Christian Henner-Fehr
Ein von Joanneum Research im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit verfasster und letztes Jahr veröffentlichter Bericht (Download unter dem Stichwort Innovationspolitik auf www.bmwa.gv.at) macht deutlich, dass Österreich sich in einer Umbruchphase befindet. Das Wachstum der Vergangenheit entstand durch eine hohe Investitionsneigung in allerdings eher traditionelle Branchen. Die Ausgaben in Forschung und Entwicklung hielten sich in Grenzen, denn die österreichischen Unternehmen setzten eher auf den "Import" von Forschungsergebnissen. Mittlerweile ist dieser "Catching up" Prozess an seine Grenzen gestoßen, resümiert Wolfgang Polt, der Verfasser des Berichtes.
Vor allem im Vergleich zu kleinen offenen Volkswirtschaften wie Finnland, Schweden oder Irland weist Österreich ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum auf. Aber die Aufholjagd hat begonnen. Anlässlich der Verleihung des Staatspreises für Innovation im letzten Monat hob Wirtschaftsminister Martin Bartenstein die Bedeutung von Innovation für die heimische Wirtschaft hervor. Österreich habe sich im europäischen Innovationsranking gegenüber dem Vorjahr von Platz 15 auf Platz 8 unter 32 Ländern vorarbeiten und die F&E-Quote auf 2,35% steigern können, so der Minister.
Verliehen wurde der Staatspreis Innovation an die Efkon AG (www.efkon.com), die einen neuen internationalen Standard für die Car-to-Car-Kommunikation gesetzt hat. Das Grazer Unternehmen zeigt, dass Innovation vielschichtig ist. Es geht nicht nur darum, ein Produkt zu entwickeln, sondern auch die Kunden dafür zu begeistern. Wer etwas Neues entwickelt, geht hohe Risiken ein, die mit den traditionellen Finanzierungsinstrumenten nicht mehr abgedeckt werden können. Bei Efkon haben Risikokapitalinvestoren den Aufstieg des Unternehmens möglich gemacht und gezeigt, dass diese Form der Finanzierung gerade für innovative Unternehmen in Betracht kommt.
Aber was verstehen wir unter Innovation eigentlich? Meist meinen wir damit einfach etwas Neues und dementsprechend inflationär wird der Begriff auch verwendet. Aber Innovation geht weiter, erläutert Klaus Woletz, an der Fachhochschule Technikum Wien (www.technikum-wien.at) als Studiengangsleiter für das im Herbst neu beginnende Masterstudium "Innovations- und Technologiemanagement" verantwortlich. Woletz beschreibt Innovation als das "Durchsetzen von Veränderungen" und beruft sich dabei auf den österreichischen Ökonom Joseph Schumpeter. Der spricht von einem "Prozess schöpferischer Zerstörung" und sieht den Unternehmer in diesem Zusammenhang als den Träger dieser Veränderungsprozesse.
Glaubwürdigkeit und Authentizität als Voraussetzung für Innovation
"Für mich beginnt Innovation im Kopf", erklärt Woletz seinen Zugang, bei dem der Kunde im Mittelpunkt steht, "denn der Kunde entscheidet, was Innovation ist". Häufig versuchen Unternehmen aber ihre Kunden zu manipulieren, um den Markt immer vorhersehbarer zu machen. "Wir wollen die selbsterfüllende Prophezeiung", so Woletz, aber das könne natürlich schief gehen, wie etwa das Beispiel Smart zeige. "Die Idee war, mit dem Smart ein Mobilitätskonzept verkaufen und nicht ein Auto. Aber die Kunden haben sich bis heute nicht überzeugen lassen."
Glaubwürdigkeit und Authentizität sind seiner Ansicht nach Voraussetzung für Innovation. Um diese vermitteln zu können, bedarf es einer Vielzahl von soft skills. Deshalb wird im Rahmen des neuen Master-Studienganges dem Thema Kommunikation große Bedeutung beigemessen. Denn die Veränderung muss nicht nur nach außen zu den Kunden, sondern auch nach innen, in Richtung der Mitarbeiter, kommuniziert werden. Auf sie ist ein Unternehmen angewiesen, wenn es sich weiter entwickeln will. Nur Unternehmen, denen es gelingt, Innovationsprozesse in Gang zu setzen und neuartige und erfolgsversprechende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, werden sich im wirtschaftlichen Wettbewerb behaupten können. Der Prozess von der Ideensuche bis zur erfolgreichen wirtschaftlichen Umsetzung von Innovationsideen erfordert die richtige Organisation, die Entwicklung einer Kultur für Erneuerung und eine erfolgreiche Umsetzung. Gefragt sind also Projekt- und Prozessmanagement, um die Veränderung im Unternehmen auch schaffen zu können.
Der Studiengang an der FH Technikum Wien ist technologisch auf die Bereiche Informatik und Robotik ausgerichtet, da diese bereits in der FH verankert sind. Ein Thema, so Woletz, könne etwa der Robotereinsatz im Pflegebereich sein. "Noch immer ist das Heben von Patienten ein großes Problem. Hier wird die Robotik Hilfestellung leisten können", ist Woletz überzeugt, auch wenn es derzeit noch keine Lösungen dafür gebe.
Auch Unternehmen finden verschiedene Beratungsangebote vor, die sie bei der Umsetzung innovativer Prozesse unterstützen. Da ist zum Beispiel das Projekt "NETWEIs für KMUs" (www.netweis.at). NETWEIs steht dabei für New and Emerging Technologies, Wege zur Erkennung und Implementierung und verfolgt das Ziel, "einen detaillierten Überblick über neue & zukünftige Technologien zu visualisieren, für sie relevante Technologien zu erkennen (und) dieses neu erworbene Wissen in ihre Innovationstätigkeit einfließen zu lassen", heißt es auf der Website. Insgesamt 25 Unternehmen kommen dabei in den Genuss einer "Pilotberatung". Eine erste Standortbestimmung erlaubt der eCheck, der auf der Website gratis zur Verfügung steht. NETWEIs wird im Rahmen der protec-INNO durch das BMWA gefördert, einem der Programme, mit denen die österreichische Regierung Innovation unterstützt.
Für Max Harnoncourt, geschäftsführenden Gesellschafter der Firma factline GmbH (www.factline.com), ist Innovation eine tägliche Herausforderung. Das Unternehmen, das sich auf das Thema verteilte Wissensarbeit spezialisiert hat und Lösungen für virtuelle Wissensgemeinschaften anbietet, ist als Partner an NETWEIs beteiligt und berät Unternehmen im Rahmen dieses Projektes. Innovation ist für Harnoncourt nur dann möglich, wenn ein Umfeld zur Verfügung steht, "in dem Prozesse neu gedacht werden können". Unternehmen können aber nur dann innovativ sein, wenn sie rechtzeitig erkennen, was sie verändern müssen.
Für Klaus Woletz ist das einer der wichtigsten Punkte, denn ein erfolgreiches Unternehmen muss seiner Meinung nach bereits auf der Höhe des Erfolgs mit der Veränderung beginnen, will es nicht scheitern. "Erfolgreichen Unternehmen nachzueifern, macht wenig Sinn. Viel hilfreicher ist es, sich anzuschauen, wo in diesen Unternehmen gerade Veränderung geschieht. Also zum Beispiel, von welchen Kunden sich die Firma trennt", rät Woletz davon ab, erfolgreiche Unternehmen einfach zu kopieren. Für Harnoncourt sind die treibenden Kräfte im Innovationsprozess einerseits die Kundenbedürfnisse, andererseits aber auch Ideen, die sich aus den technischen Möglichkeiten ergeben. "Interdisziplinäres Denken und ein hohes Maß an Kommunikation sind die Voraussetzung für unseren Erfolg", ist Harnoncourt überzeugt.
Innovation zu fördern, ist nicht leicht
Vor allem die Interdisziplinarität wird in Programmen wie protec-INNO gefördert. "Hier gehen Unternehmen Kooperationen ein, die sonst nie zusammen arbeiten würden", ist sich Harnoncourt sicher. Auf der anderen Seite bergen solche Programme auch Gefahren. Denn "der Staat kann nur fördern, was innovativ ist, weiß aber nicht, was innovativ ist. Demgegenüber stehen Unternehmen, die innovativ sind, die Innovation aber nicht beschreiben können, weil sie sie noch nicht kennen", verweist Harnoncourt auf einen Widerspruch, der sich nur schwer auflösen lässt.
Auch Thomas Weichselbaumer, Mitbegründer der W&A Weichselbaumer & Affenzeller Unternehmensberatung OEG (www.wunda.com), ist der Ansicht, dass es schwierig ist, mit Förderungen Innovation zu entwickeln. Er versteht Innovationen als "grundlegende Neuerungen, die einen revolutionären Charakter haben". Weichselbaumer geht es dabei vor allem um die gedankliche Ebene. Wer hier nicht frei sei, tue sich schwer mit der Innovation, glaubt er. Das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen mit Sitz in Wien bietet seinen Kunden Unterstützung bei der Erreichung innovativer Ziele.
Meist geht es dabei um das Thema Business Development. "Neue Märkte sollen erschlossen, Kompetenzen neu gebündelt werden, neue Produkte müssen entwickelt oder neue Kunden gefunden werden", listet Weichselbaumer Gründe auf, die Unternehmen zu ihm führen. "Wir haben den Außenblick und können grundlegende Dinge in Frage stellen", beschreibt er seinen Zugang. Und noch etwas hat das Duo, was die Kunden in der Regel nicht haben: Zeit. "Wir nehmen uns Zeit, für unsere Kunden kreativ zu sein und Dinge zu entwickeln, auf die sie mangels Zeit nicht kommen."
Weichselbaumer erkennt bei den österreichischen Unternehmen ein durchaus innovationsfreundliches Klima. Die Bereitschaft, sich auf neue Dinge einzulassen, habe in den letzten Jahren eindeutig zugenommen. Viele österreichische Unternehmen haben auf diese Weise erfolgreich Märkte erobern und Kunden gewinnen können. Ausruhen dürfen sie sich nicht, denn auch Weichselbaumer ist davon überzeugt: "Der größte Feind der Innovation ist der Erfolg." Die Kunst besteht darin, sich nicht mit den Erfolgen der Gegenwart zufrieden zu geben, sondern durch die Einleitung innovativer Prozesse für den Erfolg von Morgen zu sorgen. Keine leichte Aufgabe, wo wir doch Bequemlichkeit durchaus schätzen.




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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 