In den letzten Jahren hat sich die Salzburger Vieh- und Fleisch-Vermarktungs GmbH aus Bergheim/Salzburg zum größten österreichischen Biofleischvermarkter entwickelt. Seit 1995 setzt SVV zur Steuerung und Überwachung der Material- sowie der Datenflüsse die Software des Branchenspezialisten CSB-System ein. In dem Erweiterungsbau sind nun die neue Zerlegung, Verpackung und das Versandlager untergebracht.
Die Abläufe von der Lebendviehannahme bis hin zur elektronischen Datenübermittlung von Liefer- und Herkunftsdaten verlaufen wie folgt: Den Anfang der innerbetrieblichen Rückverfolgung bildet die Erfassung bzw. der Abgleich der Tierpassdaten bei der Lebendviehannahme. Über diesen Abgleich wird die Rückverfolgungskette nahtlos an die des Vorlieferanten angeknüpft. Die bei der Annahme erfassten Informationen dienen direkt der Steuerung der weiteren Bearbeitung. So wird zum Beispiel bei Tieren mit entsprechendem Alter automatisch die Vorbereitungen für den vorgeschriebenen BSE-Test vom System getroffen. Es werden Prüfaufträge erzeugt und die dazu gehörigen Etiketten mit den Tierdaten erstellt.
Am nächsten Erfassungspunkt erfolgt die Zuordnung der Schlachtdaten zu der im System bereits vorhandenen Ohrmarke. Die bei der Fleischbeschau festgestellten Ergebnisse werden direkt an der Linie dem Schlachttier zugeordnet. Am Ende der Schlachtlinie erfolgt die Klassifizierung. Hier werden die Systeminformationen über die bis zu dieser Stelle mitgeführten Ohrmarke aufgerufen und ergänzt. Es erfolgt der Ausdruck der Klassifizieretiketten für alle Grobteile. Die Ohrmarke bleibt solange beim Schlachttierkörper, bis diese durch die Grobteiletiketten mit allen rückverfolgungsrelevanten Daten ersetzt wird.
Bei der folgenden Grobzerlegung ist somit für jedes Grobteil die Rückverfolgung sichergestellt. Innerhalb der Feinzerlegung werden zwei Abläufe unterschieden. Dies ist zum Einen die Bildung von Zerlegechargen, zum Anderen die Einzeltierzerlegung.
Bei der Chargenbildung wird durch die Scannererfassung der Teilstücke im Zerlegeeingang automatisch eine eindeutige Charge erzeugt. Diese eindeutige Charge wird dann am Warenausgang, an dem alle Ausgangsartikel etikettiert werden, den entstandenen Teilstücken und auch den Verarbeitungsmaterialien mitgegeben. Die zweite Zerlegevariante stellt die Einzeltierzerlegung dar. Diese Zerlegung ist in enger Zusammenarbeit mit dem SVV Kunden Spar aufgebaut worden.
Ein Mitarbeiter der Firma Spar sucht die für dieses Programm benötigten Schlachttiere aus. Diese werden am Zerlegeeingang wie bei der Chargenbildung gescannt. Dabei werden die möglichen Zerlegevarianten (Schnittführungen), die im System zu diesem Teilstück hinterlegt sind zur Auswahl angezeigt. Nach entsprechender Auswahl wird für alle Teilstücke der Feinzerlegung das Produktetikett mit allen "vererbten" Rückverfolgungsinformationen gedruckt. Der Mitarbeiter ist auch während der Zerlegung permanent anwesend und kann sich dabei von der ordnungsgemäßen Durchführung der Zerlegung überzeugen.
Die Etiketten werden ausgehend vom Zerlegeeingang permanent mitgeführt und sobald ein Teilstück fertig zugeschnitten ist, diesem aufgelegt.
Selbstverständlich war es dazu nötig den Ablauf der Zerlegung selbst auf diese Trennung der Grob- und Feinzerlegeteile hin anzupassen, um eine Vermischung oder Falschzuordnung auszuschließen. Die Teilstücke mit ihren Etiketten werden in Transport und Reifetüten verpackt und im neuen Versandkühlraum zur Kommissionierung bereitgestellt.
Die Kommissionierung erfolgt aufgrund von im System erfassten Aufträgen. Diese werden abgearbeitet, indem die Herkunftsinformationen von den Produkten gescannt werden. An dieser Stelle ist es nunmehr egal, ob es sich um eine Einzelzerlegung oder eine Zerlegecharge handelte, da in jedem Fall die RV Daten eindeutig zugeordnet sind.
Die Gewichte werden durch direkt angeschlossene Waagen den Auftragsposten zugewiesen. Nachdem der Warenausgang erfasst wurde, wird der Lieferschein gedruckt. Im Anhang an den Lieferschein wird ein Rückverfolgungsdatenblatt mit allen Herkunftsinformationen zu den im Kundenauftrag enthaltenen Fleischteilen ausgedruckt.
Auf Kundenwunsch werden diese Rückverfolgungsdaten auch vor der Anlieferung schon per EDI an den Kunden übermittelt, der nunmehr den Eingang der Ware gegen das Liferavis prüft. Eine für Zerlegebetriebe neue Form der Kommissionierung mit kundenindividueller Etikettierung ist in den Kommissionierablauf integriert und erhöht so den Umfang der möglichen Serviceleistungen.
Die Geschäftsleitung der Firma SVV, Herr Streitwieser, wies darauf hin, dass die Umsetzung der "neuen" EU Verordnung 178/2002 keine Herausforderung mehr darstellte, da durch die durchgängige Erfassung der Betriebsdaten und permanenten Abgleich mit der im System aufgebauten Herkunftsdatenbank diese Anforderung schon längst erfüllt war.
Des Weiteren stellte er positiv heraus, dass durch die straffe Strukturierung der Betriebsabläufe der Personalbedarf über das gesamte Unternehmen trotz steigender Produktion sehr stark reduziert werden konnte. Ebenso wurde die Kostentransparenz deutlich verbessert. Hier wurde beispielhaft die Einzeltierkontrolle, bei der alle Kosten sowie alle Erlöse eines Schlachttieres gegenübergestellt werden, aufgeführt.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 