Der drittgrößte heimische Mobilfunker One buttert derzeit Millionen in eine recht bemühte Werbung: Unter dem Motto "Weniger ist Mehr" wird dem Diskont-, Billig- und Geiz ist Geil-Wahn vordergründig der "Kampf" angesagt. Riesen-Trucks fahren über einen "Weniger"-Schriftzug, ein älteres Mütterchen zerklopft das "Weniger" mit ihrem Handtäschchen usw., alles sehr originell. Die Botschaft ist, dass Marke und Qualität wieder etwas wert sein sollen, nachdem die Preise für Mobiltelefonie zumindest im Inland zuletzt im Sturzflug gesunken sind.
Aber ach, zwei Seelen wohnen in der Brust von One. Denn gleichzeitig ist der Mobilfunker Österreichs größter Treiber von Diskont-Telefonie. Zum einen handelt es sich dabei um das bekannte Hofer-Angebot "Yesss!", bei dem man um acht bzw. neun Cent im Inland in alle Netze telefonieren kann; das bisher ungeschlagen günstigste Angebot der Branche mit einer hauchdünnen Vertriebsmarge.
Doch zusätzlich rappelt sich Konkurrenz aus den eigenen Reihen hoch: Mit dem neuen Anbieter "eety", einer 25-Prozent-Beteiligung von One, wird neuerdings Diskont-Auslandstelefonie für bestimmte ethnische Gruppen angeboten, bevorzugt für in Österreich lebende Türken, Kroaten, Bosnier, Serben, Russen usw., und das ebenso ab neun Cent. Netzkapazität kauft sich eety über One von den internationalen Carrier-Services, mit einer ebenso hauchdünnen Marge wie bei Yesss! soll sich dieses Geschäft für eety-Chef Karl Reisacher rechnen.
Für ihn ist die Diskontstrategie aber kein Widerspruch zur Qualitätsoffensive von One: Schließlich, meint Reisacher, gibt es die Low End/High End-Strategie auf der gleichen "Plattform" ja auch bei Autoherstellern wie z.B. VW. Schon wahr. Man sieht ja, wie VW derzeit um Bestand kämpft. Und das Wort "Kannibalisierung", nämlich die Selbstzerfleischung eines Markenkonzerns durch eine zu nahe beieinander liegende Mehrmarkenstrategie, könnte bald zur neuen Kategorie im Mobilfunk-Business werden.



1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 