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Netz & Telekom

Kommentar von Conrad Gruber

REBOOT 5-2006

In Österreich neigt man ja dazu, IT-Umrüstungen in der öffentlichen Verwaltung wie z.B. die E-Card ein bisschen skeptisch zu sehen. Am Ende sind dann aber alle wieder glücklich.

Ein richtiger Watschentanz war es über die letzten Jahre, dem der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen bei der Einführung der E-Card ausgesetzt war. Nun gut, zeitweise hatten die Kritiker recht, die dem Verband Fehler und Verzögerungen vorwarfen; im Großen und Ganzen aber, so zeigt sich heute, hat es mit der E-Card letzten Endes trotz schwerer parteipolitischer Wirbelstürme (und eines überforderten US-Konzerns EDS im ersten Anlauf) ganz gut funktioniert. Mittlerweile sind tatsächlich 8,5 Millionen Karten ausgeliefert (ist ja nicht wenig) und 11.000 Ordinationen versorgt, täglich gibt es mehr als 500.000 "Geschäftsfälle", also Patientenkontakte. Das muss man sich einmal auf Papierbasis (Krankenschein) vorstellen!

Denn während der Hauptverband sich in der Projektphase nach außen dem Tageskampf mit den Kritikern stellen mußte, ging es im Hintergrund hoch her: Die einzelnen E-Card-Projekte wurden zeitgerecht abgewickelt, die IT-Infrastruktur funktioniert, und schön langsam gewöhnen sich auch die Bevölkerung und die Ärzte an den elektronischen Krankenschein, von ein paar bornierten Oberstudienräten ohne Internet-Anschluss abgesehen.

Aufatmen dürfen auch alle Zettel-Schlichter und Scheine-Abstempler im Hauptverband: Endlich können sie menschenwürdigeren Tätigkeiten zugeführt werden. Die Ärztekammer wiederum, anfangs mehr aus Eigeninteresse ein wilder Gegner des E-Card-Systems, will sich nun sogar dem E-Card-Intranet ("Peering Point") anschließen, weil sie erkennt, dass die damit mögliche elektronische Befundübermittlung doch auch eine gute und vor allem praktische Seite hat.

Das Projekt ist noch nicht zu Ende gedacht: Zum Schluss soll aus der eigentlich als Verwaltungserleichterung gedachten Einrichtung E-Card ein vollwertiges E-Health-System entstehen. Schön zu wissen, dass auch Österreich mit der Zeit zu gehen gelernt hat.

 

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REBOOT - Kommentar von Conrad Gruber

Kommentar von Conrad Gruber - Die Monatsrückschau auf den österreichischen IT-Markt.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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