Adolf Hochhaltinger
In der Vergangenheit hat sich Allied Telesyn vor allem mit seinem System "Triple Play" einen Namen gemacht, das alle drei Informationsströme - Internet-Daten, Telefonie und Video - über ein gemeinsam genutztes IP-Ethernet-Netzwerk führt. Jetzt hat "der Welt kleinster Global Player" (wie sich Allied Telesyn scherzhaft, aber durchaus zutreffend charakterisiert) mit neu vorgestellten Lösungen zwei zusätzliche Anwendungsbereiche für IP/Ethernet-Netzwerke erschlossen.
IP-Netzwerk mit 360 km/h
Einen unterbrechungsfreien WLAN-Zugang auch bei hohen Geschwindigkeiten verspricht die neue "TenQ-Technologie. Sie ist bis zu 360 km/h erprobt und wurde für Anwendungen wie z. B. die Internet-Anbindung von Schnellzügen entwickelt. Aber auch die Polizei in Japan nützt bereits diese Technologie und erspart sich damit, jedes einzelne Polizeifahrzeug mit einer Videoaufzeichnung auszustatten. Statt dessen werden Bild und Ton der Bordkameras per TenQ-Technologie zur Polizeistation übermittelt und dort zentral aufgezeichnet. Und die Reisenden im japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen erhalten über TenQ einen unterbrechungsfreien Internet-Zugang.
Diese Lösung enthält auch sämtliche Komponenten, die für Aufbau und Betrieb eines AES-verschlüsselten flächendeckenden WLANs erforderlich sind: Wireless Base Stations (Access Point und Router) mit einer Reichweite von mehr als 20 km, mobile Router für den Einbau in Fahrzeugen sowie Infrastruktur-Komponenten wie Authentifizierungs-Server. Das System benötigt weder eine Satellitenverbindung noch UMTS, um eine Verbindung zwischen dem WLAN und dem Internet auszubauen, und funktioniert - im Gegensatz zu funkgestützten Systemen, die meist über UMTS laufen - auch in Tunneln. Der Anwender bewegt sich hier durch ein stationäres, aber weit ausgedehntes WLAN, dabei behält der mobile Router dank Layer-3-Routing immer seine eigene IP-Adresse.
Sogar beim "Roaming", also beim Übergang von einer Basisstation zur nächsten, ist ein unterbrechungsfreier Zugang zum Internet gewährleistet. Dies ermöglicht der "Home Agent Server", der die gesamte Kommunikation zwischen den mobilen Routern und dem Festnetz koordiniert und für jeden mobilen Router jeweils einen Netzwerktunnel zur nächstgelegenen Basisstation unterhält. Diese Basisstationen können auch in unwegsamem Gelände eingesetzt werden.
Als potenzielle Abnehmer für diese Technologie sieht Allied Telesyn beispielsweise europäische Eisenbahngesellschaften, die damit allen Reisenden den vollen Internet-Zugang bieten könnten, ohne dafür eine teure Satellitenverbindung buchen zu müssen.
Voice-over-IP auf Software-Basis
Eine eigene Voice-over-IP-Lösung war die zweite Neuheit, die im Rahmen dieser Veranstaltung vorgestellt wurde. Anders als Firmen wie Cisco, Avaya oder Nortel hat Allied Telesyn seine VoIP-Telefonanlage als reine Software-Lösung konzipiert. Dabei hat man sich für Wintel-Server als Hardware-Plattform entschieden.
Die Lösung "VioCall" wurde für Unternehmen mit 50 bis 30.000 Mitarbeitern konzipiert und bietet neben der klassischen Vermittlung von Telefongesprächen auch Features wie z. B. Telefonkonferenzen, das Aufzeichnen von Gesprächen oder Videofunktionen. Auf der Kommunikationsseite lässt sich die Anlage entweder über SIP-Trunking vernetzen oder über ein Gateway mit dem klassischen Telefonnetz verbinden. Eigene IP-Telefone ergänzen dieses Portfolio mit drei Modellen, vom einfachen Einstiegsmodell bis zum Executive-Telefon.
Die hierfür vorgesehenen Lösungen reichen vom VioCall Subscriber Connect für Provider über den Professional Connect für größere Unternehmen bis zum Express Connect für kleine Firmen. Auch eine Zertifizierung ("VioCall Ready") ist vorgesehen.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 