Andreas Roesler-Schmidt
Richtiges Heimkino, darüber kann die Schwemme von LCD- und Plasma-TVs nicht hinwegtäuschen, ist am schönsten mit einem Projektor, der ein möglichst großes Bild an die Wand wirft und einer ordentlichen Surround-Anlage für den Ton. Ein DVD-Player ist im Normalfall die Quelle des Filmgenusses. Das reicht einerseits bereits für jenen Kabelsalat aus, der in manchen Wohnzimmern wohl für Diskussionen am Rande des häuslichen Friedens sorgt oder gar das Heimkino verhindert. Andererseits ist das Heimkino mit allen seinen Bestandteilen auch alles andere als tragbar, man muss in der Regel dort schauen, wo man es einmal platziert hat.
Optomas DV10 versucht den Nomaden unter den Heimkino-Fans eine tragbarere Alternative zu bieten, indem es alles nötige in ein (ca. 1200 Euro teures) Gehäuse packt: DLP-Projektor, DVD-Player und Lautsprecher verschmelzen zu einem Gerät, das dadurch zwar - insbesondere neben kompakteren Projektoren - etwas größer wird, aber mit 3,5 Kilo in der mitgelieferten Tasche durchaus tragbar bleibt. Das schöne daran: Es gibt ein einziges Kabel, nämlich das für den Strom. Kinoabend (oder soll man schon WM-gerecht Fußballabend sagen) bei Freunden? Optoma-Tasche nehmen, auspacken, an Strom anschließen. Dann noch Höhe, Zoom und Schärfe justieren und los geht's.
Für häufig wechselnde Bedingungen wurden praktischerweise für die Trapezkorrektur (die dafür sorgt, dass das Bild, das von unten projiziert wird, an der Wand dennoch gerade ist) feste Tasten auf der Fernbedienung belegt, so dass man im Normalfall nicht ins Menü muss. Die Fernbedienung steuert übrigens Projektor und Player gleichermaßen. Das Gehäuse wirkt robust genug, um häufigen Ortswechsel gut zu überstehen. Lediglich das Objektiv macht beim Scharfstellen einen wackeligen Eindruck, so dass man hier recht behutsam vorgehen muss.
Von den beiden internen Lautsprechern darf man keine Wunder erwarten, sie sind aber durchaus ausreichend, um die Projektorgeräusche zu übertönen - von leisen Kunstfilmen abgesehen. Projektor.at liefert zudem noch einen kleinen Subwoofer mit, der die Tiefen zwar kräftiger macht, aber im mobilen Einsatz wohl meist daheim bleiben wird - das "Eine Tasche Heimkino" Konzept ginge sonst nicht mehr auf. Im eigenen Heim wird man lieber eine Surroundanlage anschließen, aber fürs anderswo Filmeschauen reichen die Boxen. Das Bild des Beamers ist tadellos und glänzt durch hervorragenden Kontrast. Sicher, es gibt HD-Beamer - die man bei einer festen Montage bevorzugen würde. Aber viel HD-Material gibt's ja nicht. Höhere Auflösung wird sich der Optoma-Besitzer also vermutlich noch eine gute Weile lang nicht wünschen, zumal er ein wirklich scharfes Bild hat.
Letztlich geht es ums Gesamterlebnis: Zu faul, um im Wohnzimmer zu schauen - einfach ins Schlafzimmer mitnehmen. Fußball-Party bei Freunden - mitnehmen und auf deren kleinen Fernseher verzichten. Erstrecht bei Kinofilmen. Für den Freak mit fest installiertem Heimkino ist der DV10 nicht gedacht. Oder gibt es Heimkino-Freaks, die einen Zweitprojektor für unterwegs haben wollen? Diesen Gedanken verfolge ich lieber nicht weiter. Für alle anderen, die ihr Heimkino lieber als Mobilkino haben wollen, lässt sich - selbst wenn es dann doch nur zuhause benützt wird - sagen: Eine gute Hand voll Heimkino für eine Hand voll Euro.




7/2011
6/2011
5/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 