Klaus Lorbeer
Der moderne Manager ist mobil und will auch von unterwegs E-Mails abrufen und versenden und auf das Inter- beziehungsweise Intranet zugreifen können. Damit die Mobilfunkanbieter mit den Möglichkeiten des Festnetzes mithalten können, sind höhere Up- und Download-Geschwindigkeiten gefragt. Ermöglicht wird dies durch die HSPA-Technik (High Speed Packet Access). Dieser UMTS-Turbo verspricht im Download (HSDPA - High Speed Downlink Packet Access) Datentransferraten von 3,6 Mbit/s. Auch der Upload (HSUPA - High Speed Uplink Packet Access) ist mit 384 kbit/s noch neun Mal schneller als GPRS. Gegenwärtig sind ausschließlich HSPA-PC-Karten für Notebooks erhältlich, die entsprechenden Handys sind für das erste Halbjahr 2006 angekündigt.
Am GSM Congress überraschte Clemens Joos, CEO von BenQ Mobile, mit der Ankündigung, das erste HSPA-Handy sechs bis acht Wochen vor dem Mitbewerb auf den Markt zu bringen. Das EF91 soll bereits im Juni verfügbar sein. Neben HSDPA ist das Klapphandy mit einer 3,2-Megapixelkamera mit LED-Blitz sowie einer zusätzlichen VGA-Kamera für Videotelefonie ausgestattet. Ein Preis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.
"Mit HSDPA wird zum ersten Mal der Breitband-Internet-Zugang ein wahrhaft mobiles Erlebnis", ist Gavin Patterson, Analyst bei dem auf die Telekommunikationsbranche spezialisierten Marktforschungsunternehmen Informa Telecoms & Media, vom Nutzen der neuen Technik überzeugt. In einem zweite Ausbauschritt soll zudem die Datenrate künftig auf 14,4 Mbit/s im Download und auf 5,8 Mbit/s im Upload hinaufgeschraubt werden.
Ob sich HSDPA auch bei den Kunden durchsetzen wird, hängt laut Pattersons Kollegen Devine Kofiloto auch von der Bepreisung der Dienste ab. Das auf das Festnetz fußende Breitband habe, so Kofiloto, erst durch die Einführung von Flatrates seinen Siegeszug angetreten. Die Mobilfunkanbieter haben Flatrates bisher vermieden. Den Vorteil der Mobilität ließen sie sich vom Kunden gut bezahlen. Von der Preisgestaltung der künftigen Dienste hängt jedoch die Akzeptanz ab, ist Kofiloto überzeugt.
Und die Fortschrittsspirale dreht sich rasant weiter HSPA ist noch nicht richtig am Markt, diskutieren Experten bereits Nachfolgetechnologien wie 3G LTE (Long-Term Evolution), auch als Super 3G bezeichnet. Diese Technik soll Downloadraten von 100 Mbit/s bieten und damit eine echte Alternative zum Festnetz darstellen. Mit der Verfügbarkeit dieser Technik ist nach Aussage des Marktforschungsunternehmen Analysys allerdings frühestens 2009 zu rechnen.
Datendienste als Gewinnbringer
HSPA ist extrem wichtig für die Branche, ist es doch die Grundlage für neue Services, von denen René Obermann, CEO von T-Mobile, am GSM-Kongress sagte, sie seien das wichtigste Unterscheidungsmerkmal in der Branche. Auch Thomas Ganswindt, Bereichsvorstand von Siemens Communications, sieht Umsatzzuwächse vor allem bei den Datendiensten. Ganswindt: "2008 wird es im Vergleich zu Festnetznutzern doppelt so viele Mobilfunknutzer geben, nämlich rund drei Milliarden." Der Siemens-Bereichsleiter erwartet sich hier in den nächsten vier Jahren ein Umsatzplus von acht auf fünfzehn Euro pro Handykunde.
Doch die Services reichen weiter als personalisierte Dienstleistungen und mobiler Internetzugriff: Ein hochgepushtes Thema am GSM-Kongress und auf der Cebit war "TV am Handy", auch wenn das ein Dienst ist, von dem Obermann nicht allzu viel hält. Kein Wunder: Anders als bei den schon länger verfügbaren Streaming-Lösungen (wo allerdings jede Menge Bandbreite benötigt wird), handelt es sich bei den neuen, miteinander konkurrierenden Technologien DMB (Digital Multimedia Broadcasting) und DVB-H (Digital Video Brodcast-Hendheld) um digitalen Antennenfunk, wo die Netze der Mobilfunkanbieter nicht belastet werden. (Streaming-TV wird in Österreich von der Mobilkom unter der Bezeichnung "A1 Live TV" angeboten. Besitzer streamingfähiger UMTS-Handys können dort Programme unter anderem der Sender ORF1 und ORF2, ATV+, CNN, MTV sehen.)
DMB ist bereits in Korea im Einsatz und wird von Unternehmen wie Samsung und LG unterstützt, DVB-H ist die Handy- und PDA-Version des kommenden terrestrischen digitalen Antennenfunks DVB-T (Digital Video Broadcast-Terrestrial), der in Österreich 2010 das analoge Fernsehen ablösen soll. Erste regionale beschränkte Regelbetriebe sind für dieses Jahr angekündigt.
Während DMB, das auf dem frequenzmäßig bereits festgelegten digitalen Hörfunk DAB (Digitas Audio Broadcast) beruht, maximal vier bis acht Kanäle unterstützt, lassen sich mit DVB-H etwa 30 Handy-TV-Programme realisieren. Allerdings stehen nicht überall die benötigten Frequenzen für DVB-H zur Verfügung, die in manchen Ländern erst durch Abschalten der analogen TV-Sender frei werden. DVB-H wird von Nokia unterstützt und wird unter anderem in Österreich, Tschechien, der Schweiz, Schweden und Finnland zum Einsatz kommen. Deutschland, Frankreich, Spanien oder Großbritannien experimentieren mit beiden Technologien.
Es wächst zusammen...
Wurde in den letzten Jahren viel über das Zusammenwachsen unterschiedlicher Bereich und Technologien geredet, wird dieses Versprechen jetzt vollzogen. Während Mobilfunkanbieter gestützt durch mehr Bandbreite künftig auch Dienste anbieten wollen, die bisher dem Festnetz vorbehalten waren - Stichwort Fixed/Mobile Convergence (FMC) -, dürfen sich die Festnetzanbieter über UMA (Unlicensed Mobile Access) freuen. Diese Technik ist das Missing Link zwischen GSM und WLAN. Wer sich mit einem entsprechenden Endgerät, z.B. dem 6136 von Nokia oder dem in Österreich nicht erhältlichen Philips 6120, in der Nähe eines Hot Spots befindet, kann so zum Ärger der Mobilfunkanbieter kostensparend via Voive-over-IP (VoIP) über das Internet telefonieren. Andererseits können Unternehmen mit UMA ihre Kommunikationskosten senken, indem sie intern über VoIP und extern über GSM telefonieren.
Doch auch die Verschmelzung zwischen Foto- und Handybereich geht rasant voran. Auf der Cebit präsentierte Sony Ericsson das K800i Fotohandy. Dieses ist mit einem 3,2-Megapixel-Chip ausgestattet und bietet eine aktive Linsenabdeckung sowie einen auch bei Kompaktkameras eingesetzten Xenon-Blitz. Auf Grund dieser Features hat sich Sony Ericsson entschlossen, diesem Handy den sonst nur für Sonys Digitalkameras vorbehaltenen Markennamen Cyber-shot zu verleihen. "Das Handy ist eine glaubwürdige Digitalkamera", ist Sony-Ericsson-Produktmanager Andreas Burtscher überzeugt und untermauert seine Aussage damit, dass bereits sechs Bilder der vom amerikanischen Time-Magazin als beste Fotos des Jahres 2005 gewählten Fotografien von Fotohandys stammten.
Billige Endgeräte für Entwicklungsmärkte
Nicht nur immer besser ausgestattete und mit immer mehr Funktionen versehene Handys sind ein Thema für Handyhersteller. Unter der Bezeichnung ULCH (Ultra-Low-Cost-Handset) sollen Basis-Handys für Entwicklungsmärkte, z.B. in Afrika oder Indien, zu einem günstigen Preis auf den Markt kommen. Der Marktführer im ULCH-Segment ist laut Informa Motorola, die bis 2007 ihre Marktdominanz in dieser Sparte behaupten werden. Kostete ein ULCH 2005 durchschnittlich rund 40 Dollar (rund 33 Euro) soll der Preis bis 2010 auf 28 Dollar (etwa 23 Euro) fallen. Der Begriff ULCH wird allerdings nicht von allen Herstellern gleich verwendet. Manche verstehen darunter auch Wegwerf-Handys für gesättigte Märkte und für andere sind ULCHs eine Möglichkeit möglichst schnell die Zwei-Milliarden-Schwelle bei GSM-Usern zu überschreiten.
Der 3GSM World Congress ist die wichtigste Messe der Telekommunikationsbranche. Er fand seit 1987 jährlich in Cannes statt, dieses Jahr wurde erstmals in Barcelona abgehalten (13. bis 16. Februar 2006). www.3gsmworldcongress.com.
Die Cebit in Hannover (15. bis 21. März 2006) ist die größte IKT-Messe der Welt und feierte heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. www.cebit.de.




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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 