life Sciences, Logistikdienstleister, Beratungsunternehmen, öffentliche Verwaltungen sowie Groß- und Einzelhandel zur Verfügung stellen.

Von "Duet" zu "Muse"

Was geplagte SAP-Endanwender freuen dürfte, auch an der Oberfläche tut sich einiges. Nachdem das inzwischen "Duet" genannte Projekt Mendocino erhältlich ist, das die SAP- mit der Office-Welt verbindet und eine breitere Anwenderschicht - über Outlook - an SAP-Systemen arbeiten lässt, wurde auf der Sapphire das Projekt "Muse" vorgestellt. SAP zeigte damit einen ersten Prototyp einer neuen Benutzeroberfläche, die den unterschiedlichen Arbeitsweisen von Mitarbeitern gerecht werden soll. Ziel ist es, die Bedienung der SAP-Software signifikant zu vereinfachen und gleichzeitig Geschäftsprozesse einer größeren Anwendergruppe mit unterschiedlichen Anforderungen zugänglich zu machen. Über eine einfache, intuitive und stark interaktiv ausgelegte Bedienerführung können Anwender direkt von ihrem Mac-, Linux- oder Windows-Desktop oder über mobile Endgeräte auf SAP-Anwendungen zugreifen. Das "Project Muse" verbindet die Vorzüge einer Browserumgebung - einfache Verteilung via Internet - mit den Stärken einer Rich-Client-Architektur, die optimale Netzwerkkapazitäten und hohe Interaktionsfähigkeit bietet. SAP plant, die neue Benutzeroberfläche über so genannte Enhancement Packages für die neueste Version von mySAP ERP schrittweise allen Kunden von mySAP Business Suite-Anwendungen zu Verfügung zu stellen.

"Duet" ist ab Juli auch in Österreich erhältlich und soll vor allem jenen, die nur gelegentlich mit SAP Lösungen arbeiten, das Leben leichter machen: Mit der neuen Software erhalten Anwender Zugriff auf ausgewählte SAP-Geschäftsprozesse und -daten, ohne ihre vertraute Microsoft Office-Umgebung verlassen zu müssen. "Mit Duet beginnt eine neue Ära am elektronischen Arbeitsplatz. Denn die Software vereinfacht den Umgang mit SAP-Applikationen und öffnet sie für eine größere Gruppe von Anwendern, die ihren Arbeitsalltag mit 'Microsoft Office' verbringen", sagt Wolfgang Schuckert, Managing Director von SAP Österreich.

"Mit Duet bieten Microsoft und SAP gemeinsamen Kunden eine Lösung, die jeder Mitarbeiter sofort einsetzen kann. So bringen wir relevante Unternehmensinformationen näher an die Entscheider", sagt Herbert Schweiger, Geschäftsführer von Microsoft Österreich. "Außerdem können Anwender über Duet jederzeit - online oder offline - aus der Office-Umgebung auf SAP-gestützte Geschäftsprozesse zugreifen. Das vereinfacht sowohl komplexe Prozesse als auch Routineaufgaben."

Enterprise SOA-Anwendung

Damit auch die Kunden 2007 bereits in der Enterprise SOA-Welt ankommen, stellte SAP in Paris die erste Enterprise SOA-Anwendung (Appliance) vor, die es Kunden ermöglicht, parallel den Upgrade von ERP-Kernfunktionalität sowie den Einsatz neuer, modellierter Softwareanwendungen (Composite Applications) zu verwirklichen. Aus Sicht von Shai Agassi liegt das Interesse der Kunden auf einer zuverlässigen und stabilen ERP-Umgebung sowie der gleichzeitigen Option, diesen Kern um innovative Geschäftsprozesse zu erweitern.

"Wir wollen unseren Kunden die Einführung einer Enterprise Service-Oriented Architecture so einfach wie möglich machen", betont er. "Dank unserer Strategie sind Kunden in der Lage, gleichzeitig ihre ERP-Lösung auf den neuesten Stand zu bringen und auf Basis unserer Enterprise SOA Appliance neue, modellierte Softwareanwendungen zu nutzen." Diese Enterprise SOA Appliance fungiert als eine Art Container und wird Hunderte vorkonfigurierter und einsatzfertiger SAP xApps enthalten, mit denen Unternehmen eine komplette Prozessumgebung auf Basis von SAP NetWeaver und in Ergänzung zu ihrer ERP-Lösung schaffen können. Dabei erschließt laut Henning Kagermann die neue Version von mySAP ERP erstmals das wirkliche Potential einer Enterprise Service-Oriented Architektur, speziell in Verbindung mit der einfacheren Bedienerführung und variablen Zugriffsmöglichkeiten auf SAP-Anwendungen.

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ERP - Enterprise Resource Planning

(ERP, „Planung [des Einsatzes/der Verwendung] der Unternehmensressourcen“) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Kapital, Betriebsmittel oder Personal) möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen.

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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