Andreas Roesler-Schmidt
Während sich die heimische ITnT erfolgreich auf Business-Themen konzentriert, schwankt - freilich in einem anderen Maßstab - die Cebit von Jahren, in denen unerwünschte Spielkonsolen zum Eklat führen bis zu Jahre n wie heuer, wo Consumer-Aussteller dem Messeveranstalter mehr als willkommen waren und neben einigen Hallen noch die Sonderschau "Digital Living" als Zuckerl bekamen. Damit versucht die Cebit, dem Trend Rechnung zu tragen, dass viele Technologien erst durch ihre Verbreitung unter Konsumenten auch im Business-Bereich zum Durchbruch kommen. Das zeigt etwa das allgegenwärtige Voice-over-IP: angetrieben vom Skype-Hype, der "VoIP" plötzlich zum Allgemeinvokabel werden ließ, hebt das Thema jetzt auch im Business richtig ab.
Damit bot die diesjährige Cebit vieles für Consumer, allerdings kaum etwas, was nicht zu erwarten war. Bestes Beispiel ist der Mobilfunk, wo absehbare Entwicklungen zu beobachten waren: neue Smartphones verstecken ihr Können in flachem Lifestyle-Gehäuse; rein Freizeit-orientierte Telefone treten gegen klassische MP3-Player an. Die Palette der Walkman-Handys bei SonyEricsson wächst ebenso wie die Musikhandys von BenQ. Wenn es nicht um den guten Ton geht, geht's um Bilder: Die Auflösung der Fotohandys steigt laufend, reicht SonyEricssons K800 mit 3,2 Megapixel immerhin nun endlich wirklich für Schnappschüsse, versucht Samsung sich selbst zu übertreffen: Das 10 Megapixel-Handy schlägt denn alten 8-MP Rekord. Die Telefone ähneln Kameras mehr als Handys.
Im Jahr der Fußball-WM setzt die Mobilfunkbranche ganz auf die Blase TV am Handy. (Erinnert sich eigentlich noch jemand an die "Killerapplikation" Videotelefonie?) Hier konnte seit der Funkausstellung der DVB-H Standard gegenüber dem Konkurrenten DMB spürbar aufholen, etliche Hersteller haben DVB-Handys parat. Dafür startet DMB als S-DMB ins All und bietet Satelliten-TV fürs Handy. Zufriedenstellende Bilder liefert keines der Systeme.
Der Boom zu tragbaren Navigationssystemen (Personal Navigation Device/PND) scheint unaufhaltsam, auch wenn sie bis auf wenige Ausnahmen wie die Topmodelle von Blaupunkt und Becker, die fast an schwächere Festeinbausysteme heranreichen, immer noch keine zu teureren Systemen vergleichbare Qualität liefern können. Jedenfalls wird Tomtom, Erfinder der Gattung PND, inzwischen von vielen neuen unbekannten Herstellern nachgeahmt. Newcomer wie die ungarische iGo oder die türkische Navturk können immerhin mit besonders detailliertem Kartenmaterial in deren Heimaltländern punkten. Innovativeres bieten fernöstliche Hersteller mit dreidimensional dargestellten Häusern am Handheld-Display, die die Orientierung in der realen Welt erleichtern sollen. Die notwendigen Daten, um sie auch auf europäischen Karten darzustellen, fehlen noch.
Das Zusammenfließen von PC- und Unterhaltungselektronik schreitet voran, immer mehr Hersteller zeigen Wohnzimmer-PCs etwa auf Intels Viiv-Plattform oder Consumer-Geräte, die zumindest ihre Inhalte übers Netzwerk vom PC beziehen können. Einige davon lassen sich nunmehr auch mit Haussteuerungssystemen koppeln, so dass sie dem Schlagwort "Heimvernetzung" erstmals gerecht werden. Der Fernseher dient dann nicht mehr bloß als zentrale Abspielstation für Multimedia, sondern auch als Befehlsgeber der gesamten Hauselektrik. Konvergenz - wie die Branche zusammengepferchte Funktionen gerne nennt - versucht auch Microsoft mit dem Ultra Mobile PC zu bieten, der vor der Messe als Origami gepusht wurde, als stünde die Revolution des PCs bevor. Was tatsächlich herauskam zeigte Samsung mit dem Q1: Ein Tablet PC mit 7 Zoll Display. Es soll Tablet PC, MP3/Video-Player, externe Festplatte, PDA, Navigationssystem und mobiles (DMB-)TV-Gerät in einem kompakten von Windows XP Tablet Edition angetriebenen Gadget vereinen. Zu groß für einen PDA und zu schwach für einen PC lässt sich allerdings noch nicht erkennen, welche Art von Anwendern Microsoft zu Origami falten können wird.




1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 