Beim Durchschreiten der Halle 12 kam man sich mitunter vor wie auf einem Elektronikbazar in Shenzhen: Der Riesenstand des neuen Netzwerk-Anbieters ZTE war wirklich nicht zu übersehen, daneben gab es ganze Zeilen kleinerer Stände mit Firmen wie zum Beispiel Beijing Huaqi Information, Yulong Computer, Anhui Tianxing Optical Fiber, Xiamen Xinglian Electronics oder Liaoyuan Jiuzhou Cybertech, Namen, die man sich in Zukunft wahrscheinlich merken wird müssen.
Was aber auch auffiel, war die gewisse Schamlosigkeit, mit der die Chinesen ihre Anleihen an der westlichen Technologie zur Schau stellten. Einer der Anbieter, der Name ging schnell wieder verloren, zeigte ziemlich gute Kopien von Apples iPod her, andere wieder recht gefällige, sicher nicht selbst entwickelte Skype-Telefone, andere wiederum hatten einen ganz guten Geschmack bei ihren No-Name-Handys, die den Markengeräten zumindest äußerlich kaum nachstanden.
Was schließt man also daraus? Die Chinesen drängen mit Nachdruck ins europäische IT- und Telekom-Business, und unsere momentane Geiz-ist-Geil-Mode unterstützt sie dabei. Denn soviel auch über die Arbeitsplatzvernichtung durch billige Klon-Ware aus China die Rede ist, dieser Wertverluste wird wenigstens durch die Möglichkeit für die europäischen Konsumenten, weniger Geld für elektronische Konsumgüter auszugeben, zum Teil wieder wettgemacht. Es ist halt ein komplexes Phänomen, diese Globalisierung.
Und China wird noch lange nicht der Atem ausgehen. Vielleicht wird den Chinesen irgendwann beim Know-how-Diebstahl auf die Finger geklopft werden, aber so lange es Abermillionen an leistungswilligen, billigen Arbeitskräften dort gibt, wird Europa nichts zu lachen haben. Das wird die gesamte IT-Branche nach und nach schmerzhaft zu spüren bekommen. Die Frage ist nur, wann es ihr in der ganzen Tragweite bewusst wird und welche Gegenstrategien dann überhaupt noch möglich sind.



1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 