Klaus Lorbeer
Der Markt der Digitalprojektoren, kurz auch Beamer genannt, entwickelt sich prächtig in Europa. Nach Angaben des amerikanischen Marktforschungsunternehmens DTC (Digital Tech Consulting) wurden im ersten Quartal 2005 in der EMEA-Region (Europa, Naher Osten und Afrika) noch 363.652 Geräte verkauft. Dieses Jahr gingen im ersten Quartal bereits 439.421 Beamer über die Ladentische, davon nicht ganz 5.200 Stück in Österreich.
Allerdings sind Beamer nicht gleich Beamer. Je nach Einsatzgebiet sind etwas andere Eigenschaften gefragt. Projektoren im Heimbereich - Stichwort "Home Theater" - sollten einen hohen Kontrastwert aufweisen, die Lichtstärke ist nicht so wichtig, da die Geräte üblicherweise in verdunkelten Räumen eingesetzt werden. Ganz anders verhält es sich bei der geschäftlichen Nutzung von Projektoren: Wer Powerpoint-Präsentationen, Software-Demos und dergleichen mehr in Konferenzsälen oder herkömmlichen Büroräumen auf die (Lein-)Wand projiziert, der benötigt besonders lichtstarke Beamer. Fürs Heimkino sind 1.000 ANSI-Lumen durchaus ausreichend, im Business-Einsatz sollten es doch 2.000 oder 3.000 ANSI-Lumen sein. Im Highend bei fixinstallierten Konferenzraumprojektoren gibt es sogar Geräte, die eine Lichtstärke von 10.000 ANSI-Lumen aufweisen.
Welche Technologie wofür
Die gegenwärtig am meisten verbreiteten Technologien bei aktuellen Projektoren sind LCD (Liquid Crystal Display, Flüssigkristall-Display) und DLP (Digital Light Processing). Die Funktionsweise eines LCD-Projektors ähnelt einem Diaprojektor, jedoch wird anstelle des Dias das Licht durch drei (für jede Grundfarbe - Rot, Grün, Blau - eines) kleine, transparente Flüssigkristallelemente projiziert. LCD-Beamer sorgen durch die scharfe Abgrenzung der Bildpunkte für eine gute Darstellung von Texten und Grafiken. Allerdings wirkt sich bei LCD-Projektoren die als Gitter wahrnehmbare Kristallstruktur störend aus. Zudem tun sich LCD-Projektoren auf Grund des immer durchscheinenden Lichts bei der Darstellung von Schwarz schwer. Manche Hersteller bauen deswegen eine Irisblende ein, die die Lichtmenge je nach dargestellter Szene verkleinert oder vergrößert. Michael Vogt, Produktmanager Imaging & Printing bei HP, erachtet die Irisblende nur für statische Projektionen, wie PowerPoint-Slides für geeignet. Im Heimkinobereich rät Vogt die Irisblende auszuschalten, da sie beim schnellen Szenenwechsel oft nicht mitkommt, weswegen sich HP bei ihren Projektoren auch für die DLP-Technik entschieden hat.
Diese Technologie wurde von Texas Instruments entwickelt und fußt auf Chips, die aus hunderttausenden mikroskopisch kleinen, kippbaren Spiegeln bestehen. Durch elektrische Impulse werden die Spiegel gekippt und das Licht entweder zur Projektionsoptik hin- oder davon weggelenkt. Helligkeitsabstufungen werden durch mehr oder minder schnelles Pulsieren erreicht. Üblicherweise verwenden die DLP-Projektoren ein sich schnell drehendes Farbrad, bei dem hintereinander alle drei Grundfarben projiziert werden. Ist die Umdrehungsgeschwindigkeit des Farbrades zu niedrig, kann es zu dem so genannten "Regebogeneffekt" kommen, der sich bei kontrastreichen Bildern oder Schwenks in Form von farbigen Rändern bemerkbar macht.
Im Vergleich zu LCD-Beamern bieten die DLP-Geräte einen höheren Kontrast und ein schwärzeres Schwarz. Sowohl bei DLP- als auch LCD-Projektoren kommt es bedingt durch den Lüfter zu einer Geräuschentwicklung, die ungefähr jener eines PC entspricht und besonders im Heimkinobereich störend wirkt.
Hersteller von LCD-Projektoren sind unter anderem Canon, Epson, Hitachi, NEC, Panasonic, Sanyo, Sony, auf die DLP-Technik setzen Hersteller wie Acer, Benq, HP, Infocus, Sharp, Toshiba.
Mit LCOS in die Zukunft
Eine neue Technologie im Beamer-Geschäft ist LCOS (Liquid Crystal on Silicon). LCOS kombiniert die LCD- mit der DLP-Technik, indem sich direkt hinter dem LCD-Element ein Spiegel befindet, wodurch die Optik der DLP-Variante ähnelt. Zudem gibt es fast keine Abstände zwischen den Bildelementen mehr, mit dem Ergebnis, dass der "Maschen-" oder "Fliegengittereffekt" wegfällt.
Einer der ersten LCOS-Anbieter ist Canon, im Projektorgeschäft ein Newcomer. Michael Lukschander, Bereichsleiter bei Canon Consumer Imaging (CCI), sieht die Vorteile der LCOS-Geräte in der besseren Schwarzdarstellung und der höheren Auflösung. Mit dem XEED SX60 (ca. 4.200 Euro) und SX6 (ca. 6.000 Euro) hat Canon Beamer mit SXGA+-Auflösung (1.400 x 1.050 Pixel) auf den Markt gebracht. Als Zielmärkte für LCOS-Projektoren nennt Lukschander den Messe-, Kultur- und CAD-Bereich. Wer keine so hohe Auflösung benötigt, für den hat Canon den XGA-Projektor X600 (1.024 x 768 Pixel; ca. 3.300 Euro) im Programm. Der Kontrast liegt bei allen drei Geräten bei 1.000:1, die Lichtstärke bei 3.500 Lumen.
Für das Business-Segment, wo vor allem Powerpoint-Folien projiziert werden, hat Canon allerdings auch LCD-Projektoren im Portfolio. Im Vergleich zu LCOS-Projektoren liegt ein Vorteil der LCD-Beamer im Preis. Lukschander: "Der Anschaffungspreis von LCD-Beamer liegt ungefähr zwischen 1.500 und 3.000 Euro, die LCOS-Beamer von Canon kosten zwischen 2.500 und 6.000 Euro." Dabei ist Canon nicht der teuerste Anbieter. Weitere Produzenten von LCOS-Beamern sind Hitachi, JVC und Sony. Die Preise reichen bis 10.000 Euro.
Kleine und leichte Beamer sind gefragt
"Das am stärksten wachsende Marktsegment ist der Mobility-Bereich", sagt HP-Produktmanager Michael Vogt. Bei HP betrage der stückzahlenmäßige Anteil tragbarer Beamer bereits 50 Prozent. Die andere Hälfte machen die Crossover-Produkte aus, die vor allem für das Business-Umfeld gedacht sind, aber auch im Heimbereich eingesetzt werden können. (Der XP7000 (ca. 2.300 Euro) bietet z.B. einen Kontrast von 2.500:1 und eine Lichtstärke von 3.500 ANSI-Lumen.) Auf Grund ihres höheren Anschaffungspreises liegen die mobilen Projektoren beim Umsatz laut Vogt mit 70 Prozent Anteil am HP-Beamergeschäft klar vorn. So kostet ein Beamer der 6300-Serie rund 700 Euro, ein tragbarer Projektor wie der MP2200 (XGA-Auflösung, 2.000:1 Kontrastverhältnis, max. 1.400 ANSI-Lumen, 1,1 kg) kostet mit 1.349 Euro allerdings knapp doppelt so viel.
Gegenwärtig gibt es noch einen großen Nachteil bei den mobilen Projektoren: Mit den erwähnten Technologien ist ein Akkubetrieb unmöglich. Selbst der kleine MP3135 von HP, der in jede Notebooktasche passt, muss letztlich an eine Steckdose angeschlossen werden, was wiederum die Mobilität einschränkt.
Mit LED-Beamern soll allerdings ein Akkubetrieb möglich werden, blickt Vogt in die Zukunft und prophezeit dieser Technik letztlich eine größere Zukunft als den LCOS-Projektoren. Obgleich es bereits erste LED-Projektoren von Samsung und Toshiba gibt, schätzt Vogt die LED-Technik für Beamer ungefähr in einem Jahr als massenmarktreif ein. Michael Lukschander von Canon ist da skeptischer. Seine Meinung: "LED wird noch Jahre brauchen."
Die Zukunft: Akkubetriebene Beamer für Handy und Notebook
Die Möglichkeiten der LED-Technik sind jedoch verlockend: Sie erlaubt den Bau miniaturisierter Beamer, die beispielsweise in Notebooks oder Handys untergebracht werden können. Der Stromverbrauch ist mit 10 Watt äußerst gering, ein Akkubetrieb kein Problem. Zudem sind die LEDs gegen Stöße unempfindlich und haben eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Die Lampen gegenwärtiger Projektoren kosten zwischen 400 und 500 Euro und haben eine Lebensdauer von 2.000 bis 4.000 Stunden, die zudem durch Erschütterungen verkürzt wird.
Andreas Bräuer, Leiter der Abteilung für Mikrooptische Systeme am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik, vergleicht die Qualität der LED-Beamer mit jener von Flachbildschirmen. Allerdings ist die Lichtstärke laut Bräuer nicht so gut wie bei herkömmlichen Beamern, und wird diese wohl auch nie erreichen. Dadurch wird die Bildgröße auf DIN-A2-Format, also auf die normale Fernsehgröße, beschränkt. Damit eignen sich die LED-Beamer zwar nicht als Fernseher-Ersatz, aber, so Bräuer: "Als Zweitfernseher sind die handygroßen Geräte jedoch optimal." (Alle Preise inkl. MwSt.)
Fragmentierter österreichischer Beamer-Markt
Die Marktführerschaft in Österreich hat nach Erhebungen des amerikanischen Marktforschungsinstituts DTC Benq mit knapp 17 Prozent Marktanteil vor NEC (12,9 Prozent) inne. Die Nummer Eins in EMEA heißt allerdings Epson (12,1 Prozent Marktanteil), dicht gefolgt von Benq (10,3 Prozent Marktanteil). Während die Top-10-Hersteller in EMEA rund drei Viertel des Marktes ausmachen, tun sich die bekannten Markenhersteller in Österreich noch schwer. Hierzulande beträgt der Marktanteil der Top-10-Hersteller rund 65 Prozent.




7/2011
6/2011
5/2011


