Andreas Roesler-Schmidt
Es gibt einiges an Technik, das man heute auf Reisen mitschleppt: Laptop, Handy und PDA gehören praktisch zur Grundausstattung. Spätestens bei längeren Flügen kommt der MP3-Player dazu, enthält der Business-Trip auch Abendprogramm oder gar Freizeit bietet sich die Digicam an. Bluetooth-Headsets gehören auch fast schon zur Standardausrüstung. Wer jetzt mitgezählt hat weiß, es können locker fünf bis sechs Geräte im Gepäck stecken, die allesamt aufgeladen werden müssen, sollen sie unterwegs ihren Zweck erfüllen.
Da hört es sich an wie der Traum jedes Vielreisenden: Nur ein einziges Ladegerät für alle Geräte. Eine solche Lösung verspricht iGo mit dem Everywhere130. Das Prinzip ist dabei denkbar einfach. Immer gleich bleibt der klassische Stromadapter in der Mitte, an den Ein- und Ausgängen wird gewechselt. So lässt sich auf der einen Seite nicht nur der heimische Eurostecker sondern auch der US- (oder jeder andere) Stecker ebenso wie ein 12V-Autostecker anschließen.
Was auf der anderen Seite steckt, entscheidet man beim Kauf: Denn neben einem Kabel und ein paar Adaptersteckern ("Tips") für weitverbreitete Notebooks wählt man einfach die eigenen Geräte auf der iGo-Website aus und packt zusätzlich benötigte Tips dazu. Das so entstandene Set kommt dann in einem kleinen Reiseetui, in dem die Tips allerdings herumpurzeln - eigene Einsteckfächer wären eleganter gewesen. Egal, das Prinzip des Geräts ist wunderbar. Für neue Geräte werden auch neue Tips entwickelt, so dass das System mit der eigenen Gadget-Ausstattung mitwachsen kann (ein zusätzlicher Tip kostet rund 7 Euro).
Blöd nur, wenn unterwegs allen Geräten gleichzeitig der Saft ausgeht? Nein, denn der Clou ist der zum Test mitgelieferte Dualpower-Adapter. Dadurch lassen sich zwei mobile Geräte gleichzeitig aufladen, auch wenn sie mit unterschiedlichen Spannungen arbeiten.
Das erklärt letztlich auch den größten Nachteil des Systems: Der zentrale AC/DC-Adapter enthält in Wahrheit zwei Adapter und ist dadurch entsprechend groß und schwer. So durchdacht das System ist, so schnell relativiert sich das ganze in der Praxis: 2-3 einzelne Originalnetzteile nehmen vielleicht ein wenig mehr Platz weg, wiegen aber nicht mehr. Damit beschränkt sich der Nutzen fast schon auf längere Urlaubsreisen, bei denen man wirklich viel ladebedürftige Hardware mitschleppt. Denn auf den üblichen Business-Trips sollte selbst im Falle von mehrtägigen bis knapp einwöchigen Reisen eigentlich vom Notebook abgesehen jedes Gerät ohne Aufladen durchkommen, es sei denn man hat die falsche PDA/Smartphone-Plattform gewählt (womit der traditionelle Seitenhieb auf die Windows Mobile Plattform auch wieder mal seinen Platz in dieser Kolumne gefunden hätte).
Das ändert an der tadellosen Qualität des iGo nichts. Das Konzept mit den austauschbaren Tips ist wunderbar und wirft eigentlich die Frage auf, warum nicht einmal Notebooks eines Herstellers einen einheitlichen Stecker benützen. Hier sollte jeder, der mit dem Gedanken eines zweiten Netzteils (für Reisen/Home Office) spielt eigentlich alleine schon zum iGo greifen, um den Notebook-Herstellern in ihrer Steckervielfalt nicht auch noch Zusatzeinahmen zu verschaffen. Außerdem funktioniert iGO auch noch beim nächsten Gerät. Für mich persönlich ist es für Reisen einfach zu klobig, da ich außer dem Notebook eben nichts aufladen muss. Aber vielleicht mache ich ja auch nur zuwenig Urlaub.




1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 