Maren Beaufort
Von 22. bis 24. Mai 2006 nutzten 45 internationale Vertreter der WiMAX Prominenz den Kongress "WiMAX World Europe" in Wien als Forum zur Darbietung ihrer Innovationen. Der Veranstalter Trendsmedia zählte über 1.200 Besucher und sieht in diesen Zustrom den Beleg für ein mittlererweile etabliertes Interesse bei Anbietern und Anwendern am Thema WiMAX. Begleitet von vielen Fachvorträgen war der Kongress vornehmlich von der Aufbruchstimmung der "WiMAXer" geprägt.
WiMAX wird mobil
Mobil- und Breitbandmarkt wachsen zusammen und WiMAX sucht sich seinen Platz dabei. Als Version für mobile Clients galt dem WiMAX-Standard IEEE 802.16e-2005 besondere Aufmerksamkeit. Bis Ende des Jahres sollen vielerorts lokale Systeme up & running sein. Firmen, die bisher auf 802.16-2004 setzten, orientieren sich neu und lancieren ihrerseits Migrationspläne für 802.16e.
Wo aber bleibt das ersehnte Equipment? Der erste Anbieter, der bei Mobile WiMAX nahtloses Handover von einer Zelle zur nächsten demonstriert hat, ist Alvarion. Dass seinerzeit die Basisstationen und nicht das Endgerät bewegt wurden, sei durch die Platzverhältnisse auf der CTI Wireless in Las Vegas im April diesen Jahres bedingt gewesen.
In 30 Ländern etabliert, hält das israelische Unternehmen nach eigenen Angaben 80% des weltweiten WiMAX-Marktes. Dazu zählen nicht nur WiMAX Telecom in Österreich und der Slowakei mit etwa 4.000 Kunden, sondern auch 160 weitere Betreiber. Prominente Beispiele sind mit 800 Basisstationen und mehreren zehntausend Nutzern die spanische Iberbanda und T-Com, die in Deutschland Alvarion Infrastruktur erprobt.
Der kalifornische Chiphersteller Beceem offerierte einen Chipsatz namens "MS120 Mobile WiMAX". Dabei handelt es sich, glaubt man deren Pressesprecher, um den ersten und einzigen kommerziell verfügbaren Chipsatz für mobile Endgeräte gemäß 802.16e. Die Sende- und Empfangseinheit ist für den Betrieb in verschiedenen Frequenzbereichen geeignet und stellt mehrere Übertragungskanäle bereit.
Auch Intel bastelt am Chip, der UMTS Konkurrenz macht und HSDPA herausfordert: Zur Nutzung von WiMAX in Notebooks plant der Halbleiterinnovator in der zweiten Jahreshälfte eine mobile WiMAX PCMCIA Karte zu vermarkten. Zusätzlich wird unter dem Codenamen Ofer ein Single-Chip für Wi-Fi und WiMAX Funk etabliert. Mittels diesem sollen sich Laptopnutzer weltweit und je nach Belieben in Wi-Fi oder WiMAX Netzwerke einloggen. Auch zwei neue Intel-Concept-PCs bieten integriertes WiMAX und drahtlose WAN Technologie. In etwa zwei Jahren erwartet Intel gar eine Verschmelzung der beiden Technologien. Basierend auf dem Ende 2005 ratifizierten Standard 802.16e soll 1 Mbps oder mehr erreicht werden. Eine Zertifizierung des WiMAX Forums sei selbstverständlich.
Motorola gab bekannt, bis Jahresende das bislang größte WiMAX-Netz in Pakistan aufzubauen, welches ausreichend Kapazitäten für eine Million Nutzer bieten soll. Motorola erhielt den Zuschlag vom pakistanischen Netzbetreiber Wateen Telecom. Auch hierbei wird die breitbandige Datenübertragung nicht nur mit stationären Empfängern möglich sein, sondern auch über Notebooks, PDAs und andere mobile Devices.
Navini meldete die kommerzielle Auslieferung der ersten Dual-Mode-Basisstationen. Gemeint ist damit proprietäre Technik, die später mittels Software-Update auf 802.16e aktualisiert werden kann.
WiMAX sicherer als WLAN?
Eine Frage die anbieterseitig einhellig mit "ja" beantwortet wurde. Denn für die sichere Übertragung in WiMAX Netzen kommt im Normalfall ein mehrstufiges Konzept zum Einsatz: "Digitale Zertifikate (X.509) regeln den Zugriff von Endgeräten ins Netz. Zusätzlich erfolgt die Authentifizierung über PPPoE (Point-to-Point Protocol over Ethernet). Die übertragenen Kundendaten werden mittels AES (Advanced Encryption Standard) verschlüsselt, und die dafür nötigen Schlüssel ferner mit 3DES (Triple Data Encryption Standard). "Für den dynamischen Austausch dieser Schlüssel kommt PKM (Public Key Management) zum Einsatz", erläutert Georg Maunz, Head of Network Engineering bei Wimax Telecom.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Nicht entgehen konnte dem Kongressbesucher die Arbeit des "WiMAX Forums". Mit Hilfe des Forums soll eine organisierte Marktdurchdringung von WiMAX-Technologien forciert und somit Misstrauen und Akzeptanzverweigerung auf Anwenderseite vorgebeugt werden.
Allseits berief man sich auf Richtlinien und Tendenzen der von den Herstellern im Jahr 2001 ins Leben gerufenen Non-Profit-Organisation. Vergleichbar der Wifi Alliance fungiert diese als Regulierungsinstanz, die die Kompatibilität und Interoperabilität der nach 802.16 produzierten Produkte zertifiziert. Bei erfolgreicher Absolvierung einiger Tests darf in Folge das Label "WiMAX Certified" angebracht werden. Zertifizierungen erhielten bis dato neun Unternehmen. Darunter Wavesat, Siemens und Redline.
Im Rahmen der WiMAX World Europe wurde erstmalig live ein Testsystem des deutschen Elektronikkonzerns Rohde und Schwarz präsentiert, welches zukünftig Forums-Zertifizierungen unterstützen soll.
Wird WiMAX 802.16e Mainstream?
Natürlich beschwört jegliche Diskussion über WiMAX als mobile Breitbandtechnologie Vergleiche mit UMTS und Diskussionen über die Entwicklung des 4G-Mobilfunk herauf. Tatsächlich bringt WiMAX mit seinen QoS-Möglichkeiten durchaus einen Ansatz Mobilfunknetze zu ersetzen. Im Hinblick auf die wesentlich höheren Datenraten und Reichweiten prophezeien einige Telko-Experten den WiMAX-Insellösungen daher einen baldigen Sieg über UMTS. Unterdessen geht jedoch die Forschung an 4G munter weiter, so dass WiMAX in einigen Jahren selbst in die Rolle des Gejagten kommen könnte.
Als alternatives Einsatzszenario besteht dagegen die Möglichkeit einer Integration von "WiMAX mobile" in Mobilfunk-Netze. Ebenso lässt sich die "fixed-Variante" als zellularer Backbone nutzen. Bis zur großflächigen Einführung kann jedoch über mögliche Koexistenzen, Verdrängungen oder Verschmelzungen lediglich spekuliert werden.
Wimax Telecom - Österreichs mobiler Breitbandpionier
Seit
September letzten Jahres ist Wimax Telecom auf dem österreichischen Markt aktiv.
Nach dem Lizenzerwerb wurden breitbandig unterversorgte Gebiete wie das Burgenland,
Teile Niederösterreichs und der Steiermark im Eilverfahren mit Sendern ausgestattet.
Rund eine viertel Million Österreicher könnten schon heute von diesem Netz profitieren.
Auch im osteuropäischen Ausland - Slowakei und Kroatien - besitzt Wimax Telecom bereits Lizenzen und arbeitet am Netzausbau. Gegründet wurde das Unternehmen vom früheren RSL-Com-Chef Dov Bar-Gera und Ex-Telekom-General Werner Kasztler.
Für das zweite Halbjahr 2006 hofft Werner Kasztler auf den Wimax-Boom und prognostiziert ein 375 prozentiges Kundenwachstum bis Anfang 2007. Heute serviciert das Unternehmen knapp 4.000 Kunden. Entsprechend ambitioniert sind auch die Ziele im Hinblick auf die Marktpositionierung: Wimax soll nicht nur eine Ergänzung sein, sondern sich im städtischen Umfeld als die bessere Alternative zu ADSL-Breitband erweisen.
Mobile Wimax
Mit dem neuen Wimax-Standard 802.16e wird das kabellose Breitband nämlich mobil. Im Cafe, im Park oder im Taxi - überall soll man "wie im Büro" mit dem neuen Netz arbeiten können. Ein Chip in Endgeräten wie Laptop oder Handy leistet dabei UMTS überlegene Datenraten.
In Kroation plant der Netzbetreiber von Anfang an einen Start mit Mobile WiMAX. Mit Breitband auf dem Segelboot will er seinen Kunden damit zukünftig den Adriaurlaub versüßen. "Wir stehen in den Startlöchern", konstatiert Geschäftsführer Peter Ziegelwanger, "und warten auf die Marktreife des entsprechenden Equipments."
Wie hoch sind die Kosten?
Für mobile Services ist die Preisgestaltung noch nicht festgelegt. Jedoch - Mobilität hin oder her: Die Entwicklungskosten eines Wimax-Netzes liegen deutlich unter denen klassischer Breitband- und WLAN-Netze. Denn - es muss weder gegraben werden noch ist dank der Einzelreichweiten bis zu 35 km eine dem WLAN typische Anzahl Sender notwendig.
"Sobald unser Netzausbau einmal finalisiert ist, werden wir aufgrund der niedrigen Entwicklungskosten mit Wimax sehr viel günstiger anbieten können", verspricht Kasztler eine Weitergabe seiner Preisvorteile an den Kunden.
Aktuell zahlt ein österreichischer Privatanwender neben 50,- EUR Freischaltungsentgelt monatliche 19,90 EUR (inkl. USt.) und bekommt dafür Downloads bis 1024 Kbit/s und 0,5GB Transfer inklusive.




1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 