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Strategien

Software-Industrie

Europäische Software-Lobby will sich in Brüssel Gehör verschaffen

Die europäische Softwareindustrie hat sich mit der European Software Association ein Sprachrohr nach Brüssel geschaffen. Ziel: Die Wahrung ihrer Interessen bei EU-Entscheidungsprozessen. MONITOR sprach mit dem Vorsitzenden Jeremy Roche, CEO der CODA-Group, über seine Visionen.

Alexander Hackl

Die European Software Association wurde im Oktober 2005 gegründet und versteht sich als Sprachrohr der unabhängigen europäischen Softwareindustrie (Independent Software Vendors - ISV). Ziel ist es, durch Lobbying auf EU-Ebene innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Softwareindustrie und damit auch Wachstum und Effizienz der gesamten europäischen Wirtschaft erhöhen. Insbesondere im Hinblick auf die Lissabon-Strategie der EU, wonach Europa bis 2010 zum dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt werden soll, komme der Softwareindustrie eine Schlüsselrolle zu, glaubt Jeremy Roche, Vorsitzender der Europäischen Software Association.

"Es gab keine spezifische Organisation, die das Software-Business auf europäischer Ebene vertrat. Und dies obwohl 50 Prozent der IT-Arbeitsplätze dem Software-Bereich zuzurechnen sind. In Brüssel fallen viele Entscheidungen, die Einfluss auf unser Business haben - man denke nur an die neue IT-Gesetzgebung. Viele europäische Softwareproduzenten haben die Auswirkungen der Gesetze nicht einmal verstanden, geschweige denn dass sie Einfluss auf die Entscheidungsfindung in den EU-Gremien gehabt hätten. Die European Software Association möchte sicherstellen, dass die Softwareindustrie zukünftig in diese Entscheidungsprozesse eingebunden ist", betont Roche.

Software ist Wachstumstreiber

Schon heute trage die Softwareindustrie wesentlich zu Wachstum und Beschäftigung bei und fungiere als Innovationstreiber für den gesamten IKT-Bereich. Dieser werde laut Analysten in den nächsten fünf Jahren in Europa zwei Millionen neue Jobs und zusätzliche Steuereinnahmen von 160 Milliarden Euro generieren. Mehr als die Hälfte dieser Steuereinnahmen werde auf das Konto des Software-Bereichs gehen. Europäische Softwareunternehmen seien auch die Vorreiter bei Forschungs- und Entwicklungsausgaben. 14 Prozent des gesamten R&D-Spendings gingen auf deren Konto, so Roche. Die Mitglieder der European Software Association geben an, bis zu 35 Prozent ihres Umsatzes in R&D zu investieren. "Neben der EU-Kommission als wichtigsten Ansprechpartner konzentrieren wir uns auch sehr stark auf den Bildungssektor. Wir unterstützen Bildungsinitiativen der Kommission und sind mit einer Reihe von Universitäten in Kontakt, um die spezifischen Ausbildungsanforderungen herauszuarbeiten, die für die europäische Softwareindustrie wichtig sind. Es wird geschätzt, dass unser Business in den nächsten vier Jahren Bedarf für 1 Million zusätzliche, spezifisch ausgebildete Absolventen hat. Die meisten Unternehmen, die Offshoring betreiben, tun dies nicht wegen der Kosten, sondern weil sie in Europa nicht genug qualifiziertes Personal finden können", so Roche.

Die European Software Association setzt sich auf EU-Ebene auch für die Einführung eines europäischen Datenaustausch- und Interoperabilitätsstandards für Geschäftssysteme ein, der die Belange der Softwareindustrie und der Nutzer berücksichtigt. Roche ist der Ansicht, dass das Fehlen solcher gemeinsamer Standards ein Hindernis für Europas KMU ist und dass die Industrie nicht in der Lage ist, diese selbst einzuführen. Als Konsequenz wurde die EU aufgerufen, die Führung bei der Entwicklung solcher Standards zu übernehmen und europäischen Softwareunternehmen so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Rest der Welt zu verschaffen.

Fokus auf KMU

Die European Software Association hat aktuell 32 Mitglieder aus 14 europäischen Ländern und repräsentiert alle wichtigen Software-Sparten. Aus Österreich haben sich aktuell Update Software und KTW der Vereinigung angeschlossen (siehe Kasten). "Wir wollen die Mitgliederzahl in den nächsten Jahren auf 50 bis 100 ausbauen. Insbesondere wollen wir KMU im IT-Business zu globalem Erfolg verhelfen und sie zum Wachstum animieren. Von den 300 größten Softwarefirmen kommen nur 30 aus Europa. Das ist zu wenig", findet Roche.

Auf der anderen Seite will Roche auch Europas KMU insgesamt zu einem stärkeren IKT-Einsatz animieren. Seiner Ansicht nach führen kleine und mittlere Unternehmen zu spät neue Technologien ein, obwohl das ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern könnte. "Hier kann insbesondere die Software dazu beitragen, IKTs zugänglicher und für Unternehmen aller Größen anwendbarer zu machen. Bei der richtigen Anwendung kann Software KMU proportional sogar größeren Nutzen als großen Unternehmen bringen. Sie können sich dann mit multinationalen Konzernen messen. Wichtige Partnerschaften und Kooperationen auf allen Ebenen der Zulieferkette werden möglich", ist Roche überzeugt.

Die Mitglieder der European Software Association

1C (Russland), Beta Systems Software AG (Deutschland), Bizitek (Türkei), Business Objects S.A. (Frankreich), Cartesis S.A. (Frankreich), CCS, S.A. (Spanien), CEGID (Frankreich), CODA Group (Großbritannien), Coretech (Türkei), Dassault Systèmes (Frankreich), Fenestrae B.V. (Niederlande), Hogia AB (Schweden), KTW (Österreich), Lexware GmbH & Co. KG (Deutschland), LogicaCMG (Niederlande), Logo Yazilim A.S. (Türkei), Mamut ASA (Norwegen), Microsoft (Frankreich), msg systems ag (Deutschland), Northgate Information Solutions (Vereinigtes Körnigreich), Oracle Corporation, Sage Group plc (Großbritannien), SAP (Deutschland), Selligent (Belgien), S.C. Info World S.R.L. (Rumänien), SkyRecon Systems (Frankreich), Totalsoft (Rumänien), Unicom (Tschechische Republik), Unit 4 Agresso (Niederlande), Update Software AG (Österreich), Version One (Großbritannien), @Road (Großbritannien).

www.europeansoftware.org

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Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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