So wird SGI, die ehemals Silicon Graphics genannte Firma, erstmals Server vorstellen, die auf Linux spezialisiert sind. Damit werden Unix-Kunden bei der Stange gehalten, die vom Richtungswechsel hin zu NT etwas verprellt waren.
Parallel dazu kündigt Hewlett Packard nicht nur eine Linux-Strategie an. Zusätzlich wird man 24x7 Support bei der eingesessenen Unix-Firma finden, die diesen jedoch nicht als Konkurrent zum eigenen HP/UX sieht.
IBM unterstützt ebenfalls Linux, sowohl in Hardware, als auch in Systemsoftware wie der Datenbank DB/2. Digital bietet seine Alphasysteme speziell auch unter AlphaLinux an -- und Compaq verteilte auf der Ifabo Pinguine mit dem Q.
Doch hinter der Marketingmacht ist es nach wie vor schwierig, die richtige Hardware für den Pinguin zu finden. Während Softwarehersteller ihre Unix-Applikationen relativ problemlos auch unter Linux anbieten können, müssen für Hardwaresysteme Treiber erstellt werden.
Hier kollidieren die Interessen der Hersteller an Geheimhaltung ihrer Treiber aber mit der freien Softwarephilosophie, die die Offenlegung der Quelltexte der Treiber erfordern, sofern diese in den offiziellen Systemkern aufgenommen werden sollen.
Insgesamt gibt es aber auch positive Beispiele, etwa Intel, die den i740-X-Server jetzt doch im Quelltext veröffentlichen lassen. Weniger positiv dagegen ist die Entscheidung von Creative Labs, Linux-Treiber für die SBLive!-Karten nur binär selbst zu vertreiben - wodurch diese niemals in den Kernel-Sourcecode aufgenommen werden können.
Oft scheinen vor allem große Firmen hier kein einheitliches Bild zu liefern. Egal ob Diskadapter, PCMCIA-Karte oder andere Hardware - nur weil der Hersteller Linux-freundlich ist (oder vorzugeben scheint), ist nicht unbedingt auch für jedes Produkt ein Linux Support gegeben. So wird oft auch der Einkauf bei einer Pinguin-freundlichen Firma zum Spießrutenlauf.
Warum nur Quelltext in den Kern kommt
Der Linux Systemkern muß - frei von Rechten Dritter - im Quellcode verteilbar bleiben. Daher dürfen nur Quelltexte, die der GPL-Lizenz genügen, in den Kern aufgenommen werden. Binäre Treiber hingegen sind plattformabhängig und können nicht mit dem restlichen Kern gewartet werden, da sie nicht für jedermann im Quelltext verfügbar sind.
Viele Hersteller befürchten jedoch den Verlust ihres "geheimen" Wissensvorsprungs, falls ein Treiber im Quelltext veröffentlicht werden sollte. so bleibt den Linux-Entwicklern nur die Option, im Blindflug ohne offizielle Anleitung die Treiber zu entwickeln. Auch wenn dies sonderbar klingt, sind in der Tat die meisten Linux-Treiber so entstanden.
Man darf dabei nicht vergessen, daß die Programmierer schon "vom Fach" sind, und direkter Kontakt mit der Entwicklungsabteilung des Herstellers informell auf persönlicher Ebene durchaus gegeben ist -- nur offizielle Anleitungen fehlen.
Bisher hat es einigermaßen funktioniert -- die notwendigsten Treiber sind vorhanden. Im Vergleich mit anderen Unices ist Linux sogar extrem reichhaltig ausgestattet - Solaris, AIX, HP/UX und Tru64 Unix haben es da deutlich schwerer. Trotzdem wäre ein Umdenken der Hardwarehersteller langfristig wünschenswert, vor allem, wenn der Hersteller offiziell Linux unterstützt!o



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 