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Storage-Systeme

Speichertechnologie: Konsolidierung per Internet-Protokoll

Speichernetze öffnen sich dem Internet

Die Hersteller von Datenspeicher- und Netzwerktechnik rangeln mit integrierten Konzepten für die Rechenzentren um die Kundschaft. Denn immer mehr Unternehmen konsolidieren ihre Informationstechnik auf wenige Zentren. IP-Technik erscheint als der Schlüssel zur Konvergenz der historisch gewachsenen Strukturen.

Achim Scharf

Der Markt für externe Festplattenspeicher wuchs in der Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) im letzten Kalenderjahr allein bei der Hardware um mehr als 10 % auf 4,6 Milliarden US-Dollar (2004: 4,1 Mrd. Dollar), so die Marktforscher der Gartner Group. EMC festigte seine führende Position mit einem Umsatzwachstum von knapp 15 % (1,018 Mrd. Dollar) auf 22,3 % Marktanteil, während der Marktanteil von Hewlett-Packard bei fast identischem Umsatz in 2004 und 2005 (943 Mio. Dollar) um zwei Punkte auf 20,7 % und damit immer noch Platz 2 fiel. IBMs Umsatz stieg um knapp 22 Prozent auf 780 Millionen Dollar bei 17 % Marktanteil (3. Rang), während Sun einen Verlust von 7,3 Punkte auf 6,9 % Marktanteil hinnehmen musste. "Trotz dieser negativen Entwicklung über das ganze Jahr konnte Sun im vierten Quartal 2005 ein Plus von knapp sieben Prozent durch einen veränderten Umsatzmix in Richtung Midrange und Data Centers vorweisen. Die Übernahme von StorageTek im dritten Quartal hatte zudem einen positiven Effekt auf die Ergebnisse des restlichen Jahres", konzediert Analyst Robin Burke.

Die größten Umsatzzuwächse konnten mit knapp 30 und 46 % Hitachi Data Systems sowie Dell verbuchen, die damit die Plätze 5 und 6 besetzen (siehe Tabelle). "Die Großen der Branche kontrollieren damit einen größeren Kuchen des EMEA-Speichermarktes, von 83,8 Prozent in 2004 auf 85,5 Prozent in 2005", stellt Burke fest.

Laut Gartner ist EMEA im ersten Quartal 2006 um 9,4 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2005 um 9,4 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar gewachsen. Network Appliances verbesserte sich durch ein Umsatzwachstum von 24 % auf Platz 4 und HP holte sich Platz 2 zurück. EMC erweiterte seinen Marktanteil auf 23,9 Prozent. Der weltweite Markt wuchs im ersten Quartal um knapp 9 % auf ein Volumen von 3,8 Milliarden Dollar. Weltweiter Marktführer bleibt EMC, gefolgt von IBM, die HP auf den dritten Platz verdrängen konnten.

Der Weltmarkt für Speichersoftware wuchs laut IDC von 2004 auf 2005 ebenfalls zweistellig mit 12,6 Prozent auf knapp 9 Milliarden Dollar. "Auch die Speichersoftware wächst stetig, besonders in den Segmenten Replikation und Backup. Das ist ein Ergebnis der steigenden Informationsflut und der Tendenz, mehr an Daten online mit größerer Sicherheit über den gesamten Geschäftsverlauf vorzuhalten", so IDC-Analyst Rhoda Philips. Auch bei der Software führt EMC mit fast 30 % Marktanteil, gefolgt von Symantec (20,3 %) und IBM (10,5 %). Auf den Plätzen 4 und 5 folgen Network Appliance (6,6 %) und Hewlett-Packard (6,5 %). In 2005 konnte Network Appliance mit 45,4 %t Umsatzzuwachs glänzen, gefolgt von IBM mit einem Plus von 26,8 Prozent.

Im ersten Jahresquartal 2006 legte der weltweite Softwaremarkt wieder um mehr als 10 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar zu. Zehn aufeinander folgende Quartale mit zweistelligem Wachstum weisen auf einen robusten Bedarf hin. EMC ist trotz eines Umsatzrückgangs von 3,9 % gegenüber den Vorjahresquartal Marktführer mit 25,4 %, Symantec kommt mit 5 % Zuwachs auf Platz 2 (20 % Marktanteil), und IBM verbessert sich mit 41 % Zuwachs auf 12,6 % Marktanteil.

Dieses Wachstum sowohl bei der Hardware als auch bei der Software dürfte im vollen Jahr 2006 weiter anhalten, der Markt zeigt noch keine Sättigungstendenzen. Die Markforscher sehen Storage-over-IP und besonders iSCSI als das am schnellsten wachsende Segment des Speichermarktes.

Zugpferd Storage-over-IP

Storage-over-IP setzt sich im allgemeinen aus drei Protokollen zusammen: Fibre Channel over IP (FCIP), Internet SCSI (iSCSI) und Internet Fibre Channel Protocol (iFCP). Die IETF-Arbeitsgruppe (Internet Engineering Task Force) beschäftigt sich mit der Ethernet-Anbindung von Speicherumgebungen über FCIP (Fibre Channel over IP) und iSCSI. Beide Technologien nutzen TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) als Basis für darüber liegende Speicherprotokolle. TCP stellt einen zuverlässigen, verbindungsorientierten Transportdienst für IP bereit. Dieses Protokoll bietet Mechanismen, mit denen logische Verbindungen zwischen Geräten hergestellt, aufrechterhalten und beendet werden können. Außerdem ermöglicht TCP die zuverlässige Übertragung mit Datenflusssteuerung, Quittierung und erneutem Senden sowie Netzwerkverbindung für mehrere Datenströme (Multiplexing).

"Speichersysteme auf Basis des Internet-Protokolls wachsen stark in Europa, besonders durch den Trend zu kostengünstiger Speicherkonsolidierung, wachsendem Bedürfnis nach Datensicherung sowie Datenreplikation an entfernte Lokationen", stellt Aad Dekkers, Vorsitzender der Storage Networking Industry Association (SNIA) Europe, fest. "IP Storage machte in den letzten Jahren wichtige Fortschritte auf mehreren Ebenen. Seitens der Standards wurde das iFCP im letzten Jahr durch die IETF als RFC4172 ratifiziert, nachdem bereits in 2004 FCIP als RFC3821 sowie iSCSI in 2003 als RFC3720 ratifiziert wurden. Zusätzlich unterstützt die letzte Version der Storage Management Initiative Specification (SMI-S 1.1) iSCSI."

In 2005 wuchs auch der Markt für IP-basierte Speichernetzwerke (Storage Attached Networks, SAN). "Wir erwarten ein beschleunigtes Wachstum im laufenden Jahr, denn iSCSI-basierende SANs werden weiterhin direkt angebundene Speichersysteme (DAS) im Windows-Umfeld ersetzen und erschwingliche IP-SANs werden von mehr Anbietern für weitere Umgebungen wie Unix und Linux erhältlich sein", ergänzt David Dale, Vorsitzender des SNIA IP Forums. "Viele Analysten sehen iSCSI jetzt als hauptsächliche SAN-Lösung für geschäftskritische Windows-Server-Umgebungen in mittleren und großen Organisationen."

"Storage Attached Networks haben sich mittlerweile als Speichertechnologie durchgesetzt. Eine der wichtigsten Anforderungen, um aus einem Speichernetz den größtmöglichen Nutzen zu ziehen, ist die Erweiterung der Zugriffsmöglichkeiten auf das SAN um weitere Protokolle. Relativ neu ist die Verwaltung von Storage-Netzen über das Internet Protokoll", weiss Manfred Mörtl, Internetworking Consultant bei Cisco Systems.

iFCP ist ein Gateway-Protokoll, das die unteren Schichten des FC-Protokolls durch TCP/IP ersetzt. Es liegt zwischen FCIP und iSCSI. Hinter speziellen Gateways befinden sich SANs oder SAN-Komponenten. Das Gateway terminiert eine FC-Sitzung und wandelt sie über das iFCP in eine TCP/IP-Sitzung um. iFCP verkapselt die Fibre Channel Frames, um sie über eine IP-Infrastruktur zu übertragen. Die Verwaltung der verkapselten Fiber-Channel-Datenpakete erfolgt mittels TCP/IP. Das Protokoll erlaubt ein Routen der Fibre Channel Frames zur Zieladresse.

Bei FCIP werden die FC-Daten in IP-Pakete gepackt, über IP-Netze übertragen und am Zielort wieder entpackt. Bisherige Entfernungsbeschränkungen zwischen Fibre-Channel-Infrastrukturen werden aufgehoben. Hauptanwendungsbereiche sind Datenspiegelung und Backup an entfernten Standorten. Durch Verbindung von SAN-Inseln mit LAN-, MAN- oder WAN-"Tunneln" via IP lassen sich große Entfernungen überbrücken. FCIP ist transparent für alle Fibre-Channel-Protokolle, so dass auch andere Daten übertragen werden können.

Das ausgereifteste Verfahren für Storage-over-IP ist iSCSI (Internet SCSI). Es verpackt SCSI-Daten in TCP/IP-Pakete. Die SCSI-Kommandos werden direkt über das IP-Netz geschickt, was das Arbeiten mit blockweise strukturierten Daten ermöglicht. Der gesamte Speichertransfer läuft über die TCP/IP-Infrastruktur; andere Formen des physischen Transports müssen also nicht unterstützt werden. iSCSI nutzt alle vorhandenen Ressourcen und wird durch neuere NIC-Karten mit Netzwerkprozessor noch schneller.

"Unsere Switches/Router wie das MDS 9000 IP-Storage-Servicemodul unterstützen simultan iSCSI und FCIP auf jedem Gigabit-Ethernet-Port. Anwender können sich so für jede Kombination von FC-, iSCSI- und FCIP-Technologien entscheiden, wenn sie ein SAN aufbauen oder erweitern wollen", so Cisco-Consultant Manfred Mörtl.

www.gartner.com
www.idc.com
www.snia-europe.org
www.cisco.com/global/DE


"Hitachi Data Systems bietet bereits seit Jahren Storage over IP an. Wir stellen unseren Kunden alle Vorteile von SAN, NAS und iSCSI in ein- und demselben Speichersystem zur Verfügung. Die TagmaStore Produktreihe von Hitachi bietet die wichtigsten Vorteile von NAS und iSCSI (kostengünstige und einfache gemeinsame Verwendung von Dateien über IP) sowie von SAN (hohe Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und Performance). Daten werden entweder auf hochperformanten FC- oder kostengünstigen S-ATA-Disks abgelegt - Storage Administratoren können nun entscheiden, wie auf diese Daten zugegriffen werden kann: Über iSCSI, FibreChannel oder NAS. Konfiguration und Management der Hitachi Produktreihe erfolgen über ein easy-to-use GUI." - Horst Heftberger, Sales Director von Hitachi Data Systems Österreich, www.hds.com/at


Standardisierungsinitiative für Speichersysteme

Dell, EMC, Intel und LSI Logic haben eine Initiative zur Standardisierung von Storage Arrays ins Leben gerufen, die Storage Bridge Bay Working Group.

Mit der Storage Bridge Bay Working Group (SBB) wollen die Unternehmen die Standardisierung von externen Einstiegs-Storage-Systemen vorantreiben. Dabei soll vor allem auch der Einsatz von Technologien wie iSCSI, SAS sowie von Archivierungs- und virtuellen Bandlaufwerken gefördert werden. Zunächst entwickelt die SBB Storage-Spezifikationen und definiert verbindliche Interface-Anforderungen für Storage Arrays und Controller-Karten, unabhängig davon, ob sie auf JBOD (Just a Bunch of Disks), RAID, iSCSI, Fibre Channel SAN oder NAS basieren. Dadurch wird jeder SBB-Controller kompatibel zu jedem SBB Storage Array. Unterstützt werden die Gründungsmitglieder von führenden Storage-Anbietern wie Adaptec, AMCC, Aristos Logic, Dot Hill Systems Corp., Neterion, RASILIENT Systems, Seagate und Xyratex.


Neue Produkte

Mit dem EMC Connectrix MDS 9513 Director bietet EMC eine Lösung zur Konsolidierung und Unterteilung von SANs in verschiedene Speicherebenen (Tiered Storage). Der neue Director ist auf bis zu 528 Ports mit Übertragungsgeschwindigkeiten von einem, zwei oder vier Gigabit/Sekunde (Gbps) sowie bis zu 44 Ports mit zehn Gbps skalierbar. Zudem unterstützt die OEM-Version des Cisco MDS 9513 Directors verschiedene Protokolle wie Fibre Channel, iSCSI, FICON und FCIP. Gleichzeitig kündigt EMC neue Fibre Channel Switching Module mit Übertragungsgeschwindigkeiten von vier und zehn Gbps für die Connectrix MDS 9000-Produktfamilie an.

Mit dem System Storage N5000 hat IBM im Mai eine NAS Gateway-Lösung aus der Partnerschaft mit Network Appliance vorgestellt. Es handelt sich um eine "Brücke" zwischen SAN- und NAS-Umgebungen besonders für mittelständische Anwender. Das Gateway verbindet NAS, SAN und iSCSI unter einer gemeinsamen Architektur mit Unterstützung von Unix-, Linux- und Windows-Fileprotokollen wie auch iSCSI-Blockprotokollen. Die N Series-Gateways kommen in zwei Modellen (N5200 und N5500) mit redundanten, im Betrieb austauschbaren Komponenten, 8-Gigabit-Ethernet- und Fibre-Channel-Ports sowie über 30 verschiedenen Softwarefeatures, angefangen vom Data ONTAP-Betriebssystem bis hin zu Snap-Lösungen. Die Modelle skalieren von 50 bis zu 84 Terabyte Datenkapazität und unterstützen heterogene Speichersubsysteme, beispielsweise das IBM System Storage DS4800 und DS8000, aber auch Speicherprodukte anderer Hersteller.

Dell startet neue Storage-Array-Serie: Die neue UltraScale-Serie von Dell besteht aus den drei Midrange-Storage-Arrays CX3-20, CX3-40 und CX3-80, basierend auf einer 4-Gigabit-Front- und -Backend-Architektur. Die CX3-20, CX3-40 und CX3-80 können mit bis zu 480 Festplatten unterschiedlicher Technologie ausgestattet werden - das ergibt eine maximale Speicherkapazität von 239 Terabyte. Darüber hinaus unterstützen die Systeme 256 hochverfügbare Hosts sowie Fibre Channel und iSCSI. Zur Software gehören u. a. die Management-Lösungen EMC Visual SRM, Visual SAN und PowerPath sowie EMC Navisphere Manager Suite zur internen wie auch externen Datenreplikation (Mirroring und Snapshots). Eine umfangreiche Auswahl an Host Bus Adapter (HBA)-Karten,4-Gigabit-FC-Switches und entsprechenden Dienstleistungen soll die SAN-Installation vereinfachen.

Network Appliance präsentierte unlängst seine neuesten Storage-Flaggschiffe: Die Modelle der NetApp FAS6000 Serie mit bis zu 500TB Kapazität sind hinsichtlich Performance und Skalierbarkeit die bislang leistungsfähigsten unter den NetApp Systemen. Die FAS6000 Serie besitzt ein modulares Storage-Design. Dadurch sind die Systeme einfacher und ganz nach Bedarf zu implementieren. Die FAS6000 Serie eignet sich vor allem für Storage-Konsolidierungen im großen Stil. Die FAS6070 unterstützt bis zu 1.008 Festplattenlaufwerke, die FAS6030 skaliert auf 840 Laufwerke, so dass pro System Hunderte von Terabyte Kapazität möglich sind. Beide Modelle verfügen über eine breite Fibre Channel- und Gigabit Ethernet-Connectivity, die dank integrierter PCI Express- und PCI-X-Erweiterungs-Slots und integriertem remote LAN-Management noch gesteigert werden kann.


Windows Storage Server 2003 R2 mit iSCSI SAN Boot

Microsofts Windows Storage Server 2003 R2 enthält zahlreiche neue Funktionen für die Suche, das Backup und das Kopieren von gespeicherten Daten, Desaster Recovery sowie Integration in SANs.

Um den Software-basierten SAN Boot von Windows bereitstellen zu können, arbeitet Microsoft mit Server-OEMs, Netzwerk-Hardware-Händlern sowie Anbietern von Bild-Management-Lösungen zusammen. Folgende Partner bieten iSCSI Software an, die sich über SAN booten lässt: ATTO Technology, Azaleos, Brocade, Cisco, Compellent, Crossroads, Dell, EqualLogic, FalconStor, Fujitsu, Hitachi, HP, Intransa, Lefthand Networks, QLogic, NEC, Network Appliance, Nimbus Data Systems, SanRAD and Sun Microsystems.

www.microsoft.com/windowsserversystem/wss2003/default.mspx

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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