Das muss man sich einmal vorstellen: Die US-amerikanische National Security Agency (NSA) hat bei einem jährlichen Budget von 3,6 Milliarden Dollar 21.000 Mitarbeiter, die hauptsächlich mit dem Abhören, Katalogisieren und Interpretieren von Telefonie- und E-Mail-Daten beschäftigt sind. Jüngst trat vor einer empörten Öffentlichkeit zu Tage, dass der Geheimdienst die Telefondaten von Millionen von US-Bürgern aufzeichnet, wobei Präsident George Bush dies wie üblich mit "Terrorverhütung" entschuldigte.
Das Problem dahinter ist tatsächlich nicht, dass Geheimdienstler hier redlich versuchen, Komplotte gegen die USA aufzudecken, sondern die zahlreichen möglichen "Nebenprodukte" der Telefonie- und E-Mail-Aufzeichnungen. Mit schlauer Software können die NSA genauso wie zahlreiche andere Dienste auch aus den gewonnenen Telefoniedaten "Kommunikationsnetzwerke" darstellen. Es lässt sich untersuchen, wer wann, wie oft, wohin, wie lange und mit wem kommuniziert hat.
Auf der Basis dieser Daten lässt sich nicht nur das Kommunikationsverhalten von Einzelpersonen, sondern von ganzen Organisationen rekonstruieren. Für eine Firma bedeutet dies, dass die interne und die Kundenkommunikation nachvollzogen und so etwa ein Bild über die wirtschaftlichen Aktivitäten eines Unternehmens bis hin zur Wirtschaftsspionage gemacht werden kann. Desgleichen bei einer Anwaltskanzlei, einer Ordinationsgemeinschaft von Ärzten, einer Redaktion, einer politischen Körperschaft. Spionage auf Knopfdruck sozusagen.
In Österreich soll noch heuer die EU-Richtlinie zur so genannten "Vorratsdatenspeicherung" umgesetzt werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel Mobilfunk-Anbieter ihre Telefoniedaten im schlimmsten Fall bis zu zwei Jahre lang aufbewahren müssen, um sie der Exekutive zugänglich machen zu können. Auf richterlichen Befehl, wohlgemerkt, so verlangt es der Datenschutz. Aber man weiß ja nie, wo sich der Staat hier seine Selbstbeschränkung setzt und welche Zufallstreffer bei den hochspezialisierten Untersuchungstools alle möglich sind...



1/2012
8/2011
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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 