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Thema: Mobiles Business

CSB-Systeme bei Tirol-Milch

Rationalisierung durch mobile Kommissionierung im CSB-System

Molkereiunternehmen Tirol-Milch verbindet alle Unternehmensstandorte mit integrierter ERP-Branchensoftware.

Martin Schöggl, Martin Miller

Die Tirol Milch reg. Gen.m.b.H. ist das drittgrößte Molkerei-Unternehmen in Österreich und gehört zu den traditionsreichsten Betrieben der Milchwirtschaft. Das 1935 gegründete Unternehmen erwirtschaftete im Vorjahr mit über 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 140 Mio. €. Die drei Betriebsstätten in Innsbruck, Wörgl und Lienz werden täglich von ca. 5000 Tiroler Bauern beliefert. Jährlich werden 220 Mio. kg Milch verarbeitet.

In Innsbruck befinden sich der Hauptsitz des Unternehmens und das zentrale Auslieferungslager. Produziert werden dort hauptsächlich "Flüssigprodukte" wie Trinkmilch, das international bekannte Molkegetränk "Lattella" und Speiseeis. Am Standort Wörgl werden die gesamte Becherware (Jogurt, Fruchtjogurt etc.) und Butter sowie Käsespezialitäten (wie Tiroler Bergkäse) produziert. In der Molkerei Lienz werden Topfen, Graukäse, Weichkäse sowie das Tiroler Käse-Steak hergestellt.

Die Tiroler Milchprodukte werden österreichweit über den Lebensmitteleinzelhandel, Großverbraucher sowie die Gastronomie vertrieben. Der Exportanteil beträgt 32 %, wobei der Großteil auf Deutschland und Italien entfällt.

EDV-Auswahl und Zielsetzung

Mitte 2004 entschied sich Tirol Milch für die Einführung einer neuen EDV-Lösung. Mit dem bestehenden System konnten gesetzliche Anforderungen sowie aktuelle Vorgaben des Groß- und Einzelhandels nicht mehr erfüllt werden. Insbesondere die Forderungen nach Chargenrückverfolgbarkeit gemäß EU VO 178/ 2002 und IFS (International Food Standard) sowie hinsichtlich des elektronischen Datenaustausches (EDI) galt es unter Berücksichtigung landesspezifischer Besonderheiten zu erfüllen. Ein Kommissioniersystem, welches die Chargeninformationen für eine lückenlose Rückverfolgung zum Kundenauftrag hinzufügt und speichert, war damit eine zentrale Anforderung von Tirol Milch.

Neben den branchenspezifischen Besonderheiten der Milchindustrie und den Anforderungen zur Rückverfolgung sollte das neue ERP-System ein integriertes Kommissioniersystem beinhalten und zusätzlich die elektronische Kommunikation (EDI) aus einer Hand sicherstellen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter wurde Manuel Hofer, Assistent der Geschäftsleitung bei Tirol Milch, auf CSB-System aufmerksam.

Zahlreiche nationale und internationale Referenzkunden aus der Milchwirtschaft, wie NÖM, die Naabtaler Milchwerke oder Zott, welche im Rahmen von Referenzbesuchen besichtigt wurden, und ein gemeinsam erstelltes Rationalisierungskonzept gaben im Januar 2005 den Ausschlag für die Wahl der Branchen-Software CSB-System.

Gemeinsam mit dem ERP-Spezialisten wurde ein Konzept erstellt, basierend auf einem zentralen System für alle Standorte mit integrierter Betriebsdatenerfassung. Ziele waren die Optimierung und Automatisierung der bestehenden Prozesse zur Erreichung entsprechender Rationalisierungseffekte sowie die Erfüllung der Anforderungen zur Chargenrückverfolgbarkeit.

Die Implementierung

Als Projektleiter organisierte Manuel Hofer die Umsetzung gemeinsam mit Mag. Martin Schöggl von CSB-System in drei Stufen:

  • In Stufe 1 wurde zunächst die Hardwarestruktur aufgebaut und installiert. Anschließend setzte das Team die Anforderungen an den Bereich Absatz um. Nach nur vier Monaten Einführungszeit startete am 1. Juli 2005 der Echtbetrieb im gesamten Absatzbereich inklusive MDE-Kommissionierung, Lagerverwaltung, EDI und Finanzbuchhaltung. In Innsbruck wurde zudem ein Kommissioniersystem auf Basis einer Funkkommissionierung zur mobilen Datenerfassung (M-ERP) erfolgreich in den Echtbetrieb geführt.
  • In Stufe 2 wurde das CSB-System im Bereich der Beschaffung und Materialwirtschaft sowie im Bereich Anlagenbuchhaltung bis 31.12.2005 eingeführt.
  • In Stufe 3 sollen mit dem CSB-System die Prozesse der Disposition und Produktion verbunden und mit dem Kostenrechnungssystem Felix 4 - auf gemeinsamer Datenbasis - abgestimmt werden.

Die Konzeption umfasste 70 Workstations über alle Standorte und 16 mobile Benutzer für die Scanner-Kommissionierung und Lagerverwaltung. Am Standort Innsbruck stehen ein zentraler Server auf Basis MS Windows 2003 und zwei Terminal-Server auf Basis Metaframe für den Zugriff der externen Standorte zur Verfügung.

Betriebsdatenerfassung

Zur Betriebsdatenerfassung wurden insgesamt acht Industrie-PCs, so genannte CSB-Racks, in Innsbruck, Wörgl und Lienz installiert. Der Ablauf gestaltet sich folgendermaßen:

Ein Rack am Wareneingang erfasst die Bestellungen beim Eintreffen der Ware. Dabei wird automatisch eine Losnummer generiert und mit der des Lieferanten verknüpft. Die Wareneingangserfassung führt automatisch zu einer chargengenauen Einlagerung. Bei Handelswaren, die direkt ins Fertigwarenlager verbracht werden, wird ein SSCC (Serial Shipping Container Code) oder eine NVE (Nummer der Versandeinheit) vom System generiert und die zugehörigen Palettenetiketten werden gedruckt. Aus dem CSB-System werden die für die Generierung des SSCC notwendigen Informationen (Artikel, Menge, Losnummer, Mindesthaltbarkeitsdatum) zu jedem Etikettdruckzeitpunkt online abgerufen.

Zur Erfassung des Produktionsausgangs wurden ebenfalls CSB-Racks in allen Betrieben an den jeweiligen Punkten zur Betriebsdatenerfassung in den Prozessablauf integriert. Jede aus der Produktion in das Fertigwarenlager verbrachte Palette wird hier erfasst. Der Mitarbeiter scannt das auf der Ware angebrachte EAN128-Etikett, auf dem die Artikelnummer und das Mindesthaltbarkeitsdatum gelesen werden. Automatisch, ohne eine weitere manuelle Erfassung, wird daraufhin der SSCC für eine Vollpalette generiert, ein Palettenetikett gedruckt und die Ware in das Fertigwarenlager gebucht. Am Standort Wörgl wurde zudem eine so genannte dynamische Lagerführung eingerichtet. Das CSB-System verwaltet die Regallagerplätze und ermittelt den ressourcenoptimalen Einlagerungs- und Auslagerungsplatz.

Die Ware wird an den reinen Produktionsstandorten Wörgl und Lienz zwischengelagert. Ausnahmen bilden Großbestellungen, bei denen ganze LKW-Züge direkt beladen werden. Ansonsten wird die Ware an das zentrale Auslieferungslager Innsbruck versendet. Dies erfolgt über eine Scannerkommissionierung, indem die vorerfassten Bestellungen des Auslieferungslagers an einem CSB-Rack aufgerufen werden und die SSCC der ausgelagerten Paletten einfach gescannt werden. Auch hier wurde sichergestellt, dass durch einmaliges Scannen des SSCC sämtliche relevanten Informationen, wie die Artikelnummer zur Verifizierung, die Menge, das Mindesthaltbarkeitsdatum etc. übernommen werden.

Absatz und Kommissionierung

Die Kundenaufträge werden vor der Kommissionierung nach Voll- und Teilmengen getrennt und separat zur Kommissionierung freigegeben. Damit wird erreicht, dass Vollmengen, d. h. ganze Paletten von eigenen Kommissionierern bearbeitet werden können. Diese verfügen über spezielle MDE-Scanner mit höherer Reichweite, um vom Stapler aus den SSCC zu scannen und die Palette einem Kundenauftrag zuzuweisen.

Teilmengen werden im Picklager ebenfalls über die MDE-Scanner kommissioniert, wobei durch Scannen der EAN128-Etiketten die Artikelnummer und das Mindesthaltbarkeitsdatum geprüft werden und die Charge anschließend in den Auftrag übernommen wird.

Jede Kommissionierpalette wird mit dem Druck eines Auftragsetiketts abgeschlossen. Den Anforderungen der Zentrallager des Lebensmitteleinzelhandels wird hinsichtlich der Palettenkennzeichnung und des elektronischen Datenaustauschs in allen individuellen Ausprägungen der Handelskette uneingeschränkt entsprochen.

Die Ist-Mengen der MDE-Kommissionierung werden online in die Auftragsdaten geschrieben, so dass der Fortschritt der Kommissionierung jederzeit im CSB-System transparent dargestellt wird. Neben der Erhöhung der Datenqualität konnte durch die integrierten Prüfungen, wie z. B. richtiger Artikel und Einhaltung der vereinbarten Restlaufzeit, die Personenunabhängigkeit erhöht und die Fehlerquote in der Kommissionierung maßgeblich reduziert werden.

Nach erfolgter Kommissionierung werden die Paletten tourenweise zur Verladung bereitgestellt. Verladepapiere wie Lieferscheine inklusive Chargeninformationen und Ladeliste werden automatisch pro Tour erstellt.

Nutzen und Erfolgsfaktoren

Folgende Projektziele konnten in Rekordzeit erreicht werden:

  • Einführung eines integrierten Systems, das alle Unternehmensbereiche miteinander verbindet,
  • Optimierung der Abläufe von der Beschaffung über den Absatz bis hin zur Finanzbuchhaltung,
  • Transparenz der Prozesse und Steigerung der Informationsqualität,
  • Erfüllung der Anforderung bezüglich Chargenrückverfolgbarkeit.

Weiterhin stehen detaillierte Rückverfolgungsinformationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette jederzeit im CSB-System zur Verfügung. Durch die direkte Erfassung der relevanten Daten an den i-Punkten entlang der Prozesskette wird die Datenerfassung direkt am Ort der Entstehung durch müheloses und einfaches Scannen von SSCC gesichert durchgeführt. Doppelerfassungen und zusätzliche Kosten werden vermieden. Die kaufmännischen Bereiche, Rechnungswesen und Finanzen sind ebenfalls vollständig in dem einheitlichen ERP-System integriert.

Resümierend sagt der Projektleiter, Manuel Hofer: "Die erfolgreiche und rasche Projektrealisierung hat unseren Ansatz bestätigt, auf eine langwierige Pflichtenhefterstellung zu verzichten und stattdessen sofort mit einem Partner, welcher über eine branchenspezialisierte Standard-Software und entsprechende Projekterfahrung verfügt, mit der Umsetzung zu starten."

Die Autoren: Mag. Martin Schöggl ist seit 1998 Geschäftsführer der CSB-System Niederlassung in Wien. DI Martin Miller ist seit 1999 Niederlassungsleiter CSB-Süd.

www.csb-system.at

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