Erich Bonnert
Heute gebräuchliche Elektret-Kondensatormikrofone arbeiten noch immer nach dem Prinzip, das Emil Berliner im 19. Jahrhundert erfand: Eine vom Schall bewegte, hauchdünne Mebran überträgt Vibrationen auf einen Elektromagneten, der daraus Spannungsschwingungen erzeugt.
Diese Signale können analog weiter verarbeitet oder auch in digitale Daten für Mikrochips verwandelt werden. Die Klangqualität und -genauigkeit kann je nach Größe und Produktionsverfahren beträchtlich variieren. Störende Funkwellen und elektrostatisches Rauschen beeinträchtigen den Klang ebenso wie Nebengeräusche. Häufige Handy-Telefonierer und VOIP-Nutzer können davon ein Lied singen. Selbst mit modernsten integrierten Schaltungen sind bisher mindestens vier separate Komponenten nötig. Beim Einbau in Laptops müssen sie beispielsweise nahe der Hauptplatine platziert und mit abgeschirmten Kabeln verbunden werden. Das macht ihren Einsatz unflexibel.
Das junge Startup-Unternehmen Akustica startet jetzt mit einem radikal neuen Verfahren. Durch die Kombination von integrierten Halbleitern und MEMS-Elementen (mikro-elektromechanische Systeme) sind dabei erstmals alle Mikrofonkomponenten auf einem einzigen Chip vereinigt. Die MEMS-Mikrofone sind rund zehnmal kleiner als herkömmliche Produkte und dadurch enorm kostengünstig herzustellen. Dabei sind sie praktisch immun gegen jegliche externe Störquellen durch Funk- oder elektromagnetische Wellen.
Die Integration von MEMS mit Mikrochips wurde an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh entwickelt. Alle Patente liegen bei der Elitehochschule, doch Ken Gabriel - ein früherer Carnegie-Professor und Pionier der MEMS-Forschung -hat sich mit seiner vor gut vier Jahren gegründeten Firma Akustica die Verwertungsrechte gesichert. In dem ostdeutschen Halbleiterspezialisten Xfab aus Erfurt hat er einen Produktionspartner gefunden, der die Mikrofone zum Preis von deutlich unter vier Euro herstellen will. Die Serienfertigung ist gerade angelaufen.
Etwas überraschend läßt Akustica dabei den Massenmarkt Handy zunächst völlig außen vor. Stattdessen will das Startup seine Mikrofone zunächst als festen Bestandteil von Notebook- und Tablet-Computern etablieren. Der Grund: Gabriel und sein Partner Jim Rock glauben, eine Lawine von mobilen VOIP-Telefonierern auslösen zu können. "Was den echten Durchbruch der Internet-Telefonie am meisten behindert, ist die unzuverlässige Sprachqualität", erklärt Rock. Bei den meisten Anwendern bleibe es bei einer sporadischen Nutzung, da sie der VOIP-Qualität nicht voll vertrauen. Gestützt auf eine Gartner-Analyse glaubt Rock, dass VOIP-Dienste in den nächsten Jahren Millionen von mobilen Computer-Anwendern gewinnen werden, wenn die Sprachverständlichkeit gewährleistet ist. Neben dem bekanntesten Anbieter Skype und den Internet-Riesen Google und MSN zählt Rock auch den österreichischen Dienst Jajah, der jetzt in den USA verfügbar ist, zu den Favoriten.
Den Handy-Markt will Akustica in einer späteren Phase angehen, wenn die MEMS-Produkte auf der Preiskurve noch weiter nach unten gewandert sind. Ein großes Potenzial versprechen aber auch die Produzenten von Digitalkameras und andere Unterhaltungselektronik.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 