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Netz & Telekom

Firmenportrait

ZTE drängt ins europäische Netzwerkbusiness

Der nächste China-Gigant

Conrad Gruber

Wer heuer auf der CeBIT in die Halle 12 stolperte, stand über kurz oder lang vor einem beeindruckend großen Messestand mit der Aufschrift ZTE. Sie ist also nun angelangt in Europa, die "chinesische Ericsson", die nun Hand in Hand mit ihrem ebenso preisaggressiven Mitbewerber Huawei den westlichen Markt für Telekom- und Netzwerkausstattung umzukrempeln gedenkt.

ZTE heißt eigentlich Zhongxing Telecommunication Equipment, aber das tut nichts zur Sache. Der Firmenname erzeugt schon in seiner Abkürzung für Schweißausbrüche in den westlichen Unternehmenszentralen der Netzwerkausrüster. Zu gut ist die "Marconi-Affäre" noch im Gedächtnis: Als die British Telecom beim Einkauf ihrer Netzwerke kürzlich vom traditionellen Lieferanten Marconi auf die wesentlich billigeren, aber qualitativ gleichwertigen Produkte der chinesischen Huawei umgestiegen ist, brachte dies Marconi unter enormen Druck: Die Aktie verlor nach Bekanntwerden des Auftragsverlusts um dramatische 44 Prozent. Der BT-Umsatz musste ausgebucht werden, ein Sparpaket von 50 Millionen Pfund folgt, 800 Jobs wackelten. Die Leidensgeschichte hatte im Oktober letzten Jahres ein Ende. Die schwedische Ericsson kaufte 75 Prozent der angeschlagenen Marconi zum Okkasionspreis.

Expansion in Europa

Doch zurück zu ZTE: Laut Vice President Fang Rong will das Unternehmen seine Präsenz in dem "am meisten entwickelten Telekom-Markt der Welt", nämlich Europa, stärken und expandieren. Das in Shenzhen und Hong Kong börsenotierte Unternehmen hat sich dafür erste Partner geangelt, wie Rong erzählt: Unter den Ausstattern sind dies Alcatel und Ericsson, unter den Netzbetreibern France Télécom, Telefónica und Portugal Telecom. Bis jetzt unterhält ZTE bereits 15 Büros in Europa für Marketing und technischen Support, will die Präsenz aber künftig "schnell" ausweiten. Gerüchteweise ist ZTE auch an einer Ansiedlung in dem geplanten chinesisch-österreichischen Technologiepark interessiert, der nach den Plänen der Stadt Wien und des chinesischen Außenhandelsministeriums einer der größten in Europa werden soll.

Im Progamm hat ZTE Breitband-Netzwerke (DSL) sowie die Mobilfunktechniken der zweiten und dritten Generation. Als DSL-Ausstatter fungieren die Chinesen in Europa bereits in Rumänien und Griechenland, ein WiMax-Netz wurde in Serbien aufgebaut.

Mit dem Hauptkonkurrenten Cisco Systems ist ZTE in weiser Voraussicht eine Partnerschaft eingegangen: Die beiden Unternehmen entwickeln gemeinsam Lösungen für zukünftige Breitband- und Mobilfunknetze. Auch mit Microsoft, Intel und IBM arbeitet ZTE nach eigener Aussage zusammen.

Nach zuletzt bekannt gegebenen Zahlen (2004) setzte ZTE weltweit 4,1 Milliarden US-Dollar um und kann damit durchaus mit den Großen der Branche mithalten. Insgesamt arbeiten 21.000 Mitarbeiter für den chinesischen Riesen. Rund zehn Prozent des Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung, wobei weniger Wohlmeinende argwöhnen, dass darin auch ein gut Teil "Kopierarbeit" von westlichen Patenten enthalten ist. Vorurteil oder nicht?

Stark am Heimmarkt

So richtig stark ist ZTE vorerst am Heimmarkt: Konzernriesen wie China Telecom, China Mobile, China Unicom, China Netcom und China Railcom stehen auf der Kundenliste. Sehr präsent ist ZTE auch in Russland und den ehemaligen GUS-Staaten wie Kasachstan und Usbekistan. Ebenfalls rüsten die Chinesen eine Vielzahl an Ländern in Ostasien aus, von Nepal bis zu den Philippinen, von Bangladesch bis Vietnam. Dazu kommen Aufträge in Afrika (u.a. Sambia, Benin, Algerien), dem Mittleren Osten (u.a. Ägypten, Saudi Arabien) sowie Mittel- und Südamerika (u.a. Panama, Chile, Brasilien). In Europa hat es ZTE bereits zu Verträgen mit der griechischen OTE, der rumänischen staatlichen Post und der norwegischen Post gebracht.

Die Produkte reichen von Mobilfunk in allen derzeit gebräuchlichen 2G- und 3G-Systemen über Breitbandnetze, Optische Netze, Switching-Produkte, Billing-Systeme und Call Center bis hin zu Videokonferenztechniken. Zu guter Letzt bietet ZTE auch Mobiltelefone an, und zwar als einziger chinesischer Anbieter in allen drei Systemen (GSM, CDMA und PCS). Nur eines ist ZTE nicht gelungen: Den Kauf der Siemens-Handy-Sparte, wofür sich die Chinesen ursprünglich stark interessierten. Das hätte dem Unternehmen wohl noch mehr Vorschusslorbeeren gebracht.

www.zte.com.cn

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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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