Herr Karner, die KTW Group hat mit ihrer aus der C.I.S. AG hervorgegangenen Tochter Semiramis Software AG und der damit verbundenen Unternehmenssoftware "Semiramis" im vergangenen Jahr den Umsatz gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Worauf führen Sie die erhöhte Nachfrage bzw. den Erfolg zurück?
Semiramis ist ein junges Produkt, das von Grund auf neu entwickelt wurde. 2002 wurde es zum ersten Mal präsentiert. In den ersten Jahren konnten wir mit zahlreiche Interessenten überzeugen und dadurch auch starke jährliche Wachstumszahlen erzielen.
Aus welchen Kundensegmenten speist sich denn das dynamische Wachstum von KTW, welche Bereiche der Unternehmensgruppe profitieren am meisten?
Die KTW Group vertreibt und implementiert Unternehmenssoftware für Unternehmen vom kleinen bis hin zum gehobenen Mittelstand. Mittelständische Unternehmen bilden daher jenes Segment, dem wir die hervorragenden Wachstumszahlen zu verdanken haben. Da die KTW Group selbst ein Mittelstandsunternehmen ist, befinden wir uns auf gleicher Augenhöhe und kennen auch die Bedürfnisse unserer Kunden besser.
Spielen für Sie eher Kunden aus dem Inland oder aus dem Ausland die größere Rolle?
Die KTW Group ist seit Jahren multinational tätig. In dieser Zeit konnten wir zahlreiche Kunden im Ausland gewinnen. Heute stammt der Großteil unserer Kunden aus mitteleuropäischen Ländern.
Offenbar nimmt KTW jetzt verstärkt Kunden aus Süddeutschland ins Visier. Welche ungenutzten Potenziale kommen Ihnen in dieser Region denn zugute?
Süddeutschland ist bereits seit über einem Jahrzehnt ein Kernland für die KTW. Unternehmen in Mitteleuropa und vor allem auch in Österreich und Süddeutschland legen großen Wert auf ein gut organisiertes Unternehmen. Mit unserer nun bereits 20-jährigen Erfahrung bei der Einführung von Business-Software-Lösungen konnten wir viel Erfahrung im Consulting-Bereich sammeln, die unseren Kunden zu Gute kommt. Das wissen auch unsere Kunden und Interessenten aus dem süddeutschen Raum zu schätzen. Und so können wir unter anderem auf renommierte Kunden aus dieser Region verweisen wie: Playmobil, Sonax Autopflegemittel, John Toys, Exquisa, Seba Mess- und Ortungstechnik. Ungenutzte Potenziale sehen wir für uns immer noch den ostösterreichischen Bundesländern. Auch hier setzen wir starke vertriebliche Aktivitäten.
Mit ElectronicPartner hat sich eine marktführende, europaweit tätige mittelständische Unternehmensgruppe im Elektronikfachhandel, für Semiramis entschieden. Warum punktet KTW denn so gut beim Mittelstand?
Einerseits können wir mit unserer topmodernen Softwarelösung Semiramis punkten, die in vielen Bereichen anderen Produkten gegenüber einen Technologievorsprung hat. Und andererseits ist unsere Software mittlerweile so reif, dass wir ein Auswahlverfahren mit der gesamten Konkurrenz und einem Kriterienkatalog mit über 3.000 Punkten gewinnen können.
Welche Rolle spielt denn überhaupt das Branchen Know-how eines ERP-Anbieters. Wird dieser Aspekt nicht häufig überschätzt, da es am Ende doch meist sowieso auf standardisierte Lösungen herausläuft?
Früher hatten viele Unternehmen oder auch Branchen selbst entwickelte Software-Lösungen im Einsatz. Heute geht der Trend hin zu Standard-Software-Lösungen, aber auch vermehrt hin zu Branchen-Standard-Lösungen, da diese deutlich ausgereifter und umfangreicher sind. Mit Semiramis können wir eine Vielzahl von Branchen abdecken.
Wo liegen denn heute besondere Anforderungen den derzeitigen Markt für Enterprise Resource Planning (ERP-Produkte) betreffend?
ERP-Software muß vollkommen internetfähig, prozessorientiert, flexibel und im Betrieb kostengünstig sein. Nicht zuletzt sollte auch eine ERP-Software sehr bedienerfreundlich sein. Alle diese Punkte können wir mit Semiramis erfüllen.
Wie ist der aktuelle Entwicklungstand bei offenen ERP-Plattformen einzuschätzen, KTW setzt ja in einem erheblichen Umfang auf Java-Plattformen. Wann gibt es hier einen technologischen Durchbruch, noch verfolgen die Anbieter und Unternehmen ja relativ unterschiedliche Konzepte?
Insbesondere die SOA (Service orientierte Architektur) ist sicherlich zukunfts- und wegweisend, um ERP-Systeme offener, flexibler und damit austauschbarer zu machen. Somit wird ermöglicht, dass Integrationen noch effektiver und standardisierter werden. Mit Semiramis unterstützen wir all diese technischen Vorzüge. Der Durchbruch von JAVA ist bereits geschehen. Der Trend in Richtung SOA ist in der Zwischenzeit auch unaufhaltsam.
Sind generell neue Partnerschaften und Kundenpotenziale in Sicht?
Wie die aktuellen Zahlen der Wirtschaftsinstitute belegen, kommt der Aufschwung im für uns so wichtigen deutschen Markt wieder in die Gänge. Die Bereitschaft für neue Investitionen steigt wieder. Wir merken das auch am regen Interesse an unserer Software Lösung. Auch das ständig wachsende Partnernetzwerk, das gerade in den letzten zwei Monaten wieder um drei Partner (Kendox, IWKA, update Solutions) gewachsen ist, zeigt uns, dass auch IT-Spezialisten und ERP-Experten das Potential von Semiramis auf dem sich erholenden Markt nutzen wollen.
Seit kurzem ist die KTW Group "IBM Advanced Business Partner". Was versprechen Sie sich davon, etwa mit Blick auf die Einbindung komplementärer Softwarelösungen wie der internetbasierten Architektur IBM WebSphere?
Die KTW Group ist seit Jahren ein enger Partner von IBM und wurde für die Erfolge von IBM bereits mehrmals ausgezeichnet. Für uns war es daher eine logische Konsequenz auch weiterhin auf die Lösungen von IBM zu setzen und diese auch mit Semiramis zu koppeln. Neben der Auszeichnung von IBM erhielt die KTW Group übrigens vor kurzem auch eine große Auszeichnung von Cognos. Hier wurden wir als Shooting Star des Jahres ausgezeichnet. Die Einbindung von Websphere wie auch anderer diesbezüglicher Plattformen erweitert unsere Integrationsmöglichkeiten zum Nutzen aller Kunden.
Raten Sie Unternehmen generell lieber zum Betrieb einer ERP-Lösung in eigener Regie, oder können Sie auch guten Gewissens empfehlen, sich hier auf einen externen Outsourcing-Partner zu stützen?
KTW und Semiramis sind hier für all diese Ansätze offen. Die Entscheidung hängt je nach Wunsch, Ziel und Möglichkeit unserer Kunden ab. Das kann man nur im Einzelfall betrachten und beurteilen. Beides hat seine Vor- und Nachteile.
20 Jahre KTW: Erfolgreiche Zwischenbilanz
KTW wurde vor 20 Jahren in Bozen und Innsbruck gegründet und zieht im Jahr 2006 eine erfolgreiche Zwischenbilanz.
Das Unternehmen, das im Jahr 1986 als Start-up begonnen hat, beschäftigt heute unter dem Dach der KTW Group rund 250 Mitarbeiter an sieben Standorten. Das KTW-Rezept zum Erfolg lautet "Innovation und Kontinuität".
Der Ausgangspunkt der erfolgreichen Entwicklung der KTW war ein kleines Consulting-Unternehmen, bei dem vorerst die Beratung der Kunden bei der Organisation und der Optimierung ihrer Geschäftsprozesse im Mittelpunkt stand. Bereits im Jahr 1988 ist KTW eine Partnerschaft mit dem Wiener Software-Hersteller Sigma (AMS/4U) eingegangen. Seitdem implementiert und betreut KTW Unternehmenssoftware (ERP) bei seinen zahlreichen Kunden.
Der kontinuierliche Geschäftserfolg brachte auch ein stetiges Mitarbeiterwachstum mit sich. Aus diesem Grund und wegen der strategisch günstigen Lage zum bayrischen Raum entschloss sich die KTW-Geschäftsführung im Jahr 1990 zum Bau eines eigenen Bürogebäudes in Wörgl. Parallel zur KTW wurde 1995 die Denkfabrik C.I.S. Cross Industrie Software AG (jetzt Semiramis Software AG) in Hannover gegründet, die sich in den ersten Jahren ihres Bestehens mit der Grundlagenforschung, der Prototypenentwicklung bzw. mit dem Test neuer Technologien und deren Tauglichkeit für ERP-Systeme beschäftigte. Bereits 1997/98 hatte man dafür die objektorientierte Entwicklungssprache JAVA im Einsatz.
Ab Mitte 1999 begann man mit der Entwicklung von Semiramis mit dem Ziel eine neuartige ERP-Software zu schaffen, die 100 % Internet-basiert ist und die eine besonders menschengerechte Ergonomie bietet. 2002 feierte das erste Release von Semiramis, in Stufe eins als Handelsversion, seine Premiere auf der CeBIT. 2003 wurde KTW mit dem Hansjörg-Jäger-Zukunftspreis der Tiroler Wirtschaftskammer ausgezeichnet. Regelmäßig erhielt KTW den Award "IBM Partner des Jahres". Heute ist KTW ein multinational tätiges, mittelständisches Unternehmen. Insgesamt verfügt die KTW Group über sieben Standorte in Kirchbichl, Hannover, Wien, Brünn, München, Bozen und auf Malta.




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